junge asiatische frau im büroVielen fällt es ab und an schwer, sich aufzuraffen und sich selbst zu motivieren. Anstehende Aufgaben werden vor sich hergeschoben oder werden mit wenig Elan angegangen. Und auch kurz vor dem entscheidenden Ruck, dem Abgabetermin oder der Präsentation, gibt es nicht selten etwas, was uns noch wichtiger erscheint.

Hier fehlt es eindeutig an Selbstmotivation, um aus diesem Alltagstrott wieder rauszukommen und wieder Freude an den Aufgaben zu entwickeln. Wie so etwas funktioniert und wie man Motivation lernen kann, hat uns Coaching-Expertin Anne-Kathrin Orthmann in einem Interview erklärt.

Es gibt viele Faktoren, die auf Ihre Motivation Einfluss nehmen

Was ist Motivation und woher kommt sie?

Business Finish LineOrthmann: Motivation hat viele Facetten. Sie, Ihre, Familie, Ihre Kollegen, jeder braucht sie jeden Tag. Wer hat noch nie abends im Badezimmer gestanden und überlegt: “Putze ich mir jetzt die Zähne – oder gehe ich direkt ins Bett?“ Wem das auch schon so ergangen ist, der nicht immer diszipliniert und motiviert ist, der sollte an dieser Stelle auf jeden Fall weiterlesen. In diesem Interview sind stets weibliche und männliche Personen gemeint, zur Vereinfachung wird nur ein Geschlecht genannt. Motivation aus wissenschaftlicher Sicht wurde z. B. von Herrn Graumann 1969 mit der „Wechselwirkung zwischen motiviertem Subjekt und motivierender Situation“ definiert. Darum geht es im Wesentlichen, eine Person und deren Handlung in einer Situation. Die Situation kann motivierend wirken und die Person kann aus sich heraus oder von außen motiviert werden. Ist die Person motiviert,  steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Handlung bestmöglich ausführt.

Wenn Sie morgens aufwachen, dann motivieren Sie sich selbst aufzustehen. Ihre persönliche Einstellung, spätestens in der Küche oder im Auto, entscheidet darüber, wie Ihr Tag wird! Missmutig, alles läuft schlecht? Dann bleibt das so! Der positive Gedanke, ach ist gar nicht so schlimm, bringt Sie wieder in Fahrt! Die Entscheidung treffen Sie! Es gibt viele Faktoren, die auf Ihre Motivation Einfluss nehmen: Sind Sie gesund? Wie ist Ihre private Situation? Wie wichtig ist Ihnen Ihre Aufgabe? Wie ist die Stimmung in Ihrem Unternehmen, Ihrer Behörde, Ihrem Amt, Ihrer Schule, Ihrer Kanzlei, Ihrer Praxis, Ihrer Klinik etc. Auch wenn es viele äußere Faktoren gibt, so haben Sie doch große Einflussmöglichkeiten auf Ihre individuelle Motivation

Gibt es unterschiedliche Motivationstypen?

TypenOrthmann: Die Einteilung der Motivationstypen dient dazu, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Kategorien es geben kann. Denken Sie dabei aber auch immer an die vielen Faktoren, die Einfluss nehmen! Es gibt z. B. die Einteilung der unterschiedlichen Motivationstypen nach der Forschungsgruppe des Organisationspsychologen James Diefendorff: 1. mäßig motiviert, ohne schlechtes Gewissen (der Faule), 2. kaum selbstbestimmt (der Lustlose), 3. durchweg mäßig motiviert (der Mitläufer), 4. sehr selbstbestimmt (der Macher) und 5. sehr motiviert durch innere und äußere Beweggründe (der Selbständige). Je nach Aufgabe, können sich die Menschen innerhalb der Typen verschieben. Erschien der Schüler in der Schule noch faul und völlig unmotiviert, so läuft er bei Computerspielen zu höchster Motivation auf.

Bei der Mehrheit der Menschen ist es immer möglich, die Einstellung und das Verhalten, besonders durch die richtige Motivation, zu verändern. So wie sich der individuelle Geschmack beim Essen, das Interesse an Freizeitaktivitäten oder auch Veränderungen im Bekanntenkreis im Laufe des Lebens immer weiterentwickeln, so verändert sich auch die persönliche Einstellung. Tritt z. B. ein neuer Partner ins Leben, macht man auf einmal Dinge, die man vorher nicht getan hat! Es kann individuell von „innen“ und „außen“ Einfluss genommen werden.

Aufschieberitis gehört im geringen Umfang dazu

Wie kann man herausfinden, welcher Typ man am ehesten ist?

