KolumneDer Mathematiker Leonhard Euler wurde ohne Schulabschluss immatrikuliert. Er bildete aufgrund seiner eigenen Erfahrungen seine dreizehn Kinder zu Hause aus. Albert Einstein hatte als Kind große Sprachprobleme. Ohne Schulabschluss bewarb er sich am Polytechnischen Institut in Zürich und fiel dort durch.

Er hatte große Probleme in der französischen Sprache. Nachdem er endlich seinen Schulabschluss hatte, konnte er am Institut in Zürich studieren. Die Flugpioniere und Brüder Wright durften oft der Schule fernbleiben. Sie hatten die Freiheit, alles zu erforschen, was sie interessierte. Diese Reihe ist keineswegs nur mit Naturwissenschaftlern fortzuführen.

Auch Thomas Mann verließ die Schule vor dem Abitur. Heute machen sie alle einen Kopf um das, was unsere Kinder von morgen interessieren könnte. Nur ihnen selbst lässt man keine Zeit mehr dafür, Interessen zu entwickeln. Passen unsere außergewöhnlichen Persönlichkeiten und unser Bildungswesen heute besser zueinander? Joschka Fischer verließ die zehnte Klasse in Stuttgart-Bad Cannstatt ohne Abschluss. Man kann darüber vielleicht streiten, ihn zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zählen zu wollen. Seiner späteren Karriere hat dieses Bildungsdefizit offenbar keinen Abbruch getan.

Es widerstrebt noch heute manchen sich anzupassen

Manche kommen als Rebell zur Welt. Sie ecken bereits in der Grundschule an, fallen auf, fallen aus der Rolle. Für viele Lehrer bedeuten diese Schüler Stress. Sie melden den Eltern das auffällige Verhalten des Kindes, und die rennen dann recht schnell zu Psychologen und fragen sich: Warum kann mein Kind nicht so sein wie die anderen Kinder? Beim Psychologen wird dann schnell die Diagnose ADHS gestellt. Dann ist alles gut, erst einmal, weil es da ein paar Medikamente gegen gibt, um die Schüler ruhig zu stellen. Auf die Idee, den Lehrplan mal nach kreativen Freiräumen abzusuchen, kommt kaum einer.

Und Bewegung spielt wie früher nur im Sportunterricht eine Rolle, wo doch alle Welt mittlerweile weiß, dass sich der Bewegungsmangel bei vielen Kindern am Nachmittag vor dem Computer fortsetzt. Manche aber bleiben hartnäckig in diesem Parcours. Es widerstrebt ihnen sich ganz anzupassen. Sie schmollen vor sich hin, machen nur das Nötigste und haben im Inneren eine Abwehrhaltung gegen das Bulimielernen aufgebaut. Sie schleppen sich durch und werden später an der Universität zu echten Durchstartern. Beim späteren Abiturtreffen wundert man sich dann über den Werdegang des Mitschülers.

Freiraum und Kernlehre

Klar. Freidenker brauchen Struktur. Rebellen müssen auch in ein Korsett gesteckt werden. Aber was, wenn die Struktur jeglichen Freiraum beansprucht? Dann verliert sich die Neugier, dann verliert sich der Forschungsdrang. Wenn die Universitäten noch verschulter werden, haben wir bald Generationen von Bildungsbewahrern, die immer nur sagen: So wird’s gemacht! Das gleicht dann einem Erschöpfungszustand, weil das Risiko der Abweichung von der Lehre normativ bestraft wird.

Erfahrene Pädagogen wissen um den Wert der Rebellen. Sie werden durch unser Bildungswesen immer seltener, weil im Bereich der Bildung mittlerweile zu viele Köpfe in mannigfachen Theorien über das nachdenken, was die jungen Menschen eigentlich selbst in Erfahrungen lernen sollten. Vordenker sind gut. Aber ein bisschen mehr „Laissez-faire“ und Gelassenheit täte uns allen im Umgang mit jungen Menschen gut.

 

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