Studenten in Vorlesung an der UniversitätSeit 2002 diskutiert der Wissenschaftsrat in Deutschland darüber, wie die Qualitätssicherung von Promotionen gewährleistet werden kann. Der Wissenschaftsrat, der vom Bund und den 16 Bundesländern getragen wird, besteht insbesondere aus einer alle Jahre wieder ernannten Kommission von Wissenschaftlern und öffentliche Repräsentanten, die die Bundesregierung und die Länder in ihrer Hochschulpolitik beraten sollen.

Was die Qualitätssicherung von Promotionen angeht, ist seither aber nicht viel passiert. Es gibt trotz strukturierter Promotionsprogramme bis heute nicht einmal eine genaue Datenlage darüber, wie viele gerade deutschlandweit promovieren. Bekannt ist allein, dass jährlich etwa 25 000 Promotionen abgeschlossen werden. Diese vom Wissenschaftsrat schon häufig monierte Datenlage findet ihren Grund in den Hochschulen selbst, die keinerlei Daten über ihre Promovenden erhebt. Entsprechend sind die Abbruchquoten nicht bekannt.

Qualitätsstandards einer Promotion und ihre Qualitätssicherung

Die Hochschulen haben in Deutschland den Auftrag, dem wissenschaftlichen Nachwuchs Lehre und Forschung zu vermitteln. Für die Spitzenforschung steht die eigene, selbständige und originäre Forschungsleistung der Doktoranden, die sie in der Regel mit einer umfassenden, schriftlichen Dissertation und neuen Forschungserkenntnissen nachweisen, im Vordergrund. In einigen Disziplinen wie der Medizin sind publikationsbasierte Promotionen jedoch nicht selten. Für Mediziner und Naturwissenschaftler reicht es mitunter zum Titel, wenn sie in einer international angesehenen Fachzeitschrift einen kleinen Artikel veröffentlichen, während Doktoranden anderer Fachdisziplinen jahrelang mühsam und umfangreich forschen müssen, um den Titel zu erreichen. An diesem Beispiel erkennt man, dass die allgemeine Pflicht zur Veröffentlichung bei Promotionen nicht Qualitätsmerkmal einer bestimmten Fachtiefe sein muss.

Ein nächster Punkt, der für eine vergleichbare und nachhaltige Qualitätssicherung eine herausragende Rolle spielt, ist der häufig beobachtbare Umstand, dass viele Doktoranden erst während der Promotion die wissenschaftliche Praxis und die verfeinerten Methoden erlernen. Sie sind also keineswegs wissenschaftlich so vorgeschult worden, dass man von ihnen mit Beginn der Promotion ohne intensive Betreuung des Doktorvaters eine selbständige und in sich schlüssige Arbeit erwarten kann. Diese weit verbreitete Erfahrung ist zum einem den didaktischen Defiziten vieler Professoren geschuldet, die sich lieber selbst um Forschung als um Lehre kümmern. Zum anderen hängt sie heute aber auch mit den Bologna-Reformen zusammen, die Studenten mit Bachelor- und Masterabschlüssen zu passiven Wissenskonsumenten degradiert haben. In einem solchen Lernklima müssen Forschung und Innovation mittelfristig mangelhaft bleiben, so dass das Niveau der Promotionen selbst davon zwangsläufig betroffen ist.

Verbesserung der Promotionsqualität

Hochschulen tun aus diesen Gründen gut daran, den akademischen Mittelbau im Personal zu stärken, die Betreuungsintensität der Professoren zu forcieren, damit aus der Masse wieder Klasse wird. Leider geht die Entwicklung an vielen Hochschulen aus Kostengründen immer mehr dahin, dass nicht ausreichend ausgebildete Doktoranden neben ihrer Arbeit an der Dissertation Lehraufträge übernehmen, die eigentlich Professoren zu erfüllen hätten. Viele Nachwuchswissenschaftler halten dieser immensen Arbeitsbelastung kaum stand. Fächerübergreifend gilt, dass die Promotionszeiten insgesamt zu lang sind, so dass die Praxisnähe für Promovierte schnell aus dem Blick gerät. Daher ist es dringend notwendig, die Promotionszeiten zu verkürzen. Dies lässt sich recht einfach dadurch realisieren, dass man die zuvor erbrachten Studienleistungen der Studenten mit in die Bewertung aufnimmt. Sonst bleiben nämlich, Bachelor, Master und Promotion Abschlüsse, die unverbunden nebeneinander stehen.

Infolge der häufigen Plagiatsfälle der letzten Jahre muss man auch noch einmal stärker auf die Sorgfaltspflicht der zwei Gutachter bei Dissertationen achten, um nicht die Glaubwürdigkeit des begehrten Titels zu verspielen. Hochschulen sollten trotz ihrer gestärkten Autonomie im eigenen Interesse dazu übergehen, bei Dissertationen einen externen Gutachter als Zweitgutachter zu beauftragen. Andernfalls bleibt das Risiko, dass die Gutachter keine kritische Distanz zueinander haben und Plagiate entsprechend nicht erkannt werden.

 

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