Business Finish LineEinige Zeit im Ausland verbringen, das macht man am besten während des Studiums oder nach dem Abitur. Als Auszubildender hat man dazu nicht groß eine Chance.So ist zumindest die gängige Ansicht. Dass das so nicht mehr ganz stimmt, ist noch nicht bis zu den meisten vorgedrungen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, während seiner Ausbildung ins Ausland zu gehen.

Ideen-Austausch

Innerhalb Europas gibt es sogar mittlerweile ein Pendant zu dem weit verbreiteten Erasmus-Stipendium der Studenten: Das Leonardo DaVinci-Programm. Wie beim Erasmus wird hier der Austausch innerhalb der EU gefördert. Es richtet sich an alle Berufsgilden und ganz nebenbei nicht nur an Auszubildende, sondern an alle, die sich innerhalb ihres Berufs weiterbilden möchten. So haben auch schon fertig gelernte die Chance, sich im Ausland weiter zu bilden.

Das Leonardo DaVinci-Programm, das unter der Dachmarke „Erasmus+“ zu vielen anderen Stipendien gehört, hat durch seine Förderungsmittel das Ziel, nicht nur den internationalen Austausch, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit unter den einzelnen Ländern zu fördern. Die Auszubildenden kommen mit neuen Ideen zurück und haben Einblicke in andere Arbeitsmethoden bekommen. So kann man gegenseitig voneinander lernen und im günstigsten Fall einzelne Elemente später in seiner eigenen Arbeitsstelle integrieren.

„Mobil“ durch Europa

iStock_000009084212SmallUm die Vereinheitlichung unter den Ländern zu fördern, gibt es eine einfache Lösung: Den Europass-Mobilitätsnachweis. Er ermöglicht es, einen genauen Maßstab zu haben und zu kontrollieren, wie effizient der Austausch war. Denn hier wird genau festgehalten, welche Leistungen während des Aufenthalts erbracht wurden und vor Allem, wie sie später verrechnet werden.

Das ist besonders praktisch, da so die Reintegration in das deutsche Ausbildungssystem so reibungslos wie möglich abläuft, ohne das große Verwirrung entsteht. So hat man von Anfang an einen Überblick über den europaweiten Stand seiner Leistungen. Auch ist der Europass später für die Bewerbungen wichtig und gilt als wichtiges Werkzeug der Nachhaltigkeit über seine Zeit im Ausland.

 Viele Wege nach Rom

Die Teilnahme an diesem Austausch muss wie bei allen Auslandsaufenthalten sorgfältig vorbereitet werden. So muss der Ausbildungsbetrieb natürlich einverstanden sein. Aber auch von seiner Berufsschule muss man für die Zeit freigestellt werden. Das dürfte kein Problem sein, solange man den verpassten Lehrstoff selbstständig nachholt. Das lässt sich im Regelfall gut organisieren, am besten kann man sich da an seine Lehrer wenden und eine geeignete Strategie ausarbeiten. Wie lange man dann im Ausland bleibt, ist einem freigestellt. Bei drei Wochen angefangen bis über neun Monate ist alles möglich. Insgesamt sollte es aber nicht länger als ein Viertel der gesamten Ausbildungsdauer sein.

Auch muss man selber in die Tasche greifen. Das Leonardo DaVinci-Programm übernimmt zwar einige Kosten, und auch muss der Ausbildungsbetrieb das Gehalt ganz normal weiter zahlen, aber man wird nicht drum herum kommen, einen eigenen Beitrag zu leisten. Sehr gute Sprachkenntnisse für das Wunschland sind selbstredend Voraussetzung. Man sollte den Aufenthalt also nicht als Sprachurlaub betrachten, sondern als Bildungsmaßnahme für den angestrebten Beruf. Interessierte bewerben sich via ihren Ausbildungsbetrieb oder der zuständigen Handelskammer, Verbände oder Berufsbildungseinrichtungen.

