Business Finish LineDie Bewerbungsverfahren in großen Unternehmen können oft über das ansonsten übliche, halbstündige Bewerbungsgespräch hinaus gehen. Da es sich hier zumeist um karriereorientierte Positionen handelt und die Bewerberzahl groß ist, müssen die Unternehmen einen Weg finden, die Anwärter gezielt in verschiedenen Drucksituationen kennenzulernen und gleichzeitig deren Potenzial zu prüfen.

Eine Lösung bietet hier das Einsetzen einen Assessment Centers. Das ist nicht etwa ein bestimmter Ort, sondern vielmehr ein extensives Bewerbungsverfahren, das die Bewerber auf verschiedene Aspekte hin prüft. So ist es nicht ungewöhnlich, sich in einem Raum mit 8-12 Mitbewerbern wieder zu finden und die nächsten Stunden damit zu verbringen, verschiedenste Tests zu durchlaufen. Auf diese Weise wird das Risiko einer Fehlbesetzung so gut wie möglich minimiert.

Wie sehen die Prüfungen aus?

Die Prüfungen im Rahmen eines Assessment Centers können unterschiedlich aussehen. Einzelgespräche, Rollenspiele und schriftliche Tests sind üblich. Außerdem alles, was für die angestrebte Position Sinn macht. Ein entscheidender Faktor ist die Selbstpräsentation. Hierbei geht es darum, sich in einem möglichst günstigen und für das Unternehmen interessanten Licht darzustellen. Dies geschieht im Rahmen von kurzen Präsentationen, die die Bewerber halten müssen, oder aber durch Gruppendiskussionen.

Als einer der Klassiker gilt die sogenannte Postkorb-Übung. Hierbei erhält man ca. 20 Dokumente oder Briefe, die man in einer bestimmten Zeit ihrer Wichtigkeit nach sortieren muss. Wem es gelingt, die Dokumente richtig zu priorisieren, zeigt ein entscheidendes Verständnis für das Unternehmen und dessen Strukturen – und das über die angestrebte Position hinaus.

Tipps für das Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren durch ein Assessment Center kann sich über mehrere Stunden ziehen. Bei einigen Unternehmen strecken sich die Prüfungen sogar über einige Tage. Deswegen ist es von Vorteil, sich seine Kräfte einzuteilen. Es gilt, weder überenthusiastisch an die Aufgaben heranzugehen, noch sich passiv mitziehen zu lassen. Dabei ist eine fachliche Vorbereitung genauso wertvoll wie die körperliche: Ein paar Tage davor sollte auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung geachtet werden.

Während dieser Zeit ist von Bedeutung, Entschiedenheit und eine feste Persönlichkeit zu zeigen. Besonders in den Gruppendiskussionen oder bei Lösungswegen, die man präsentiert. Natürlich ist es möglich, in seiner Meinung umzuschwenken, aber dann sollte auch das gut begründet sein. Unsicherheit ist ganz normal, man darf sich aber nicht davon beherrschen lassen. Auch ist es normal, Fehler zu machen. Wird der Bewerber darauf angesprochen, sollte er dazu stehen. So hat er gerade hier die Chance, einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Denn Fehler an sich sind nicht schlimm, es wird aber genau beobachtet, wie der Einzelne damit umgeht. Wer kritikfähig ist und nicht damit reagiert, Ausflüchte oder Sündenböcke zu suchen, beweist seine Charakterstärke. Doch entscheidend ist nicht nur, dass man zu seinen Fehlern offen stehen kann: Auch wird ein Augenmerk auf Authentizität gelegt. Schließlich ist es aus Sicht des Arbeitgebers gerade der Vorteil von Assessment Centers, dass sich die Prüfungen über einen längeren Zeitraum abspielen und es so unweigerlich auffällt, wenn jemand sich verstellt.

Tipps für die Vorbereitung

Auf die Prüfungen im Assessment Center kann sich keiner optimal vorbereiten. Man sollte aber ein gutes Allgemeinwissen mitbringen und sich mit relevanten Themen des Unternehmens und der angestrebten Position beschäftigen. Wer dann noch gut ausgeruht zu dem Termin erscheint, hat eine günstige Ausgangposition. Wichtig ist sich zu vergegenwärtigen, dass jeder Prüfungsteil und alle Tests gleichberechtigt sind, auch wenn sie nicht so erscheinen. Vielmehr zählt die Gesamtleistung, als das erfolgreiche Abschneiden bei den Matheaufgaben oder dem Vortrag. Nicht zu vergessen sind auch die Soft Skills, die hier natürlich besser zum Vorschein kommen.

Wenn es nicht gut gelaufen ist

Bei der Menge an Bewerbern ist es nicht ungewöhnlich, wenn sich das Unternehmen für jemanden anderen entscheidet. Damit man aber auch etwas von seiner Absage hat, ist es wichtig, sich Feedback zu holen. Das ist in den meisten Fällen kein Problem, da die Unternehmen oft bereitwillig Auskunft geben. Auf diese Weise kann man Wertvolles dazulernen und so findet auch die Absage ihre optimale Nutzung.

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