wzfDer demografische Wandel ist bereits jetzt zu spüren, wenn immer mehr Schulen auf dem Land geschlossen werden müssen, Kinder in weiter entfernte Nachbarstädte zur Schule gehen müssen und viele Kommunen als Familienstandort zunehmend unattraktiver werden.

Bürgerinitiativ dem Trend entgegen steuern

Ohne ausreichende Infrastruktur und flexible Fahrzeitangebote bluten so derzeit ganze Gemeinden in Ost-und Westdeutschland aus oder sind schon familienleer geworden. Die Bildung und Entwicklung ganzer Regionen steht damit auf dem Spiel, und es fragt sich, wie politisch aber auch bürgerinitiativ gegen diesen Trend gesteuert werden kann. Schließlich steht zu befürchten, dass mit dieser Entwicklung auch die letzten mittelständischen Unternehmen vor Ort gehen werden, weil sie in unattraktive Regionen zukünftig keine Fachkräfte mehr locken können. Es ist eine politische und gesellschaftliche Frage der Zukunft, die uns alle angeht und die dringend beantwortet werden muss: Wie erreichen wir, dass Schulbildung nicht immer mehr zu einem städtischen Privileg wird?

Politisch ist die Frage wohl kaum zu beantworten, da in 16 Bundesländern 16 unterschiedliche Schulverordnungen gelten, eine gemeinsame Lösung auf Bundesebene daher schon an den Befindlichkeiten der jeweiligen Länder scheitern würde. Aber selbst auf der Landesebene denken die Regierungen in Deutschland immer zentralistischer und städtischer, weil sich dort das Wahlvolk ballt, das sie alle Jahre wieder wählt. Hier muss erst einmal die Einsicht reifen, welche dramatischen Folgen mit der Entwicklung des demografischen Wandels und der Verödung ländlicher Regionen dauerhaft verbunden sind.

Viele Städte werden dann vor dem Kollaps stehen, die Wohnungspreise werden steigen, der Vorteil einer besseren Infrastruktur wird schwinden, wenn alle diesen nutzen wollen. Es ist kein Zeitgewinn da, wenn vor den Stadttoren Stauschlangen stehen, auf dem Land die letzten Kinder von privaten Busunternehmen dreißig Kilometer zum nächsten Schulstandort chauffiert werden. Für die Schulbildung der künftigen Generationen in den Städten bedeutet es auch keinen Qualitätssprung, wenn sie in überfüllten Klassen ganztägig mit Bildung versorgt werden. Die Stadt selbst macht Lehrer und Schulen nicht besser. Daran kann man erkennen, dass die Bildungsqualität selbst keine Frage von Stadt oder Land ist.

Gemeinsam in Beruf und Bildung 

Die Lösung kann nur von den Kommunen selbst kommen, die ihre Ressourcen vor Ort am besten kennen. Wenn die Bildung und Ausbildung künftiger Generationen nicht wegziehen soll, müssen kleinere Städte und Gemeinden bürgerinitiativ handeln und wesentlich stärker ihre Ressourcen bündeln. Das Umland hat den klaren Standortvorteil der persönlichen Beziehungen, die in einer verstärkten Generationenzusammenarbeit Alt und Jung noch ganz anders zusammenbringen und leben kann. Die Erfahrung und Bildung der älteren Bürger sind gefragt, um die Wege der jungen Menschen intensiver zu begleiten. Mehr Generationenzusammenarbeit bedeutet mehr Eigeninitiative der Bürger in Städten und Gemeinden, die ihr Berufsleben bereits hinter sich haben, aber immer noch die Lust verspüren, ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.

Das löst nicht das Problem der Schulschließungen mangels ausreichender Schülerzahlen, aber es hilft vielleicht dabei, dass die letzten Familien besser erkennen, wie viele Vorteile das Leben auch im Umland bietet. Die vom Wegzug betroffenen Städte und Gemeinden müssen mit dem möglichen Bildungsangebot ihrer verbliebenen Bürger denken, diese als Ressource erkennen und Angebote bündeln, die eine wirkliche Bildungsqualität erkennen lassen. Sie unterstützen damit nicht nur die Familien selbst vor Ort, sondern stärken die sozialen Kompetenzen junger Menschen, die so früh lernen, was es heißt, zu teilen. Zugleich erhöht es die Identifikation mit der Stadt oder Gemeinde selbst.

Aktive Bildungspolitik in kleinen Städten und Gemeinden denken, heißt, sich nicht mit dem derzeitigen Trend der Landflucht abzugeben, sondern dort initiativ zu werden, wo Zukunft wirklich stattfindet, nämlich in der Familien- und Bildungspolitik. Und da bleibt es zu hoffen, dass die Länderregierungen irgendwann auch ein Einsehen haben, dass die Bildung selbst keine Standortfrage ist, die Generationenzusammenarbeit im Bereich der Bildung politisch stärker gefördert werden muss und alle Reserven, die dieses Land mal ausgebildet hat, schätzen lernt.

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