gedicht-lyrik-schreibenGestern Abend haben mich meine Töchter in eine Diskussion über das Thema „Wer sagt, was heute Bildung ist“ verwickelt. Anlass war (wie so oft) die Frage: Wofür muss ich den Kram in der Schule eigentlich lernen? Das brauche ich doch später niemals wieder! Ich muss zugeben, dass ich in dieser Diskussion keine allzu gute Figur gemacht habe und seitdem auch intensiv über die Frage „Wer sagt, was heute Bildung ist?“ nachdenke.

Da Denkprozesse im 21. Jahrhundert bekanntlich auch von namhaften Internet-Suchmaschinen begleitet werden, bin ich bei meinen Recherchen zu diesem Thema auf folgendes Gedicht gestoßen, das gut zu dieser Fragestellung passt:

 

Weiß nichts von Hegel und Vergil.
Weiß nicht wie viele Sternlein stehen.
Weiß auch von Händel nicht sehr viel.
Weiß nichts von Flüssen oder Seen.

Ich weiß nichts von den Quanten,
von Algebra, Physik, Chemie.
Wie gut der Schiller Goethe kannte,
das interessierte mich noch nie.

Muss ich denn zum Leben wissen,
was wer wann wieso gesagt?
Soll ich wirklich wissen müssen,
was mich später keiner fragt?

Muss ich denn Shakespeare rezitieren
um gebildet zu erscheinen?
Über Sartre diskutieren,
damit die Anderen Gutes von mir meinen?

Wer sagt, was heute Bildung ist?
Ist sie wie vor hundert Jahren?
Ist alles was ich weiß nur Mist
nur weil es die Anderen sagen?

(Michael Jörchel)

Via: http://www.reimemaschine.de
Lizenzinfo: http://creativecommons.org

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