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Unsere Kinder werden ständig in ihren Leistungen miteinander verglichen. Über die Noten in der Schule bis zum Bolzen auf dem Spielplatz. Doch besonders ein Vergleich steht in der Kritik: die Schülerwettbewerbe.

Drei Arten von Wettbewerben

Insgesamt gibt es drei Arten von Wettbewerben, welche unterschiedliche Typen von Schülern ansprechen. Die meisten finden einmalig statt. Von den über 300 Wettbewerben auf Bundesebene sind weniger als die Hälfte periodisch stattfindende Wettbewerbe.

Bei den Mathematik-Olympiaden geht es vorrangig um das Lösen mathematischer Probleme. Die Olympiaden sind in Schul-, Regional-, Landes- und Bundesebene gegliedert, d.h. zuerst werden interne Schulwettbewerbe ausgetragen, deren Sieger sich dann auf regionaler Ebene messen usw. Das Niveau der mathematischen Probleme steigt im Verlauf des Wettbewerbs immer weiter an. Jährlich nehmen mehr als 200 000 TeilnehmerInnen in der ersten Runde teil. Am Ende sind es knapp über 190 TeilnehmerInnen, die es in die Finalrunde auf Bundesebene schaffen. In der Regel sieht der Wettbewerb vor, dass die TeilnehmerInnen in mehrstündigen Klausuren mathematische Aufgaben lösen, bei denen aber vor allem deren Kreativität und Einfallsreichtum gefragt sind.

Bei den naturwissenschaftlichen Wettbewerben geht es vor allem ums Forschen und Entdecken, aber auch um das Erfinden von Maschinen, Werkzeugen und Robotern. Das bekannteste Programm hierzu ist „Jugend Forscht“. 1965 vom Stern-Chefredakteur Nannen gegründet, werden bei diesem Wettbewerb mittlerweile mehr als 12 000 Projekte angemeldet. Die Bereiche Biologie, Technik und Chemie führen die Listen an. Die SchülerInnen erarbeiten selbständig oder mithilfe der Fachlehrer ein völlig eigens entwickeltes Projekt. Zur Finanzierung der Materialkosten treten viele Schüler an Vereine, aber auch an Universitäten und Unternehmen heran.

Die letzte Gruppe der Schülerwettbewerbe sind ausführend und darbietende, also künstlerische Wettbewerbe. Allen voran steht der Wettbewerb des Deutschen Musikrates „Jugend musiziert“. Wie bei der Mathe-Olympiade werden auch hier zunächst schulinterne, dann regionale und landesweite Vorauswahlen abgehalten. Von den 20 000 TeilnehmerInnen in der ersten Stufe schaffen es ca. 10% in die Finalrunde.

Contra: Wettbewerbe sollen das Image steigern und setzen Kinder unter Druck

Da die drei genannten Wettbewerbe zum Teil Stiftungen sind, sind sie weniger an der Kommerzialisierung ihrer Wettbewerbe interessiert. Denn ein wichtiger Kritikpunkt an dieser Art von öffentlichem Vergleich, ist die in diesem Rahmen stattfindende Vermarktung des Schulbetriebs. Besonders, wenn es um gesponserte Wettbewerbe geht, vermuten viele Lehrer und Eltern (häufig auch zu Recht) eine gewisse Bindung junger Menschen an die Produkte oder Leistungen der Unternehmen. Das Angebot an Wettbewerben hat mittlerweile auch eine Anzahl erreicht, die Schüler und Lehrer nicht mehr überblicken können. Besonders, wenn es darum geht, qualitativ hochwertige Wettbewerbe herauszusuchen. Für viele Schulen entsteht zudem aufgrund des großen Angebots und der regen Teilnahme ein schleichender Anmeldedruck. Besonders schlimm wird es jedoch, wenn die Schule gewonnene Wettbewerbe dazu nutzt, um ihr Image aufzupolieren. Kritiker sind der Meinung, dass dies der Kommerzialisierung der Schulen weiter Vorschub leistet.

Besondere Probleme wirft auch der Umgang der Eltern mit diesen Wettbewerben auf. Dabei geht es vor allem um den Leistungsdruck, den sich Schüler ausgesetzt fühlen, wenn sie an Wettbewerben teilnehmen. Schlimmstenfalls wollen die Eltern das Beste für ihr Kind und bewirken mit ihren zu hohen Erwartungen das Gegenteil. Für viele Schüler reicht ein verlorener Wettbewerb, um sich von einem gewissen Fachgebiet völlig zu verabschieden. Hier ist eine besondere Betreuung durch die Lehrer und eine umfassende Aufklärung der Eltern von Nöten.

Pro: Wer teilgenommen hat, macht eine wertvolle Erfahrung

Trotzdem bleibt den meisten TeilnehmerInnen ein Wettbewerb positiv in Erinnerung, ganz gleich, wie weit man es geschafft hat. Experten loben vor allem die verschiedenen Fähigkeiten, die bei jungen TeilnehmerInnen hervortreten. Sie stehen nicht nur vor der Klasse, sondern vor Fachleuten und vor der Öffentlichkeit für ihre Leistung oder ihr Projekt ein. Die Anerkennung, etwas für andere, also für die Gesellschaft, geleistet zu haben, spornt die meisten sogar deutlich mehr an, als die tatsächlichen Preise. Dieses Bild ergibt sich, wenn man sich die rückwirkenden Befragungen der TeilnehmerInnen anschaut. Viele sprechen davon, dass es für sie eine tolle Erfahrung war, ihre eigenen Grenzen kennen gelernt haben. Sie haben sich über das ehrliches Feedback  gefreut und fühlten sich in ihrer Leistung gewürdigt. Zudem sind sich die Teilnehmer einig, dass es vor allem Spaß gemacht hat, mit Gleichgesinnten zu arbeiten oder vor ihnen zu sprechen.

Experten, wie Martina Ibold von der Agentur für Arbeit Duisburg, sehen die Vorteile von Wettbewerben in der Persönlichkeitsentwicklung der SchülerInnen, die davon sehr stark profitiert. Dazu findet sich in der Januar-Ausgabe des abi-Magazins von abi.de ein interessanter Beitrag. Statt mit Noten zu beurteilen, werden bei Wettbewerben Kreativität und Neugier belohnt. Viele Schulen vermitteln ihren SchülerInnen, dass allein die Teilnahme selbst schon ein Gewinn darstellt. Denn immerhin leistet man etwas, das über den eigentlichen Unterricht weit hinaus geht. Wichtig ist daher, dass man keine zu hohen Ansprüche stellt. Und im Team lassen sich Niederlagen deutlich einfacher verkraften.

Fazit

Wettbewerbe sind per se nicht negativ. Überall messen sich Kinder und Jugendliche miteinander, ob auf dem Sportplatz, an der Konsole oder in der Schule. Wichtig ist der pädagogisch angemessene Umgang mit Wettbewerbssituationen, schließlich bringt jeder Teilnehmer verschiedene Fähigkeiten mit ein. Denn wenn man, nach Einstein, einen Fisch nach seiner Fähigkeiten beurteilt, einen Baum hochzusteigen, wird er immer im Glauben bleiben, dass er kein Talent besitzt.

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