schule-lernenIm Jahr 1952 durfte meine Mutter trotz eines Notendurchschnitts von 1,2 nicht auf ein Gymnasium gehen weil das Geld gefehlt hat – sie wollte Lehrerin werden. Eigentlich hatte ich gedacht, dass solche bzw. ähnliche Geschichten im 21. Jahrhundert der Vergangenheit angehören; das stimmt jedoch nicht ganz. Letztes Jahr hörte ich von einer Bekannten den Satz: „Ich kann meine Tochter nicht aufs Gymnasium schicken. Sie braucht öfter mal eine Nachhilfestunde in Mathematik und das kann ich mir nicht leisten.“

Natürlich könnte man jetzt denken, dass dieses Mädel schlicht und einfach nicht das Zeug für ein Gymnasium hat – aber stimmt das? Liegt es vielleicht zum Großteil am Schulsystem bzw. an den Unterrichtsmethoden? Das kann man selbstverständlich nicht verallgemeinern, doch ich habe ein bisschen in meinem persönlichen Umfeld recherchiert und bin zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Die Mehrheit der Schulkinder nimmt anscheinend Nachhilfestunden

schueler300In den Klassen meiner Kinder (6. und 11. Klasse an unterschiedlichen Schulen) nehmen sage und schreibe 80% der Schüler private Nachhilfestunden in Anspruch – meine eigenen auch. Das sind in unserem Falle satte 180,- Euro im Monat für eine Leistung, die eigentlich die Pädagogen an den betreffenden Schulen im Unterricht bringen müssten! Mir drängt sich zudem der Verdacht auf, dass mindestens 10% der Schüler, die keine Nachhilfestunden nehmen, zu einer finanziell nicht besonders gut situierten Bevölkerungsschicht gehören.

Was ist los mit dem deutschen Schulsystem? Die Bildung unserer Kinder sollte doch im Regelfall nicht davon abhängig sein, zu welcher Gesellschaftsschicht die Eltern gehören. Mitte der 70er- bis Mitte der 80er-Jahre war meine eigene Schulzeit; da waren Nachhilfestunden noch relativ exotisch. Mittlerweile gibt es jedoch deutschlandweit ein nahezu perfekt ausgebautes Netzwerk für Nachhilfe-Angebote. Woran liegt das und wie könnte der Umstand geändert werden, dass der reguläre Schulunterricht oft nicht ausreichend ist um das Klassenziel zu erreichen bzw. die Abschlussprüfung zu bestehen?

Woran kann das liegen? Wir brauchen Ideen!

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, dafür fehlt mir auch der Background. Allerdings denke ich, dass Motivation der Schlüssel sein könnte um diesen Missstand zu verbessern. Denn die Tatsache, dass Nachhilfestunden für Schüler anscheinend mittlerweile die Regel sind, können wir uns auf Dauer nicht leisten. Vielleicht befinden sich einige Bildungsbeauftragte oder andere Personen, die im Schulsystem involviert sind unter unseren Lesern und können Vorschläge dazu machen. Wir würden nämlich wirklich gerne verstehen, woran das liegen könnte.

 

Bildnachweis@istockphoto.com/Maica

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