Die beliebtesten Ausbildungsberufe für Frauen und MännerZu den mit Abstand beliebtesten Ausbildungsberufen unter jungen Frauen zählen die Büro- oder Einzelhandelskauffrau oder die medizinische Fachangestellte, unter jungen Männern sind es Mechatroniker, Industriemechaniker oder Einzelhandelskaufmann. Die Beliebtheit ist dabei dermaßen hoch, dass die Zahl der Bewerber die Zahl der offenen Ausbildungsstellen oft deutlich übersteigt. In anderen Berufsbildern hingegen ist es genau andersherum: Der Bedarf an Auszubildenden ist durchaus vorhanden, doch nur sehr wenige interessieren sich für das Berufsbild und eine Ausbildung darin.

Gerade im Handwerk hat die Zahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Zum einen handelt es sich dabei um Berufe, die aufgrund der Art der Tätigkeit und der Entlohnung für viele Menschen nur wenig attraktiv sind. Zum anderen sind es Berufe, die den meisten jungen Menschen (und nicht nur ihnen) kaum oder gar nicht bekannt sind, schon gar nicht als Ausbildungsberufe.

Unbeliebte Berufe und aussterbende Berufe

Unter einem akuten Mangel an Bewerbern um einen Ausbildungsplatz leiden derzeit vor allem Bäckereien und Bau-, Dachdecker- und Sanitärbetriebe. Berufe also, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen durchaus auf eine große Nachfrage befriedigen oder zumindest Bedürfnisse, die es wohl immer geben wird und die diese Arbeit allen Nachfrageschwankungen zum Trotz unersetzlich machen. Allerdings handelt es sich hierbei auch um körperlich schwere und schmutzige Arbeit, was wohl für viele ein Grund ist, sich eher nach einem anderen Beruf umzuschauen. Laut einem Sprecher der Kölner Handwerkskammer sind z.B. Berufe, die eine kreative Tätigkeit ermöglichen, sehr viel beliebter, wie etwa der Mediendesigner – ein Ausbildungsberuf, in dem es weit mehr Bewerber als Ausbildungsstellen gibt und der der bekanntermaßen eher unsicheren Medienbranche angehört.

Wie gesagt gibt es aber auch Berufe, bei denen es sich genau andersherum verhält und in denen oft mehr Bedarf an Auszubildenden besteht als Interessenten vorhanden sind. Allerdings handelt es sich bei diesen Berufen anders als etwa bei Tätigkeiten aus dem Bereich Sanitär und Heizung nicht um Berufe, die wegen ihrer Arbeitsbedingungen nur auf geringes Interesse stoßen, sondern um Berufe, die den meisten jungen Menschen (und wohl auch vielen älteren) schlichtweg überhaupt nicht bekannt sind.

Damit sind nicht eher exotische Nischenberufe wie etwa der Golfballtaucher, der Frühstücksleiter oder der Versuchsbäcker gemeint, sondern Handwerksberufe mit oft langer Tradition, wie etwa dem des Steinmetzes, der u.a. Fassaden bearbeitet und Grabsteine herstellt, des Buchbinders, der Bücher bindet und repariert, des Messerschleifers, der in Handarbeit Messer für Profi- und Hobbyköche anfertigt, oder des Maßschuhmachers, der entsprechend individueller Kundenwünsche Schuhe anfertigt. Trotz ihrer weitgehenden Unbekanntheit haben sich für seltene Berufe wie diese Auszubildende gefunden, die oft eher zufällig auf diese gestoßen sind. Das Problem sei, dass man bei der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsberuf häufig nur an das denke, „was man an aus dem Freundeskreis kennt. Kaum einer meiner Freunde arbeitet im Handwerk, die meisten werden Einzelhandelskaufleute“, so ein Steinmetzlehrling.

Idealismus und Leidenschaft

Die Motivation derer, die sich für eine Ausbildung in einem solchen seltenen Beruf entschieden haben, sind dabei nicht ausnahmslos pragmatisch durch die Notwendigkeit begründet, seinen Unterhalt verdienen zu müssen, sondern zeugen von eine echten Interesse für die Tätigkeit selbst, vom vielbeschworenen „Herzblut“ für die Sache. So fasziniert etwa das Material, die spezielle Technik oder das Gefühl, etwas „aus einer Hand“ gefertigt zu haben und eine alte Tradition weiter zu führen und am Leben zu erhalten. Einige Auszubildende erwähnen auch mit einem gewissen Stolz, mit der den meisten Menschen unbekannten und seltenen Tätigkeit etwas zu tun, das nicht jeder macht.

Eine gute Portion Leidenschaft für das, womit man sein Geld verdient, muss auch mitgebracht werden, denn die Auftragslage in diesen vergleichsweise kleinen Branchen ist oft eher gering und die individuellen Zukunftsaussichten einer ausgebildeten Kraft entsprechend begrenzt. Eine Festanstellung über die Ausbildung hinaus scheitert oft schon an den finanziellen Möglichkeiten eines Ausbildungsbetriebes. Auszubildende des Orgelbaus streben daher z.B. oft eine Karriere im Ausland an, gelernte Maßschuhmacher weichen in die Selbstständigkeit aus.

In manchen Fällen bietet sich auch ein an die Ausbildung anknüpfendes Studium an, etwa ein Designstudium an eine Lehre als Goldschmied oder ein Studium in der (Buch-)Restauration im Anschluss an eine Ausbildung zum Buchbinder. Da die Waren oder Dienstleistungen, die in seltenen Berufen wie den genannten produziert werden, keine Massenprodukte sind, sind Größe von Branche und Markt klein – entsprechend flexibel muss man als daher als Gelernter sein, was den weiteren beruflichen Werdegang und die finanziellen Spielräume angeht.

Zukunftsaussichten

Es sollte zudem darauf geachtet werden, wie zukunftsfähig seltene Berufe noch sind: So dürfte dem Berufsbild des Steinmetzes noch eine längere Zukunft bevorstehen, dem des ausgebildeten Kunstblumenfacharbeiters (um ein Extrembeispiel zu nennen) wohl eher weniger. Dabei ist vor allem die Nachfrage wichtig: So lange noch Bedarf an Grabsteinen und verzierten Fassaden, handgeschliffenen Messern, maßgeschneiderten Schuhen und edel eingebundenen Büchern besteht und diese Arbeiten nicht maschinell erledigt werden können, braucht man sich um das Überleben des jeweiligen Berufes kaum Sorgen zu machen.

Aufgrund der bereits erwähnten geringen Größe des Marktes für diese Produkte könnte es allerdings unter Umständen schwer sein, Aufträge zu erhalten – je nachdem wie viele andere der seltenen Art, der man angehört, es auf dem Arbeitsmarkt gibt. Die zunehmende Digitalisierung, die sich vor allem auf Berufe auswirkt, die in irgendeiner Weise mit der Vermittlung größerer Mengen von Informationen zusammenhängen, dürfte sich hingegen wohl als ungefährlich für seltene Berufe aus dem Handwerk erweisen.

Quellen: Ausbildung.de, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, t3n, Welt

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