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Im zweiten Teil unseres Interviews mit Fabian Lehn von studentjob.de geht es um die Probleme, nach dem Studium einen Job zu finden und darum, was Unternehmer von jungen Akademikern genau erwarten.

Hauptsache Bildung: Viele Studierende bekommen doch recht unkompliziert einen Nebenjob. Wenn es jedoch darum geht, einen richten Job zu finden, haben einige Probleme. Woran könnte das liegen?

Fabian Lehn: Hier besteht die Problematik aus verschiedenen Faktoren. Zum einen ist die Festanstellung eines neuen Mitarbeiters für die Firma mit einer ungleich höheren Bindung verknüpft, kann man doch den Nebenjobber relativ kurzfristig loswerden. Aus diesem Grund sehen Unternehmen bei neuen Mitarbeitern oft ganz genau hin, wenn es um die Einstellung geht und die Ablehnung basiert auf marginalen Unterschieden zu Mitbewerbern.

Ein weiteres, großes Problem, das ich hier bei StudentJob täglich beobachte, ist die oft unterdurchschnittliche Qualität von Lebenslauf und Motivationsschreiben. Wer hier nicht wenigstens die Grundregeln der äußeren Form und der Inhalte beachtet, mag zwar bei einem Nebenjob noch akzeptiert werden, bei einer regulären Anstellung hingegen sind solch formale Details oft essentiell. Von daher empfiehlt es sich mit Hilfe von einschlägigen Websites und unter Anleitung von versierten Bekannten das eigene Portfolio entsprechend zu gestalten. Der Lebenslauf ist das Aushängeschild des Bewerbers und sollte dementsprechend auch immer auf Hochglanz poliert sein.

Zu guter Letzt das vielgefürchtete Interview: Beim Nebenjob handelt es sich meist um ein eher informelles Gespräch in dem organisatorische Dinge geklärt werden und das weniger der Auswahl der Kandidaten dient. Im Gegensatz hierzu sind Interviews für Festanstellungen ungleich professioneller und anspruchsvoller gestaltet. Hier will die Firma schließlich prüfen ob der Bewerber ins Team passt, seine Qualifikationen auch anwenden kann, motiviert ist etc.

Diesen Druck bewältigen nicht alle Bewerber gleich gut, so können vor allem die ersten Interviews schon mal gehörig schiefgehen. Aber keine Sorge: Übung macht den Meister, nach dem fünften Interview weiß man oft schon was einen erwartet und was der andere hören will. Es gibt für die ganz schweren Fälle auch spezialisierte Coachings, die einem die Angst vor Interviews nehmen sollen.

Dank Onlineverfahren ist Bewerben heute einfacher als noch vor fünf Jahren

Hauptsache Bildung: Was denken Sie, ist es heute schwieriger oder einfacher einen neuen Job zu finden als noch vor fünf Jahren?

studentjobFabian Lehn: Was sicherlich ein Faktor ist, der mehr Konkurrenz um ein Angebot erzeugt, ist die fortschreitende Globalisierung. Während es natürlich auch im Jahr 2008 schon möglich war, sich auf Jobs in allen möglichen Ländern zu bewerben, ist es dennoch heutzutage noch einfacher. Skype Interviews werden immer gebräuchlicher, was bedeutet dass der andere Bewerber für die Stelle in London auch einfach mal aus Indien kommen kann. Das erhöht natürlich den Konkurrenzdruck, man muss auch auf internationalem Level denken, während man seine Unterlagen erstellt.

Andererseits machen die technischen Fortschritte das Bewerben aber auch einfacher denn je. Die klassische Bewerbung per Brief mit Mappe stirbt aus, die meisten Firmen wickeln das Recruiting über ein ATS (Applicant Tracking System, automatisiertes Bewerberverwaltungssystem, das eingehende Bewerbungen scannt und sortiert) oder Email ab. Diese Digitalisierung ermöglicht es Bewerbern, unzählige Unternehmen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit anzuschreiben, was so früher nicht möglich war. Dennoch sollte man nie auf Quantität vor Qualität setzen, uninspirierte Standardbewerbungen erkennen gute Personaler sofort und lassen diese direkt in den Papierkorb  wandern.

Kurzum: Wer weiß, wie man eine gute Bewerbung erstellt und seinen Lebenslauf ansprechend gestaltet, der wird auch trotz Wirtschaftskrise (ein weiterer Faktor, der die Jobsuche nicht gerade vereinfacht) früher oder später seinen Arbeitsplatz finden. Im Endeffekt denke ich, dass es nicht schwieriger ist heutzutage einen Job zu finden als vor 5 Jahren.

Hauptsache Bildung: Haben Sie einen Insider-Tipp für Bewerber, worauf Unternehmen bei der Rekrutierung junger Akademiker achten?

Fabian Lehn: Es ist natürlich sehr schwierig, die vielfältigen Ansprüche welche Personaler aus verschiedenen Branchen an Bewerber stellen, zusammenzufassen. Dazu sind die Anforderungsprofile einfach zu verschieden.

Aber eine Sache kommt immer gut an: Begeisterung für die Stelle und die Firma. Niemand erwartet dass man völlig aus dem Häuschen ist und zwei Seiten lang das Unternehmen lobt. Aber wenn der Personalsachbearbeiter sieht, dass der geneigte Bewerber weiß, welche Produkte die Firma verkauft, wer die wichtigsten Konkurrenten sind und was die Firma so besonders macht, dann kann das die Chancen auf einen Job enorm erhöhen. Nichts ist schlimmer, als wenn beim Interview herauskommt, dass der Bewerber massenweise Unternehmen angeschrieben hat und sich eigentlich gar nicht so sehr für die Stelle begeistern kann. Bei so einem Kandidaten ist die Gefahr, dass er bald wieder geht oft zu hoch.
Was man hiervon mit auf den Weg nehmen sollte:

  • Nicht auf Stellen bewerben die man eigentlich nicht zu 100% haben will (man verschwendet seine Zeit und die der anderen)
  • Immer schon vor (!) der Bewerbung Nachforschungen über das Unternehmen anstellen und diese Erkenntnisse in das Motivationsschreiben einfließen lassen
  • Vor dem Interview ein paar Antworten auf Standardfragen bereitlegen, so wie „Warum sind gerade Sie der Richtige für die Stelle?“ oder „Warum haben Sie Marketing als Studienrichtung gewählt“? und natürlich „Was sind Ihre Stärken und Schwächen?“

Hauptsache Bildung: Herr Lehn, vielen Dank für diese ausführlichen Antworten.

Bildnachweis: © pixelio.de/www.JenaFoto24.de

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