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Ein Dauerthema unter Schülern und Eltern ist der Unterrichtsausfall an Schulen. Wie in der freien Wirtschaft jede Krankmeldung zu einer späteren Mehrbelastung führt, so müssen Schüler für den ersatzlosen Unterrichtsausfall anschließend in kürzeren Zeiträumen mehr Lerninhalte nachholen. Oft zum Nachteil der jeweiligen Schüler.

Ist der Unterrichtsausfall an Deutschlands Schulen wirklich so massiv, wie von Schülern und Eltern behauptet? Warum lässt sich in Deutschland keine genaue Statistik darüber führen? Und wie lassen sich die durch den Unterrichtsausfall zweifellosen Mehrbelastungen für Schüler besser auffangen?

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast

In Thüringen, Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern wird derzeit diskutiert, wie man genauere Zahlen über den Unterrichtsausfall erheben kann. In Thüringen haben die Landesschülervertreter sowie die jeweiligen Klassensprecher vom 27. Januar 2014 bis zum 7. Februar 2014 die Aufgabe, eine Statistik darüber zu führen, inwieweit der Unterricht stattfindet. Dabei sollen Unterscheidungen wie „Unterricht ordnungsgemäß erteilt“, „Unterricht ersatzlos ausgefallen”, „Unterricht ausgefallen für Aufgaben”, „Unterricht fachgerecht vertreten” und „Unterricht nicht fachgerecht vertreten“ dabei helfen, zu ermessen, wie Unterrichtsausfall auch qualitativ kompensiert wird.

Derweil streitet man sich in Nordrhein-Westfalen noch über die richtige Erhebungsmethode der Zahlen, nachdem der Landesrechnungshof im Jahr 2011 moniert hatte, dass die letzten Zahlen aus dem Jahr 2009 nur einen Stichprobenzeitraum von zehn Tagen abgedeckt hätten und die Schulen die Daten weitestgehend selbst erhoben hätten (Quelle). Die aktuelle Landesregierung verweist auf ein Gutachten, wonach eine vom Landesrechnungshof vorgeschlagene Methode einem Mehraufwand von 700 Lehrerstellen gleichkomme. So gibt es für NRW derzeit keine verlässliche Statistik.

Da macht die Thüringer Initiative Sinn, schließlich lernen die Schüler spätestens in der 9. Klasse im Fach Mathematik, wie Statistiken erstellt werden. Die Frage ist nur, ob es die Aufgabe der Schüler ist, eigentlich landeshoheitliche Aufgaben zu übernehmen. Vielleicht ist der Unterrichtsausfall in Deutschland auch viel höher, als es so manche aus Stichproben veröffentlichten Zahlen vermuten lassen.

Schulinterne Vertretungspläne

Es obliegt den jeweiligen Schulen, täglich für Ersatzunterricht zu sorgen. Wie schwierig das auch saisonal zu Winterzeiten sein kann, ist unstrittig. Auch in Zukunft wird es kaum möglich sein, den Unterrichtsausfall komplett zu verhindern. Aber man muss sich doch fragen, warum Landesregierungen in Deutschland als Arbeitgeber bisher keine ausreichenden Konzepte entwickelt haben, die für solche Notsituationen Alternativen bieten können? So arbeitet jede Schule an diesem Problem allein, erstellt schulinterne Vertretungspläne und verliert dabei unter anderem zwangsläufig aus den Augen, dass andere Lehrer bei Übernahme von Unterricht selbst Mehrbelastungen unterworfen sind. Diese wiederum können dazu führen, dass sich die Helfer alsbald selbst krankmelden.

Daher sollte dringend an einem Konzept gearbeitet werden, das auf repräsentativen Zahlen beruhend diese Personalengpässe besser abfedert. Vorstellbar wäre der Einsatz von Lehrern, die keine Vollzeitstelle haben und die über entsprechende Kapazitäten für Ersatzunterricht verfügen. Das geschieht auch schon an Schulen, müsste aber konzeptionell noch deutlicher ausgearbeitet werden. Eine Landesregierung wie die aktuelle in NRW, die genau ausgerechnet hat, wie viele Lehrerstellen es benötigt, um eine Statistik über den Unterrichtsausfall zu erstellen, wird den Mehraufwand sicher ausrechnen können.

Wie viel es Eltern und insbesondere die Schüler kostet, den Unterrichtsstoff nachzuholen, darüber lässt sich kaum eine Statistik führen. Jedenfalls mehren sich in den letzten Jahren die Klagen über den Unterrichtsausfall, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass Eltern genauer hinschauen. Und wer immer wieder so massiv in Sachen Bildung auf das Landesrecht pocht, der ist auch bei den schwierigen und unangenehmen Themen gefragt und darf sich seiner Verantwortung hier nicht entziehen.

Bildnachweis: © pixelio.de/Dieter Schütz

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