kind1Alle Jahre wieder denkt man zum Ende des Jahres darüber nach, einen Rückblick auf das vorübergehende Jahr zu wagen. Im Fernsehen werden die Höhepunkte des Jahres mittlerweile bereits Mitte Dezember gezeigt. In den letzten zwei Wochen wird es also keine mehr geben. Die Tages- und Wochenzeitungen schauen ebenfalls zurück. Das Jahr hat sie wieder Stammleser gekostet. Das Wort des Jahres wird gewählt. Die Jury hat sich für Flüchtlinge entschieden. Alles bleibt gleich neu. Aber es gibt sie noch, diese magischen Momente einer einmaligen Zeit im Jahr…

Mandarinengeruch bei grünen Weihnachten

Aus Häusern winkt Festtagsschmuck. Kerzen flackern durch gepuderte Fenster. In vielen Häusern riecht es nach Backmischungen und Mandarinen. Der Glühwein darf auch bei zwölf Grad nicht auf den Weihnachtsmärkten fehlen. Mittendrin Menschen, die zusammenkommen und zusammen wieder gehen. Nach Gesprächen, wie Heiligabend gefeiert wird, was es zu essen gibt, welche Geschenke man für die Liebsten gibt. Alles bleibt gleich neu, die Rituale, die Gespräche, das Ausklingen des Jahres. Dinner for One wird auch wieder kommen.

Dinner for One – Das Programm für Einsame

Die Melancholie ergreift viele in der dunklen Jahreszeit. Wenn das Leben stillsteht an den Feiertagen, nur Autokarawanen sich in Zielrichtung Familien bewegen, dann ist die Einsamkeit spürbarer für diejenigen, die einsam vor einem Teller sitzen, die das mobile Telefon ganz nahe am Sessel positionieren, weil ja jemand anrufen könnte. Und wenn der Tag in Stille endet, der Mund vor Sprachlosigkeit trocken geworden ist, dann verstärkt sich das Gefühl, nicht wichtig zu sein, verloren zu sein in einer Welt, die sich außer ein paar seichten Wünschen nichts mehr zu sagen hat. Alles bleibt gleich neu. Edeka hat im neuen Werbespot das Thema entdeckt. Wir lieben Lebensmittel. Dinner for One. Darauf haben sich die Lebensmittelindustrie und der Lebensmitteleinzehandel längst eingestellt.

Gans oder Pute – Sein oder Nichtsein?

Loriot hat die spießbürgerlichen Eigenschaften der Deutschen wie kein anderer Humorist aufs Korn genommen. „Früher war mehr Lametta!“ Was Opa Hoppenstedt zu Weihnachten ausdrückt, kennzeichnet auch heute noch das Lebensgefühl der mittleren und älteren Generationen. Viele verklären in der Rückschau auf das Jahr die Vergangenheit, reiben sich an der Gegenwart und sorgen selbst dafür, dass Gans oder Pute zum 1. Weihnachtstag zu einer Frage von Sein oder Nichtsein hochstilisiert wird. Und dann wird sich der Magen vollgehauen, ein gemeinsamer Verdauungsspaziergang unternommen, bei dem es kaum jemanden mehr dämmert, dass unsere Welt zu viele unverdauliche Nichtigkeiten angehäuft hat. Viele sind reich, leben im Wohlstand und bleiben unzufrieden. Alles bleibt gleich neu.

Chancen, die nur das Leben gibt

Vielleicht schauen wir alle zum Ende des Jahres mal wieder darauf, welche Chancen uns das Leben gibt, welche Momente schön sind, welche Menschen uns etwas bedeuten. Zu den magischen Momenten einer einmaligen Zeit zu Weihnachten und zum Jahreswechsel gehört nämlich, dass die Produktion im ganzen Land einmal stillstehen darf, der Kopf eine Auszeit genießen darf, man Menschen treffen darf, die einem etwas bedeuten. Klassenarbeiten, Klausuren und Konferenzen dürfen einmal beiseitegeschoben werden, ohne dass einen das schlechte Gewissen einholen sollte. Alles bleibt gleich neu und das ist ein wirkliches Geschenk des Lebens. Seien Sie alle einmal möglichst unproduktiv! In diesem Sinne wünsche ich allen Frohe Festtage und einen Guten Rutsch ins neue Jahr.

 

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