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Schule abgeschlossen – und wie weiter? Keine Idee? Den passenden Beruf zu finden ist nicht leicht. Wir erklären, welche ersten Schritte du unternehmen kannst.

Der „Prozess der Schulischen Berufs- und Studienorientierung“ in NRW sieht vor, dass die Schulen eine erste Orientierung ermöglichen sollen. In NRW werden daher in den Jahrgangsstufen 8 und 9 Berufsfelder erkundet und die eigenen Potenziale erforscht. Man lernt die Praxis der Arbeitswelt durch ein Schulpraktikum kennen und „konkretisiert“ seine Entscheidungen. Klingt einfacher, als es tatsächlich ist.

Du hast deine Schulzeit nach der Sekundarstufe I oder II abgeschlossen, und bist dir nicht sicher, wo deine beruflichen Interessen liegen? Du kennst dich zu wenig in den Berufsfeldern aus und möchtest dich erst einmal beruflich „ausprobieren“? Damit bist du nicht allein. Unklare Berufsvorstellungen sind einer der häufigsten Gründe für die mangelnde Ausbildungsreife junger Menschen. Engere Kooperationen von Unternehmen mit Schulen und ein besseres Praktikumsangebot sollen in Zukunft Abhilfe schaffen. Doch was kannst du selbst tun, um dir über deine berufliche Zukunft klar zu werden?

Kenne deine Interessen

Es gibt einen Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Nicht jeder Beruf ist eine Berufung. Denn der Beruf sollte im Idealfall „nicht nur ernähren, sondern auch erfüllen“. Berufung ist etwas, was du mit Leidenschaft machst. Eine Tätigkeit, die dir Spaß macht und bei der du Ehrgeiz entwickeln kannst. Wir geben dir drei Tipps, wie du deine Berufung finden kannst:

  1. Höre auf deine Stimme
    Male dir verschiedene Tätigkeiten aus. Recherchie im Netz und bei Bekannten und Freunden, die in diesem Berufsfeld arbeiten. Analysiere deine Emotionen in Bezug auf diese Tätigkeit. Sind eher positive oder negative Gefühle damit verbunden? FÜr den Fall, dass du bereits ein Praktikum absolvierst und dich unwohl fühlst, solltest du ergründen, woher dein Unbehagen kommt. Ist es die Arbeitsatmosphäre im Betrieb oder ist es die direkte Tätigkeit? Suche das Gespräche mit deinem Betreuer oder rede mit Freunden darüber. Viele Dinge lassen sich gemeinsam besser erkennen.
  2. Versuche, dich selbst besser kennen zu lernen
    Auch hier helfen dir Familie und Freunde. Frag sie einfach, wie sie dich charakterlich einschätzen. In welchem beruflichen Bereich(en) sehen sie dich? Außerdem solltest du dich selbst fragen, welche alltäglichen Arbeiten du motiviert angehst – und welche du meidest. Analysiere deine Hobbies und schaue, womit du den ganzen Tag deine Zeit verbringen könntest. Kurzum: Was macht dich glücklich?
  3. Probiere – und scheitere
    Wenn du merkst, dass eine bestimmte Tätigkeit nichts für dich ist, solltest du dich, unbeirrt der Meinung anderer, weiter umschauen. Lass dich von diesem „Scheitern“ nicht runterziehen. Wer nichts ausprobiert, kann keine Erfahrungen sammeln. Und wer keine Erfahrungen besitzt, weiß nicht, was zu einem passt – und was nicht. Du musst dafür kein Praktikum machen, auch in deiner Freizeit kannst du bestimmte Dinge gezielt planen.

Finde dein Berufsfeld

Ein Berufsfeld zu finden, heißt nicht, einen Beruf zu finden. Es geht darum, abzustecken, welche Bereiche in Frage kommen. Erst wenn dir klar ist, welche Bereiche zu dir passen, kannst du dich auf die Suche nach dem passenden Beruf machen. Berufsfelder sind nicht mit Branchen gleichzusetzen. Branchen werden nach dem Geschäftsfeld oder genauer, dem Produkt, kategorisiert. Zum Beispiel ist ein Unternehmen, das Fahrzeuge baut, zwar in der Fahrzeugbranche tätig, umfasst aber verschiedene Berufsfelder. Denn in einem solchen Unternehmen arbeiten nicht nur Techniker, sondern auch Kaufleute, Marketingexperten und Anwälte.

Ein Berufsfeld ist gekennzeichnet durch die drei Klassen Berufsstand, Qualifikation und Art der Tätigkeit:

  1. Berufsstand
    1. selbstständig
    2. abhängig beschäftigt
    3. ständisch (Handwerker, Meister etc.)
  2. Qualifikation (verkürzt)
    1. spezifischer Schulabschluss
    2. spezifischer Hochschulabschluss
    3. spezifisches Fachwissen (Ausbildung, Fachwirt etc.)
  3. Art der Tätigkeit (Beispiele)
    1. naturwissenschaftlich/wissenschaftlich
    2. technisch/handwerklich
    3. mathematisch/it-basiert
    4. kreativ/schaffend
    5. darstellend/künstlerisch
    6. logistisch/planerisch
    7. sozial/helfend
    8. wirtschaftlich/kaufmännisch
    9. leitend/organisierend
    10. verwaltend/juristisch

Fragen, die du dir vorab stellen kannst, sind: Möchtest du irgendwann einmal selbstständig arbeiten? Welche Qualifikationen brauchst du für dein Berufsfeld? Welche Tätigkeit möchtest du alltäglich machen? Wie möchtest du dich weiterbilden? Es ist auch nützlich, wenn du dir Gedanken machst, wie dein künftiger Arbeitsplatz aussehen soll. Kannst du dir vorstellen, im Freien zu arbeiten oder körperlich anstrengende Arbeit zu verrichten? Möchtest du den ganzen Tag im Büro sitzen oder in der Werkstatt stehen? Wie viel möchtest du reisen müssen und können?

Fazit

Wenn dir die Vorbereitung durch die Schule nicht ausreicht, kannst du verschiedene Berufswahltests im Netz machen oder du kannst dich in Jugendmagazinen gezielt über bestimmte Beruf informieren. Das sind natürlich nur Einblicke. Um gezielt Fragen stellen zu können, empfiehlt es sich, eine Jobmesse zu besuchen. Auch Career Days und Tage der offenen Tür helfen dabei, dir einen Eindruck von verschiedenen Tätigkeitsfeldern zu bekommen. Das Wichtigste aber ist, dass du dich praktisch ausprobierst. Nur so kannst du erfahren, wie der berufliche Alltag aussehen kann – und ob er dir gefällt.

Wir wünschen dir viel Erfolg!

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