Studenten in Vorlesung an der UniversitätJedes Semester sehen sich studierwillige Menschen einem Problem gegenüber: Statt der erhofften Zusage zum Studienplatz, um den sie sich beworben haben, erhalten sie eine Absage von der Universität. Dieses Phänomen ist zwar aufgrund der begrenzten Aufnahmekapazitäten der Universitäten und der damit einhergehenden Zulassungsbeschränkungen (wie etwa dem Numerus clausus) nicht völlig neu. Aufgrund verschiedener Ereignisse und Entwicklungen der letzten Jahre (Abschaffung der Wehrpflicht, die sogenannten „doppelten Abiturjahrgänge“, der allgemeine Anstieg studierwilliger Abiturienten) hat das Problem jedoch deutlich an Umfang gewonnen.

Dem akut von einer Absage Betroffenen hilft das Wissen um die tieferliegenden sozialen und politischen Gründe jedoch nur wenig in seiner Situation. Was kann also konkret getan werden bei einer Absage? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten: Zum einen Maßnahmen, durch die sich möglicherweise doch noch ein Platz im gewünschten Studienfach und an der gewünschten Universität ergattern lässt, und zum anderen (vorübergehende) Alternativen zum Hochschulstudium, durch sich die Zeit zur nächsten Bewerbung um einen Studienplatz in sinnvoller Weise überbrücken lässt.

Von Warteliste bis Quereinstieg: Alternative Wege zum Studienplatz

Da sich viele Studenten, um ihre Chance auf einen Studienplatz zu erhöhen, an mehreren Universitäten für das von ihnen präferierte Fach bewerben und die Zahl der Bewerber an vielen Universitäten deshalb die Zahl der Studienplätze übersteigt, gibt es sogenannte Wartelisten, auf die man als überschüssiger Bewerber gesetzt wird. Lehnen Bewerber Zusagen zu einem Studienplatz zugunsten eines Studienplatzes an einer anderen Universität ab, rutscht man auf diesen Listen weiter nach oben, bis man – idealerweise – seinen gewünschten Studienplatz doch noch erhält. Dies wird auch als „Nachrückverfahren“ bezeichnet und umfasst oft mehrere „Runden“. Viele Studierwillige erhalten ihre Studienplätze auf diese Weise. Nach dem Abschluss der „Nachrückrunden“ werden an vielen Hochschulen nicht angenommene Studienplätze in einigen Fächern auch im Rahmen eines Losverfahrens vergeben. Nähere Informationen zu den Fristen und zum genauen Ablauf dieses Verfahrens finden sich auf den Seiten der jeweiligen Hochschule.

Führen weder Nachrück- noch Losverfahren zum Erhalt des gewünschten Studienplatzes, gibt es grundsätzlich die Möglichkeit, die Studienplatzabsage juristisch anzufechten, sich in den gewünschten Studienganz „einzuklagen“: So darf innerhalb von vier Wochen nach Erhalt der einer Studienplatzabsage Widerspruch gegen diese eingelegt werden. Wenn die Universität diesem Widerspruch, wie zu erwarten ist, nicht entspricht, kann Klage gegen die Universität eingereicht werden. Dabei wird es sich um eine sogenannte „Kapazitätsklage“ handeln, bei der der Universität vorgeworfen wird, mehr Studenten aufnehmen zu können, als sie vorgibt. Eine Erfolgsgarantie bietet dieser juristische Weg, der zudem nicht ohne finanziellen Aufwand ist, jedoch nicht.

Eine andere Möglichkeit ist, sich an seiner „Wunschuni“ erst einmal für einen Studienplatz in einem anderen, verwandten Fach einzuschreiben, in dem genügend Studienplätze vorhanden sind, um dann nach ein oder zwei Semestern, als sogenannter „Quereinsteiger“, in das Fach zu wechseln, in dem man eigentlich seinen Abschluss anstrebt. Leistungen aus dem zuvor studierten, verwandten Fach sind dabei nicht umsonst erbracht worden, sondern werden in der Regel angerechnet. Oft lässt sich all das aber ganz einfach dadurch umgehen, dass man sich nicht zu sehr auf eine einzige „Wunschuni“ oder Stadt fixiert, sondern sich auch nach Studienplätzen an weniger beliebten Unis oder Orten umschaut, an denen ausreichend Studienplätze angeboten werden oder in denen die Zulassungsbeschränkungen allgemein niedriger sind. Dabei kann es sich auch lohnen, sich im Ausland umzuschauen.

Praktikum, Auslandsaufenthalt, Freiwilligendienst: Alternativen zum Studium

Man kann die Studienplatzabsage jedoch auch akzeptieren, es einfach zu einem späteren Semester noch einmal mit einer Bewerbung um einen Studienplatz versuchen und die Zeit bis dahin mit einer sinnvollen Tätigkeit überbrücken. Gerade für diejenigen, die aufgrund ihres Abiturschnitts an der Hürde des Numerus clausus gescheitert sind und diese nun durch Wartesemester überwinden wollen, dürften die Möglichkeiten, die sich hier bieten, interessant sein.

Hier bieten sich zum einen Praktika in Berufsfeldern an, in denen man mit dem angestrebten Studienabschluss später einmal arbeiten möchte und in denen man auf diese Weise erste praktische Erfahrungen und Kenntnisse sammeln kann. In einigen Studienfächern (z.B. im Bereich der Ingenieurswissenschaften oder der Sozialen Arbeit) sind fachbezogene Praktika sogar Voraussetzung zur Zulassung zum Studium.

Praktika können auch im Ausland absolviert werden, vielleicht sogar in Verbindung mit einem Sprachkurs. Da Praktika aber auch im Ausland oft nicht oder nur gering entlohnt werden, ist ein Auslandsaufenthalt als Au-pair oder im Rahmen eines „Work & Travel“-Programms unter Umständen die bessere Alternative. Bei „Work & Travel“-Aufenthalten werden Unterkunft und Verpflegung direkt vor Ort durch Jobs von begrenzter Dauer finanziert .

Neben Praktika und Auslandsaufenthalten besteht auch noch die Möglichkeit, gemeinnützig tätig zu werden: So kann man zum einen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene im Rahmen sogenannter Freiwilligendienste in sozialen oder kulturellen Projekten mitwirken. Im Inland werden solche Stellen vom Bundesfreiwilligendienst angeboten, auf internationaler Ebene u.a. von Anbietern wie Weltwärts oder dem Europäischen Freiwilligendienst. Im Inland besteht zudem die Möglichkeit, im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) im sozialen oder kulturellen bzw. im ökologischen Bereich tätig zu werden. Sowohl bei Freiwilligendiensten im In- oder Ausland als auch bei FSJ und FÖJ wird den Teilnehmern eine Aufwandsentschädigung bzw. ein „Taschengeld“ gezahlt.

Wem es einzig und allein um die Überbrückung des Zeitraums bis zu einer erneuten Bewerbung und/oder um die Anhäufung von Wartesemestern geht, dem bleibt natürlich auch noch die Möglichkeit, zu jobben. Personen, die nicht mehr im Elternhaus leben und auch keinerlei finanzielle Unterstützung bekommen, bleibt – abgesehen von der Beantragung von Arbeitslosengeld – im Falle einer Studienplatzabsage ohnehin nichts anderes übrig. Aber möglicherweise gehört der Job ja einem Berufsfeld an, in dem man ohnehin mit seinem angestrebten Studienabschluss tätig werden will.

Quellen: Auslandsjob.de; Auswahlgrenzen.deBildungsdoc; Schülerbarometer; Studiendo; Studis Online

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