Students taking notes while their classmate is raising her handDie Internationale Hochschule Bad Honnef – Bonn (IUBH) stellt die Open Innovation-Plattform „Create Your Studies“ vor und geht damit einen interessanten neuen Weg im Hochschulbereich. Studenten erhalten mit dieser Plattform aktiv die Möglichkeit, Einfluss auf die Inhalte ihres Fernstudiengangs zu nehmen. Was in der Wirtschaft heute Ideenmanagement genannt wird, ist nun erstmals auch auf den Hochschulsektor angewendet worden. Wie aber funktioniert das Konzept genau?

Die Einreichung von Ideen und Konzepten

Im Mittelpunkt dieser Innovation stehen die Studenten selbst, die ihre Verbesserungsvorschläge und Seminarkonzepte via Plattform einreichen und bewerten lassen können. Sofern die Idee neu ist, erhalten sie zunächst einmal 50 Punkte. Sollte es der Ideengeber mit seinem Vorschlag in die Endauswahl schaffen und die Idee realisiert werden, werden ihm 500 Punkte gut geschrieben. Im Entscheidungsgremium sitzen Dozenten und Unternehmenspartner der IUBH.  Wer am Quartalsende die meisten Punkt erhalten hat, bekommt einen Preis. Die Studenten dürfen die Ideen ihrer Kommilitonen dabei selbst bewerten. Wer sich aktiv beteiligt und die Ideen anderer bewertet, erhält selbst über das Voten 2 Punkte. Wer einen Kommentar verfasst, darf sogar 5 Punkte auf seinem Konto verbuchen. Ähnlich funktioniert das Ideenmanagement in der Wirtschaft. Hier werden Prämien an die Mitarbeiter ausgeschüttet, die sich um Verbesserungsprozesse im Unternehmen verdient gemacht haben.

Ideen für Fachschaftsbeiräte an Hochschulen und Fachhochschulen

Was an der IUBH erfolgreich eingeführt worden ist, ließe sich auch an Hochschulen und Fachhochschulen realisieren. Derweil haben Fachschaftsbeiräte hier nur beratende Funktion, sind gegenüber dem angestellten Fachpersonal meistens in Unterzahl, sodass ihr Wirkungskreis an den meisten Hochschulen und Fachhochschulen eher gering sein dürfte. Sparzwänge tun ihr Übriges, gute Ideen im Keim zu ersticken. Dabei geht es beim Beispiel der IUBH nicht zuletzt darum, die Motivation der Studenten zu fördern, die Identifikation mit der Hochschule zu stärken und die Studenten nicht als administrative Nummer gelten zu lassen. Je lebendiger Hochschulen nämlich gestaltet werden, desto besser ist das Lernklima, desto mehr Lernpotenziale werden freigesetzt.  Zugleich sind die Studenten mit dieser Innovation aufgefordert, sich stärker um Gesamtzusammenhänge zu kümmern, statt in fachdisziplinären Studiengängen Einzelgängerwege zu beschreiten. Die breite Reflektion über den Studiengang mündet so zwangsläufig in eine Qualitätsverbesserung der Hochschule, die ihre Potentiale so auch mit den Perspektiven der wichtigsten Gruppe besser verstehen lernt.

 Ausblick auf ein Ideenmanagement an Hochschulen

In diesem Zusammenhang wäre es mittelfristig wünschenswert, wenn neben einer Online-Plattform ein zentraler Koordinator an den Hochschulen selbst die Steuerungsprozesse der Ideen begleitet, auf die Basis einer jeden Hochschule selbst zugeht, damit die Innovation nicht allein in einem technisch machbaren Akt verharrt und dann verkümmert. Zugleich müssen die Studenten der Zukunft, sofern sie ein generelles Interesse an der Mitwirkung von Studienkonzepten und Studieninhalten haben, sich einen  Horizont über die Hochschullandschaft und ihre jeweilige Fachdisziplin verschaffen, wenn sie ernst genommen werden wollen. Die innovative Idee der IUBH steht und fällt in ihrem Erfolg mit der Beteiligungsquote. Je weniger Ideeneinreicher da sind, desto größer wird das Gefälle zwischen denen, die sich beteiligen, und denen, die von wenigen aktiven Studenten profitieren.

Ein zentraler Koordinator an den Hochschulen könnte einer solchen möglichen negativen Entwicklung vorbeugen, weil er den Innovationsprozess von Beginn begleitet und eventuell früh genug gegensteuert. Der IUBH ist es jedenfalls jetzt schon gelungen, einen innovativen Impuls zu setzen, der deutschlandweit Schule machen sollte. Ähnlich zur Wirtschaft, die ihr Qualitätsmanagement mit dem Kunden vom Ende her denkt, muss sich Deutschlands Hochschullandschaft mittelfristig bewusster darüber werden, dass sie ohne aktive Studenten nicht lebt. Ohne die aktive Mitgestaltung der Studenten wird sich eine dauerhafte Wissens- und Forschungsneugier kaum entfalten können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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