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Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat in der neuesten Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen einige Zahlen vorgelegt. 761 Euro bekommt eine Azubine oder ein Azubi in Deutschland. Das jedenfalls ist die durchschnittliche tarifliche Ausbildungsvergütungen 2013.

Gegenüber dem Vorjahr sind die Beträge um 4,1% in den alten und 5,0% in den neuen Bundesländern gestiegen. Der Unterschied zwischen den Bundesländern nimmt weiterhin ab. Die monatlichen Beträge steigen weiter an. Hat man 2006 bspw. In Berlin als Auszubildende noch 536 Euro monatlich überwiesen bekommen, waren es 2010 bereits 612 Euro und im letzten Jahr 708 Euro. Der Anstieg wird mit der vergleichsweise guten Wirtschaftslage Deutschlands in Zusammenhang gebracht. Besonders bei den Tariflöhnen und -gehältern gab es eine „günstige Entwicklung“, so der Bericht. Da viele Ausbildungsplätze in den vergangenen Jahren nicht besetzt werden konnten, lockten einige Bereiche mit höheren Vergütungsaussichten.

Bist du schlau, geh zum Bau

Am besten tariflich verdienen Maurer. Bei diesem Ausbildungsberuf winken durchschnittlich fast 1000 Euro monatlich (in den alten Bundesländern). Mit 938 Euro folgen die Mechatroniker, direkt danach die Versicherungs- und Bankkaufleute sowie die Industriemechaniker. Besonders schlecht bezahlt hingegen werden Friseure sowie Bäcker. Aus diesem Grund hat der Bäckerverband auch vor einiger Zeit eine Initiative gestartet (denn das Gehalt kann sich nach der Ausbildung deutlich verbessern).

26% der Azubis kommen auf 900 Euro monatlich und mehr. 61% liegen zwischen 600 und 900 Euro. Nur 13% liegen unter 600 Euro monatlich. Noch immer gibt es einen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Männern kamen in Westdeutschland monatlich auf 781 Euro, Frauen hingegen nur auf 745 €. In Ostdeutschland kamen männliche Azubis auf 726 Euro. Die Frauen konnten im Schnitt nur 674 Euro nachweisen. Die Abweichungen hängen aber nicht mit unterschiedlichen Vergütungen zusammen, sondern damit, dass deutlich mehr Frauen in schlecht bezahlten Ausbildungsberufen vorzufinden sind.

Geht es nach Frau Nahles von der SPD, soll der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro, den die Bundesregierung plant, nicht für Jugendliche unter 18 Jahren gelten. Das soll verhindern, dass junge Menschen lieber einen gut bezahlten Aushilfsjob annehmen, als eine Ausbildung zu beginnen. Die Frage ist allerdings: Ab wann beginnen Jugendliche ihre Ausbildung? Die IHK und der Zentralverband des Deutschen Handwerks fordert sogar eine Freistellung vom Mindestlohn für alle Unter-25-jährigen. Die Begründung: Für Menschen unter 25 Jahren gibt es von den Kammern spezielle Förderprogramme, die zu einer Ausbildung motivieren sollen.

 Azubis bekommen weniger als den Mindestlohn

Vielen Jobben auch erst einmal nach der Schule. Wenn sie dann anschließend eine Ausbildung beginnen möchten, ist das häufig mit großen finanziellen Einschränkungen verbunden. Viele sind dann das kleine Ausbildungsgehalt nicht mehr gewohnt. Wer nebenher als ungelernte Aushilfe jobbt, kommt schnell über das durchschnittliche Ausbildungsgehalt von 761 Euro. Eine 40-Stunden Woche multipliziert mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro ergibt bereits 1475 Euro brutto monatlich. Davon können sogar die gut verdienenden Maurer-Auszubildenden träumen. Die Begründung, dass Azubis keine vollwertigen Arbeitskräfte seien, ist in Anbetracht der „Attraktivität“ ungelernter Arbeit nicht mehr sinnvoll. Es braucht eine neue Debatte, um den aktuellen Stand und die Zukunft der dualen Ausbildung in Deutschland zu diskutieren.

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