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Für viele junge Menschen ist es schlicht unmöglich, sich voll und ganz auf ihr Studium zu konzentrieren. Denn irgendwovon muss man ja schließlich leben. Wir haben die aktuellen Probleme mit jemandem diskutiert, der sich täglich damit beschäftigt: Fabian Lehn von Studentjob.de.

Studentjob.de ist ein Jobportal für Studenten und Absolventen. Hier werden deutschlandweit Nebenjobs, Praktika und Einstiegsjobs für Hochschulabsolventen vermittelt. Da wir uns in letzter Zeit verstärkt dem Thema Studieren und Jobben gewidmet haben, sind wir gezielt auf einige Experten zugegangen. Fabian Lehn ist einer davon. Er ist Online Marketing Manager bei Studenjob.de und kennt die Probleme, die sich Studierenden und Absolventen stellen. Aus diesem Grund haben wir ihm die dringlichsten Fragen auf den Tisch gelegt.

Hauptsache Bildung: Für viele Studierende ist es zunächst egal, welchen Nebenjob sie machen. Ihnen geht es vorwiegend um die eigene Finanzierung. Ab wann sollte man sich jedoch Gedanken machen, einen zur Fachrichtung passenden Job zu suchen?

Fabian Lehn: Ein zur Fachrichtung passender Nebenjob, der auch noch gut bezahlt ist und dessen Arbeitszeiten günstig gelegen sind, ist eine Rarität. Es geht beim Nebenjob primär darum, dass genügend gezahlt wird und der Job an sich nicht komplett daneben ist. Wer natürlich die Gelegenheit hat, einen Job in der eigenen Fachrichtung zu ergattern, sollte definitiv nicht lange zögern, allerdings immer Vor- und Nachteile gegenüber anderen Jobs abwägen (Lohn, Distanz zum Wohnort, Aufgabenbereich). Eine gute Anlaufstelle ist die eigene Fakultät, welche ja eventuell eine begehrte Position als studentische Hilfskraft (SHK) anbietet.

Für das Sammeln von Praxiserfahrung während des Studiums eignen sich jedoch generell Praktika viel besser als Nebenjobs, da die Einbindung in das Unternehmen höher ist. Wenige Unternehmen würden wohl eine Aushilfe mit einem eigenen Projekt betrauen, bei Praktikanten sieht die Sache schon anders aus. Dadurch dass Praktika während des Studiums (auch im Zuge der Bologna Reformen) immer gängiger werden, verbessert sich auch die Ausbildung der Praktikanten. Durch Trainings und Weiterbildungen werden Praktikanten in vielen Unternehmen mittlerweile zu geschätzten Mitarbeitern, die auch nicht ganz schlecht entlohnt werden.

Hauptsache Bildung: Nebenjobs können das Studium gefährden. Gerade wenn die Arbeitszeiten so ungünstig sind, dass kaum noch Zeit zum Lernen bleibt. Was kann man den Betroffenen raten?

studentjobFabian Lehn: Sofern die Existenz nicht in Gefahr ist gilt natürlich: Das Studium geht vor. Eine vermasselte Prüfung zu viel, weil man mal wieder Schlussdienst in der Kneipe hatte, kann oft ein weiteres Semester bis zum Abschluss bedeuten. Wenn man diese Kosten mit dem entgangenen Gehalt von ein paar Schichten vergleicht, wird schnell klar, dass es sich einfach nicht lohnt.

Eine wichtige Regel bei Nebenjobs während des Studiums ist daher vor Beginn des Arbeitsverhältnisses dem Chef klarzumachen, dass die Uni manchmal eben vorgeht. Die meisten Arbeitgeber haben Verständnis hierfür, lediglich in der Gastronomie und anderen Branchen mit unvorhersehbaren Schwankungen könnte das manchmal schwierig werden.

Wer auf der Suche nach einem Nebenjob ist, sollte sich genau über die gewünschte wöchentliche Arbeitszeit informieren und überlegen, ob der Job mit dem Arbeitsaufwand (SWS pro Kurs) des aktuellen Semesters wirklich vereinbar ist. Ansonsten wäre auch ein Wochenendjob (Gastronomie/Hotellerie, Messearbeit, Promotion, Tankstelle) eine gute Alternative, um die Woche für das Studium freizuhalten.

Wer offen auf Kollegen zugeht, baut sich ein positives Netzwerk auf

Hauptsache Bildung: Wie kann man sich in der Studienzeit vernetzen? Ist hier ein Nebenjob über das ganze Studium oder ein Praktikum mehrere Wochen/Monate sinnvoller?

Fabian Lehn: Das ist keine eindeutig zu beantwortende Frage, da die Umstände in jedem Job natürlich anders sind. Während ein Nebenjob an der Supermarktkasse wohl weniger dem persönlichen Netzwerk hilft, ist der Job als Aushilfe in einer edlen Boutique vielleicht eine Goldgrube für neue Kontakte. Dasselbe kann bei Praktika gelten, es hängt immer von der Tätigkeit und Firma ab. Tendenziell kann man aber wohl sagen, dass man durch die qualifiziertere Arbeit und bedeutendere Position in einem Praktikum besser netzwerken kann als im Nebenjob.

kellnerEgal für welche Variante man sich entscheidet: Sobald es ernsthaft mit dem professionellen Netzwerken losgehen soll, müssen die Internetauftritte auf Vordermann gebracht werden. Das heißt: Seriöse Email-Adresse, sauberes Facebookprofil, eventuell auch Konten auf Xing und LinkedIn. Wer neue Bekanntschaften im Unternehmen zu seinen Kanälen hinzufügt, sichert sich so eine direkte Verbindung zu beruflichen Partnern. Die früher übliche Visitenkarte wird zunehmend durch diese Formen der Kontaktaufnahme ersetzt.

Mehr als um die Art des Jobs geht es beim Netzwerken um die persönliche Einstellung. Wer offen auf Kollegen zugeht und zugleich nicht zu aufdringlich erscheint, der kann in der späteren Karriere auf ein reichhaltiges Netzwerk an Freunden und Bekannten zurückgreifen.

Hauptsache Bildung: Kann man sich einen Nebenjob als Praktikum anrechnen lassen, wenn sich der Arbeitsbereich mit den Praktikumsrichtlinien deckt?

Fabian Lehn: Das hängt immer von den Bestimmungen der Hochschule ab, die Regeln unterscheiden sich hier leider sehr. Ich muss jedoch betonen, dass ein Praktikum ein fest definiertes Arbeitsverhältnis ist, was sich auch im Arbeitsvertrag widerspiegelt. Womit wir bei dem Kern des Problems wären: Viele Nebenjobs werden ohne ordentlichen Arbeitsvertrag ausgeübt, was meiner Erfahrung nach ein Ausschlusskriterium für die meisten Unis ist. Wenn der Job allerdings noch nicht allzu lange zurückliegt, kann man sich eine Bescheinigung ausstellen lassen und diese dann vorlegen. Es gibt durchaus Fälle in denen entsprechende Jobs anerkannt werden […]

Hier geht es zum zweiten Teil

 

Bildnachweise: © studentjob.de, © istock.com/101cats

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