Orthmann: Sie sollten wissen, welche Motive Sie selbst zu einer Handlung bewegen. Dazu gibt es unterschiedliche Anregungen: 1. Sie bekommen eine Belohnung, wenn Sie etwas erfolgreich (zu definieren) erledigen 2. Sie möchten negative Gefühle vermeiden, wenn Sie etwas nicht richtig ausführen (innerer Druck) 3.  Sie möchten Bestrafung vermeiden (äußerer Druck) 4. Die Arbeit stimmt mit Ihren Idealen überein (Ihre persönlichen Ziele) 5. Sie identifizieren sich mit Ihrer Arbeit, sie macht Ihnen Spaß und bietet Ihnen eine persönliche Erfüllung.

Man unterscheidet extrinsische Motivation, bei der die Anreize von außen kommen (1 + 3). Bei der intrinsischen Motivation ist die Person aus sich heraus motiviert (2+4+5). Jetzt denken Sie an die letzte Situation, bei der Sie bewusst Motivation benötigt haben. Welche der o. g. Motivationen hat geholfen? Nutzen Sie Ihr Ergebnis und setzen Sie die Form der Belohnung bewusst für Ihre nächste wichtige Aufgabe ein.

Prokrastination oder einfacher gesagt die Aufschieberitis kennt wohl jeder unter uns – egal ob Schüler oder Manager. Warum ist das Phänomen so weit verbreitet?

iStock_000001830922XSmallOrhtmann: Die Fülle an Aufgaben, die jeder täglich zu bewältigen hat, sind nur noch bei perfekter Zeitplanung zu schaffen. Doch vorher schleicht sie sich ein – diese Prokrastination/Aufschieberitis. Einmal angefangen, überholt sie einen und der Berg an zu erfüllenden Aufgaben wächst. Wenn Sie kurz darüber nachdenken, fällt Ihnen bestimmt ein, was Sie vor kurzem noch aufgeschoben haben? In geringem Umfang gehört es zum täglichen Leben dazu. Sie schaffen nicht alles zu erledigen, da fallen die ungeliebten Dinge schon mal raus: die Grußkarte für die Schwiegermutter, die Kontrolle beim Zahnarzt, das unangenehme Telefonat…

Wenn die Prokrastination jedoch so intensive Formen annimmt, dass sie wirtschaftliche Folgen (die Prüfung wird nicht angetreten, die Unterlagen werden nicht rechtzeitig eingereicht und dadurch erfolgen keine Zahlungen) oder gesundheitliche Folgen (Druckgefühl, dauerhafte Kopfschmerzen, massiver Leistungsabbau…) hat, sollte so schnell wie möglich professionelle Hilfe geholt werden. Da gibt es keine Alternative! Für alle anderen geht es darum zu klären, ob es sich um mangelnde Kompetenzen oder mangelnde Willigkeit handelt. Bei mangelnder Kompetenz muss man sich selbst fachliche Unterstützung holen oder sie einfordern. Bei mangelnder Willigkeit, müssen die individuell richtigen Strategien genutzt werden.

Sich bewusst Belohnungen gönnen

Wie hält man also erfolgreich „den Graben zwischen Entschluss und Ausführung“ äußert schmal?

Orthmann: Dazu gehören ganz viel Willigkeit, eine Menge Kompetenzen und das notwendige Selbstvertrauen. Denn so einfach ist das nicht. Nur weil ich etwas will oder glaube, ich kann alles, schaffe ich es noch lange nicht. Wann hatten Sie das letzte Mal das Gefühl, als Sie abends das Büro verlassen haben, dass Ihnen der Schädel raucht und Sie nicht das erreicht haben, was Sie wollten? Sie möchten wieder dahin, dass Sie nachvollziehen können, was Sie erreicht haben? Dass Sie stolz auf das sein können, was Sie erzielt haben? Das geht und es funktioniert wirklich!

Pareto-PrinzipZunächst einmal gilt der Grundsatz des Schriftlichen. Alles was Sie aufschreiben, haben Sie auch tatsächlich vor Augen, dann geht es Ihnen nicht verloren. An dieser Stelle ist es hilfreich, sich einmal eine fachliche Unterstützung im persönlichen Zeitmanagement zu holen, damit Sie eine gute Grundlage haben. Ich lege Ihnen gerne das „Pareto Prinzip“ an Herz, als ideale Motivation. Es geht darum, dass z. B. in 20 % der Sitzungszeit 80 % der wichtigen Beschlüsse gefasst werden, während 80 % der Telefonate nur 20 % zum Erfolg beitragen. Wenn Sie nun möglichst häufig aus 20 % Einsatz 80 % Erfolg erzielen wollen, ist das eine tolle Motivation oder? Wenn Sie die Grundzüge verstanden haben, können Sie sich gemeinsam ein individuelles Zeitmanagement aufbauen. Dann werden nur kleine Gräben entstehen und die werden Sie schnell wieder auffüllen und Sie brauchen keine Unterstützung mehr. Ihr Zeitmanagement-Prinzip können Sie Ihr Leben lang nutzen und auf die wechselnden Gegebenheiten umstricken

Hilft es, sich selbst Belohnungen zu versprechen, wenn Aufgaben geschafft sind? Wie könnte diese im Berufsalltag aussehen?

