wzfDie Abkürzung MINT steht für die Abkürzung Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik-/Ingenieurswissenschaften. Es haben sich in den letzten Jahren viele Portale, Stifterinitiativen und Förderprojekte entwickelt, die auf den Fachkräftemangel verweisen. Laut aktuellen Zahlen soll es 116 000 unbesetzte Stellen auf dem Arbeitsmarkt geben (Quelle: Mint Zukunft schaffen).

Viele der Fachkräfte haben nach Angaben von Arbeitsmarktexperten das Alter von 63 überschritten und stehen daher kurz vor ihrer Rente. An den Universitäten und Fachhochschulen hat es daher in den letzten Jahren einen „Run“ auf Fächer aus diesen Bereichen gegeben. Rund 41 % aller Studienanfänger entscheiden sich heute für ein Studium dieser Fachrichtungen (Quelle: Stifterverband). Deutschland wird also in naher Zukunft diesen angeblichen Fachkräftemangel schließen können. Den Studenten dieser Fachrichtungen steht demnach eine goldene Zukunft bevor. Oder ist die Wirklichkeit in Wahrheit doch komplizierter als Zahlen und Fakten?

Das Studium der Informatik – Eine Arbeitsplatzgarantie?

Ein Studium der Informatik klingt allein schon wegen der Bedeutung der neuen digitalen Medien und der Internetaffinität für junge Menschen vielversprechend. Die oben angeführten Alterszahlen von Fachkräften können für diesen noch recht jungen Studiengang unterdessen nicht herhalten. Die Verdienstmöglichkeiten von Programmierern und Software-Entwicklern sind allerdings wirklich nach oben hin offen. Alle großen Konzerne verfügen in diesem Bereich über eine eigene Abteilung. Es scheint daher auf den ersten Blick überraschend zu sein, wie viele junge Menschen nach ihrem Studium der Informatik als Freelancer arbeiten, auftragsabhängig sind und den harten Weg der Selbstständigkeit gehen müssen. Der Mittelstand, der der größte Arbeitgeber in Deutschland ist, leistet sich relativ selten eine eigene Abteilung von Computerspezialisten.

Das hängt zum einen mit dem Trend zusammen, dass kostenintensive Abteilungen in Unternehmen ausgegliedert worden sind und der komplette Internetbetrieb heute verstärkt über externe Dienstleister abgewickelt wird. Und hier beginnt die bekannte Kette von Auftragsvergaben nach Preis und Leistungsumfang, die die Konkurrenz unter den Dienstleistern erhöhen. Hinzu kommt, dass Software-Umstellungen temporär sind. In vielen Unternehmen werden solche Umstellungen als zeitlich begrenzte Projekte angesehen. Deswegen muss man bei allem Optimismus festhalten, dass die Branche nur bedingt Arbeitsplätze schafft, viele neue Programme sogar als „Arbeitsplatzvernichter“ gesehen werden.

Mathematik und Ingenieurs-/Technikwissenschaften – Zukunft mit Abstrichen?

Wer Mathematik oder Ingenieurs-/Technikwissenschaften studiert, hat laut Einschätzung vieler Arbeitsmarktexperten eine gute Zukunft vor sich. Die oben angeführten offenen Stellenangebote sind für viele ein Zeugnis dafür, dass hier ein echter Fachmangel besteht. Wer sich aber einmal die Abbruchquoten junger Studenten gerade in diesen Fachdisziplinen anschaut, wundert sich etwas. 4 von 5 Studenten geben das Mathematikstudium bereits nach dem ersten Semester auf. (Quelle: Spiegel).

In den Natur- und Ingenieurs-/Technikwissenschaften liegt die Abbruchquote oft bei 50% (Quelle: Deutschlandfunk). Das mag ja zum Teil mit der Schwierigkeit der Fächer selbst zu tun haben. Aber warum die Abbruchquote dann bei den verstärkten Förderinitiativen der letzten Jahre weiterhin stabil hoch geblieben ist, kann nicht allein mit der Komplexität eines Fachgangs erklärt werden.

Die Naturwissenschaften – Ein Sonderfall

Egal, ob als ausgebildeter Mikrobiologe oder staatlich geprüfter Chemiker – die Naturwissenschaften stellen einen Sonderfall auf dem Arbeitsmarkt dar. Wer jenseits des akademischen Umfeldes nach Arbeitsplätzen sucht, wird sich nach einem harten Studiengang gleichen wirtschaftlichen Prozessen ausgesetzt sehen. Befristete Arbeitsverträge sind auch hier keine Seltenheit. Viele Praktika sind für Naturwissenschaftler vor Aufnahme eines ersten Arbeitsplatzes die Regel. Spezialwissen schützt ebenfalls nicht vor Arbeitslosigkeit. Der Sonderfall der Naturwissenschaften besteht darin, dass es in den Studieninhalten vielfältige inhaltliche Vertiefungsangebote gibt, die später für Unternehmen in der Praxis mitunter nicht verwertbar sind.

Das hängt stark mit der Forschungsaffinität des akademischen Personals in diesen Fächern zusammen, die lieber projektbezogen ihre Themen an der Universität lehren statt sich mit der berufsperspektivischen Situation der Studenten befassen. Gerade in diesen Fachdisziplinen muss sich noch ganz viel bewegen, wenn es um die Annäherung von Theorie und Praxis geht.

Als Fazit muss man ziehen, dass die MINT-Fächer zu Beginn des Studiums sehr viel versprechen, aber für junge, gut ausgebildete Menschen am Ende das kalte Wasser der Praxis genauso spürbar ist wie für Studenten anderer Fachrichtungen.

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