Bild2Wer zu Beginn des neuen Jahres 2015 einmal in den Terminkalender der Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka geschaut hat, hat folgendes zu lesen bekommen: „Derzeit sind keine aktuellen Termine vorhanden.“ Die Ministerin ist wahrscheinlich noch im Bildungsurlaub. Bildungsurlaub ist der gesetzlich verbriefte Anspruch für Arbeitnehmer/innen auf Weiterbildung während der Arbeitszeit. Diese Regelung gilt für Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten.

Ist aber das Ministerium für Bildung und Forschung ein Betrieb? Über die Zahl der Beschäftigten im Ministerium besteht kein Zweifel. Sie liegt weit über der Zahl 10. Aber was genau ist ein Betrieb? Und kann man das Ministerium als einen Bildungsbetrieb betrachten? Interessante Frage, nicht wahr? Wir sprechen ja ständig von der Ökonomisierung der Bildung. Sollte es diese Entwicklung tatsächlich geben, dann muss auch 2015 etwas Zählbares herausspringen. Deswegen habe ich zum neuen Jahr ein paar fromme Wünsche formuliert.

Entlastung von Lehrern durch Lehramtsanwärter

Die meisten Lehrer in diesem Land leisten eine unglaublich wertvolle Arbeit und werden täglich mit den Unmöglichkeiten einer verunsichernden, ministerialen und länderübergreifenden Reformfreudigkeit konfrontiert. Warum sind wir nicht ehrlich und sagen nicht, dass jede Reform der letzten Jahre um den heißen Brei verwirklicht worden ist? Die wirklich wichtige Wahrheit kennen doch alle längst.

Die Klassen in Deutschland sind einfach noch immer viel zu groß. Reden wir keine Blasen mehr rund um den demografischen Wandel. Der kommt doch sowieso. Ich wünsche mir daher, dass wir endlich die Klassen auf eine maximale Größe von 15 Schülern verkleinern und den Lehrern frühzeitig Nachwuchskräfte an die Seite stellen.

Weniger Statistik und mehr Freude am Lehren

Ich wünsche mir auch, dass unser Bildungssystem nicht immer mehr zu einer mathematischen Angelegenheit wird, sondern dass Menschen an Schulen und Hochschulen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken und ihre Freude am Lehren neu entdecken.

Das kommt ganz sicher nachhaltig an, weil Zukunft sich heute bildet. Die Kraft, die Lehrer, Dozenten und Professoren dafür benötigen, sollte durch die einstmals selbstverständliche Wertschätzung kommen, die diesen Menschen beispielsweise noch in Finnland entgegenschlägt.

Kommunen im Bereich der Bildung stärken

Bedarfe an Bildung und Weiterbildung werden besonders gut in kleineren sozialen Räumen erkannt. Die Folgen von Schulschließungen mangels Schülerzahlen erleben immer mehr Gemeinden und Kommunen in Deutschland als Anfang vom Ende einer aktiv gestalteten Kommunalpolitik. Bildung ist ja Ländersache. Ich wünsche mir daher, dass es im Bereich der Bildung eine föderale Einsicht gibt, die Bildungspolitik entweder stärker in die Hände von Bundesländern und Kommunen zu legen oder den Bund hier aktiver mit Kommunen gestalten zu lassen. Der zweistufige Überbau der bildungspolitischen Strukturen mit Bund und Ländern geht an den Bedarfen und Interessen der wichtigsten demokratischen Keimzelle, der Kommune, immer stärker vorbei.

Ich wünsche mir, dass die Kommunen mit dem Steuerungsinstrument der Bildung mehr Gestaltungsmöglichkeiten bekommen. Das könnte so aussehen, dass die Länder für den akademischen Bildungssektor zuständig bleiben, die Kommunen aber verstärkt Mitspracherechte bei der Schulpolitik und bessere Gestaltungsmöglichkeiten beim Ausbau der Weiterbildungsstrukturen bekommen. Es darf nicht zu einem Unglück werden, auf dem Land geboren zu werden. Und erinnern wir uns an den Beginn des 20. Jahrhunderts. Da gab es einmal Dorfschulen.

Frohes Neues Bildungsjahr 2015

Das sind nur einige Wünsche, die ich für das Jahr 2015 habe. Die übrigen Wünsche und für mich wichtigen Bildungsthemen werden Sie in den nächsten Wochen wieder regelmäßig in den Kolumnen lesen können. Ich wünsche allen Lesern in diesem Sinne ein Frohes Neues Bildungsjahr 2015. Bleiben Sie also gesund und gebildet!

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