Orthmann: Belohnungen sind ein notwendiges Lebenselixier. Kleinen Kindern wird z. B. gesagt, wenn du mitgehst, bekommst du ein Eis. Mit Freude gehen die Kleinen auf einmal mit spazieren, einkaufen oder ähnliches. Sie erfreuen sich dann so an ihrer Belohnung, dass sie die unangenehme Seite ganz vergessen. Das wirkt bis ins hohe Alter, nur die Motivationsstrategie verändert sich. Einige Frauen gehen schoppen, um sich zu belohnen, einige Männer trinken sich einen guten Whiskey o. ä., so individuell die Gründe für das Aufschieben oder nicht motiviert sein sind, so vielschichtig sind die Belohnungen. Der eine freut sich über eine Tasse Cappuccino, ein anderer über das Hören einer klassischen CD oder eines Konzertes, wieder ein anderer läuft mit einem Personal Trainer und der nächste gönnt sich einen Wellnesstag. Egal welche Belohnung Sie nutzen, wenn Sie etwas besonders gut gemacht haben, Sie sollten sich vorher bewusst machen, dass Sie sich diese Sache jetzt als Belohnung für sich gönnen. Dann fühlt es sich viel besser an und hält länger.

Motivation kann man lernen

Also gibt es richtige „Motivationsstrategien“, die man auch erlenen kann?

Ohrtmann: Die folgenden Motivationsstrategien können Sie direkt anwenden. Wenn es um Kompetenzen geht, können Sie sich Unterstützung holen:

  1. Jeder ist für sein Handeln und Nichthandeln verantwortlich:
    Schauen Sie abends in den Spiegel. „Das habe ich gut gemacht!“– Wenn Sie es nicht geschafft haben: Liegt es an Ihnen? Wer muss es ändern? Dann fordern Sie es ein oder treten sich in den Hintern
  2. Wenn jeder ein bisschen für den anderen tut…
    Machen Sie einfach mal für Ihren Kollegen/Mitarbeiter/Chef ein kleines bisschen mehr. Tue Gutes und es kehrt zu dir zurück! Freude schenken kann Freude bringen.
  3. Gönnen Sie sich bewusst etwas
    Die Freude über das erzielte wird dadurch noch mehr aufgewertet und der Anreiz, sich wieder für etwas zu belohnen steigt.
  4. Sein Sie ehrlich zu sich selbst
    Nur wenn Sie ehrlich feststellen, was die Ursachen für Ihre Unlust sind, können Sie anfangen sie zu ändern. Keine Ablenkungen mehr zulassen. Sie tragen die Verantwortung für sich.
  5. Fangen Sie einfach an…
    Egal um welche Aufgabe es sich handelt, fangen Sie an! Keine Ausreden – beginnen Sie mit 5 Minuten intensiver Arbeit an dieser Aufgabe. Dann wird sie auch motiviert ausgeführt.
  6. Freude an der Aufgabe erleben
    Erleben Sie bewusst, was Sie alles leisten können. Spüren Sie, wie gut es sich anfühlt, durchzuhalten und etwas durch die eigene Leistung zu schaffen.
  7. Treffen Sie jeden Tag bewusst Ihre Entscheidung
    Schon morgens entscheiden Sie für sich, wie Sie Ihren Tag angehen möchten. Vielleicht ist in diesem Moment die Aussicht auf eine Belohnung ein guter Motivator.
  8. Die Richtung, in die Sie gucken, bestimmt Ihren Weg
    Wenn Sie bewusst positiv (nach oben) schauen, dann geht Ihre Entwicklung auch in die Richtung. Haben Sie Geduld, der Weg nach unten geht schnell, der nach oben dauert länger, aber er macht viel mehr Spaß!

Motivationsstrategien direkt zum Mitnehmen

Orthmann-Motivationskärtchen

Jetzt die acht Motivationskärtchen direkt als PDF downloaden!

A.-K. Orthmann kleinAnne -Kathrin Orthmann

Bildungswissenschaftlerin B. A.

Anne-Kathrin Orthmann ist seit vielen Jahren erfolgreich als Personalentwickler tätig. Ihre Schwerpunkte in der Selbständigkeit liegen dabei in den Bereichen Kommunikation und Führung, dem Umgang mit schwierigen Situationen im Arbeitsalltag, sowie der Motivation und dem Zeit- & Stressmanagement. Ihre individuelle Beratung, ein abgestimmtes Konzept sowie eine umfassende Prozessbegleitung, führen dabei zu lösungsorientieren Ergebnissen, die schnell umgesetzt werden können.

 

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