KolumneEiner der größten Bildungsförderer des Abendlandes war Karl der Große. Er reformierte das Klosterwesen und damit die Schriftkultur Europas, die heute noch Bestand hat. Der Großbuchstabe erhielt Einzug in unsere Schriftgeschichte, machte das Lesen einfacher, wenngleich nur eine kleine Minderheit im 8. und 9. Jahrhundert die Lese- und Schreibfähigkeit besaß.

Es waren insbesondere die kirchlichen Repräsentanten, die die Deutungshoheit der Welt mit ihren Lese- und Schreibfertigkeiten innehatten. Heute reden wir kaum mehr über Analphabeten. Heute reden Bildungsbürger über marode Schulen, über unterfinanzierte Hochschulen und über einen Staat, der seine Kernaufgaben hier nicht mehr ausreichend wahrnehmen kann. Wir reden leider nicht über die vielen engagierten Bürger, die sich für Schule und Bildung einsetzen.

Elternalarm an Schulen

Stinkende Toiletten und bröckelnde Fassaden an Deutschlands Schulen sind äußere Verfallserscheinungen und längst keine Seltenheit mehr. Städtekämmerer kennen das Problem, kennen auch die Lösung. Die klamme Finanzlage gibt ihnen jedoch keinen Spielraum für Sanierungen und Investitionen. Dass die Schule und der Schulalltag vielerorts dennoch funktioniert, haben wir engagierten Eltern zu verdanken, die interessante Veranstaltungen und tolle Projekte im außerschulischen Alltag organisieren und mitfinanzieren.

Ohne sie sähe der schulische Alltag noch grauer aus. Wer einmal im Elternrat gesessen hat, sich dort engagieren wollte, weiß vermutlich, wie sehr man auch in der Schule von Lehrern und anderen Eltern hängen gelassen werden kann, wenn man Veränderungen antreiben möchte.

Ehrenamtliche Tätigkeiten in der Bildung

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zu Chancen der Integration von Einwanderern hat gezeigt, dass die Förderung bei Sprachkursen und die Angebote für Migranten zum schnelleren Einstieg in den Arbeitsmarkt sehr begrenzt sind und ausgebaut werden müssen. (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

Auch hier greifen längst ehrenamtliche Organisationen und Vereine dem Staat unter die Arme, leben eine aktive Bürgergesellschaft vor, die schneller als der Staat handeln kann. Während sich Behörden und Institutionen noch über die Finanzen streiten, haben manche Migranten schon längst einen ersten Sprachkurs absolviert. Das haben wir Menschen zu verdanken, die mit viel Idealismus voranschreiten und nicht mehr auf den Staat warten.

Der Staat sind wir

Ordnungspolitisches Denken und eine in Deutschland ausgeprägte Institutionenhörigkeit haben viele Wohlstandsbürger lange in eine bequeme Untätigkeit verfallen lassen, aber es gibt aus der Mitte der Gesellschaft jetzt starke Signale, die einen Aufbruch versprechen. Frei nach der sozialen Devise, dass sich besser Menschen um Menschen kümmern statt Institutionen, sind diese engagierten Bürger für mich wirkliche Vorbilder, weil sie in ihrer wenigen Freizeit noch einen gesellschaftlichen Bürgerdienst leisten.

Sie haben eine Vorstellung von der Gesellschaft, die Mut für die Zukunft macht und den Kindern von morgen ein gutes Beispiel dafür gibt, wie man auf Dauer zusammenleben kann. Der Staat sind wir, und ohne uns ist kein Staat. Die Bildung ist das erste und wichtigste Feld, auf dem man tätig werden kann. Alles andere ergibt sich durch gebildete Menschen später von allein.

 

 

 

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