 Hürden zum Meistern

schuelerstudium-istEin Austausch innerhalb Europas wird auf diese Weise verhältnismäßig leicht gemacht, aber es gibt immer noch einen prägnanten Faktor, der in der Entscheidung berücksichtigt werden muss: Die Ausbildungssysteme sind nicht einheitlich. So ist ein duales System wie in Deutschland, das Praxis mit Theorie gleichberechtigt miteinander verbindet, in dieser Form selten in anderen Ländern zu finden.

Die erworbenen Kenntnisse  – ganz zu schweigen von Berufsabschlüssen – lassen sich in der Regel schwer 1:1 übertragen und sind häufig mit nachzuholenden Leistungen verbunden. Dies potenziert sich natürlich, je länger der Aufenthalt dauert, bzw. wie viel und was währenddessen gelernt wurde. Gleiches gilt für diejenigen, die gleich ihre gesamte Ausbildung im Ausland absolvieren wollen.

 Weiter ins Fernweh 

 Zieht es einen außerhalb der Grenzen Europas, muss man noch bedachter vorgehen. Auch hier gibt es Möglichkeiten, jedoch muss man wieder die Leistungsunterschiede beachten. Sind sie zu groß, muss genau abgewogen werden, ob ein Austausch Sinn macht. So ist der Beruf des Krankenpflegers/-Schwester ein Paradebeispiel: Während man in Deutschland ganz normal eine Ausbildung macht, absolviert man in den USA und Kanada ein vollwertiges 4-jähriges Studium. Manchmal ist auch ein Praktikum nach einer abgeschlossenen Ausbildung sinnvoller.

Dennoch gibt es auch hier Programme, die einen Austausch der verschiedenen Berufsgruppen fördern: So ist für die USA im Speziellen sicherlich das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) interessant. Dieses Austauschprogramm geht für ca. ein Jahr und richtet sich u.a. auch an Auszubildende und junge Berufstätige. Auch hier lohnt es sich, frühzeitig Informationen einzuholen. Ganz wichtig ist es, schon bei Vertragsabschluss am Anfang der Ausbildung den Punkt „Auslandsaufenthalt“ als Ausbildungsmaßnahme vereinbart zu haben. Am besten man informiert sich bereits zu Anfang darüber, wie und ob sich ein entsprechender Austausch realisieren lässt.

 Leinen los

kochTrotz der Widrigkeiten: Seine Ausbildung zum Teil im Ausland zu absolvieren bedeutet auch immer, sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen. Denn die Erfahrung schult Selbstständigkeit, Selbstorganisation und vor Allem Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Es geht also nicht nur darum, sich in seinem Handwerk weiter zu bilden, sondern auch Lebenserfahrung zu sammeln, was bei dem Arbeitgeber immer gerne gesehen wird. Insgesamt zeigt die Bemühung, sich einige Zeit im Ausland ausbilden zu lassen, eine Menge an Eigeninitiative, da es mit viel selbstständiger Organisation verbunden ist.

Außerdem hat man so Einblicke in die Arbeitsweise anderer Länder gewonnen. Dadurch ist eine Sicht auf den eigenen Beruf möglich, die über den eigenen Tellerrand hinaus geht und so eine Bereicherung für den Karriereweg ist. Als zusätzlichen Bonus geht es nicht nur um die gängigen Sprachkenntnisse des jeweiligen Landes, sondern auch um die Fachsprache. Das ist eine wichtige Fähigkeit, die  man nur schwer mit dieser Selbstverständlichkeit zu Hause erwerben kann.

 Erfahrungswerte schätzen 

Der Gang ins Ausland im Rahmen der Ausbildung ist also nicht von ungefähr ein wenig schwieriger als während des Studiums an einer Universität, da viele Leistungen einfach nur schwer übertragbar sind. Die Lebenserfahrung und der Einblick in ausländische Arbeitsweisen, die dadurch gewonnen werden, können bei einer späteren Einstellung aber das entscheidende Kriterium sein. Trotz aller Schwierigkeiten ist es inzwischen einfacher geworden, sein Fernweh während der Ausbildung zu realisieren. Wenn man sich genau informiert und es sinnvoll in seine Ausbildung einbindet, machen aber die Mühen um einen Auslandsaufenthalt immer Sinn.

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