Bild2Was wäre, wenn Leonardo da Vinci heute ein Gymnasium in Bayern oder Sachsen besuchte? Er war Bildhauer, Mechaniker, Ingenieur, Architekt, Anatom, Maler und Naturphilosoph. Wie würde er heute bei den Pisa-Studien abschneiden? Vermutlich schlecht.Warum? Weil das System da ist, weil es ein starres Curriculum gibt. Also wäre Leonardo da Vinci, wenn er denn reiche Eltern hätte, in einer Waldorfschule. Dazu gehörten dann Eltern, die früh verstanden hätten, dass ihr Sohn anders ist, dass ihr Sohn eine individuellere Förderung braucht.

Ein paar Jahrzehnte später würden sie dann aber begreifen müssen, dass ihr Sohn nach der Schule und einem Studium an einer Privatuniversität bei aller individuellen Förderung in der Realität landen würde, dass er spätestens da auf die Masse und andere Realitäten stoßen würde. Wäre er dafür gewappnet? Würde es wieder eine Welt der Wunder geben? Leonardo da Vinci wäre bei aller Verehrung vermutlich so einsam wie vor über fünfhundert Jahren.

Genies dieser Welt

Was heißt das heute für die Genies dieser Welt, die mittlerweile dem ökonomischen Gesetz der Rationalisierung und Automatisierung in allen Lebensbereichen folgen müssen? Leonardo da Vinci war als Mensch ein neugieriger Zeitreisender, der sich mehrfach in gefährlichen Verbindungen zu Mäzenen befand, auf deren Willkür er solange Forschungen betreiben durfte, solange diese den Geldgebern genehm waren. Er wurde geschätzt, bewundert und gefürchtet. An seiner Neugier änderte das wenig. Er verdiente sich durch Auftragsarbeiten sein Brot, wechselte mehrfach die Aufenthaltsorte. 1490 nahm er den zehnjährigen Schüler und späteren Maler Salaj auf.

Obgleich da Vinci ihn mehrfach des Diebstahls beschuldigte, konnte er ihm nicht böse sein und vermittelte ihm verschiedenste Künste. An der Person da Vinci macht sich fest, dass Forschung und Lehre eng zusammengehören. Ist Neugier aber heute im Bildungssystem gefragt? In der Schule geht es darum, einen vorgeschriebenen Lehrplan zu bewältigen, der keineswegs dazu angetan ist, die Forschungsneugier junger Menschen zu wecken. Es ist das Abarbeiten eines häufig überfüllten Plans. Die Schüler interaktiv an bestimmten Fragen mitarbeiten zu lassen, ist nach wie vor selten in Schulen.

Für hochbegabte Schüler ist da kein Platz. An den Universitäten und Fachhochschulen geht es um Credit Points und Noten. Forschung und Lehre erleben einen schwierigen Spagat, weil es vor allem Geld für die Forschung gibt, die die Lehre häufig mitfinanziert. In diesem Klima können die da Vincis dieser Welt kaum Luft zur Entwicklung holen. Die Neugier, die ein wesentlicher Antrieb für die Forschung sein muss, bleibt irgendwo in der langen Bildungslaufbahn stecken. Bei dem einen früher, bei der anderen später.

Welt der Wunder

Wenn es wieder eine Welt der Wunder geben soll, darf die Intelligenz nicht weiter allein der Technik zugeschrieben werden. Sie fängt beim Menschen an, bei Kindern, die von Natur aus die neugierigsten Menschen dieser Erde sind. Weil diese Neugier im Laufe ihres Lebens in der Regel gebremst, ja fast abgebaut wird, muss etwas in unserem Bildungssystem falsch laufen. Da können auch die motivierten Lehrer und Dozenten wenig daran ändern, solange Strukturen jeglichen kreativen Freiraum überschatten.

Kreativität und Neugier sind einfach nicht messbar. Dafür gibt es keine statistischen Kennziffern. Unsere Welt der Mathematik versagt hier leider. Diese Welt engt die Menschen ein, die mit vielen Begabungen ausgestattet sind. Zu viele Begabungen stören deshalb heute im Bildungsgang. Es sind diese jungen Menschen, die die größten Probleme haben, etwas mit sich anzufangen. Machen wir ihnen Angebote!

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