universitaet_SDas amerikanische Schulsystem weicht in vielen Punkten von dem in Deutschland ab. Das beginnt bereits bei den Zuständigkeiten für das Schulwesen.

In Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten sind die Länder und Bundesstaaten für die Belange der Schule verantwortlich, in Amerika haben die einzelnen Schulbezirke in den Bundesstaaten aber eine wesentlich größere Entscheidungsbefugnis im dreigliedrigen Aufbau von Elementary School, Junior High School/Middle School und High School. Das liegt daran, dass die Steueraufkommen in den einzelnen Schulbezirken wesentlich zur Finanzierung des Schulsystems beitragen.

Elementary School

Mit sechs Jahren werden die Kinder in Amerika für gewöhnlich eingeschult und besuchen die amerikanische Grundschule, die in manchen Schulbezirken bis zur achten Klasse dauern kann, sofern ein Mittelbau fehlt. Die Schüler werden bereits hier „students“ genannt, müssen aber keine Schuluniform tragen. Der Schultag umfasst etwa sechs Stunden und beginnt mit einem Treuegelöbnis auf die Verfassung. In integrativen Klassen mit lernbehinderten Schülern werden Assistenten eingesetzt, die den Fachlehrer unterstützen.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo Klassenverbände von der ersten bis zur vierten Klasse in der Regel erhalten bleiben, werden in Amerika bereits in der Grundschule die Klassenzusammensetzungen jedes Jahr von neuem organisiert. Weil amerikanische Schulen von der Grundschule an Ganztagsschulen sind, sind auch alle mit entsprechenden Kantinen ausgestattet. Das Zensurensystem besteht aus Buchstaben. Es reicht von der Bestnote A mit sehr gut, bei der in Prüfungen über 90% Prozent der richtigen Ergebnisse erzielt wurden, bis zum Buchstaben F, was einem Ergebnis unter 60% entspricht und heißt, dass die Prüfung nicht bestanden wurde.

 Junior High School oder Middle School

Je nach Schulbezirk umfasst die Junior High School oder Middle School die Klassenjahrgänge 5 bis 9 oder 6 bis 8. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Junior High School und Middle School besteht darin, dass bei letzterer die einzelnen Fachlehrer in interdisziplinären Projekten wesentlich enger zusammenarbeiten. In den letzten Jahren kann man daher in Amerika den Trend beobachten, dass immer mehr Schulbezirke dazu übergehen, ihren schulischen Mittelbau als Middle School zu benennen. Die Qualitätssicherung in der Vielfalt ist nicht zuletzt wichtig, weil etwa zehn Prozent der Schüler in Amerika auf kostenpflichtige Privatschulen gehen.

High School

Die High School reicht in der Regel von der neunten bis zur zwölften Klasse. In einer Abschlussprüfung können Absolventen das High School Diploma erlangen, das ihnen wie das Abitur die grundsätzliche Berechtigung gibt, zu studieren. Sie müssen aber zur Aufnahme an einem College (Universität) noch Standardprüfungen wie dem SAT (School Assessment Test) absolvieren, weil das Leistungsniveau in den Schulbezirken wegen der finanziellen Abhängigkeit vom Steueraufkommen in den Bezirken selbst sehr stark voneinander abweicht.

Neben Pflichtkursen in der High School, die den Grundkursen vergleichbar sind, spielen auch außerschulische Aktivitäten (extracurricular activities) eine große Rolle. In sogenannten AP-Programmen (Advanced Placement Program) können besonders begabte Schüler dann bereits Leistungen auf Hochschulniveau erbringen, die ihnen später am College anerkannt werden. Pro Fach kosten diese Examen zwischen 80 und 90 Dollar. In der Regel werden Schüler hier aber durch vielfältige Programme vom Bundesstaat oder Schulbezirk finanziell unterstützt.

Versetzung und Breitenförderung

Ein Sitzenbleiben wie in Deutschland hat im amerikanischen Schulsystem keine so große Bedeutung. Wer die Leistungen eines Schuljahres nicht schafft, muss allerdings in den Sommerferien Nachschulungskurse (summer school) belegen. Seit 2002 werden die Schulen selbst durch regelmäßige Tests ihrer Schüler von den Bundesstaaten stärker überprüft. Häufen sich die Fehlleistungen an einer Schule, können wichtige Finanzmittel gestrichen werden. Die Breitenförderung der Schüler in mathematisch-technischen oder musisch-künstlerischen Disziplinen spielt bereits an der Grundschule eine große Rolle. Schüler finden dort eine Vielzahl von Angeboten neben der Schule, die aber stark von privaten Sponsoren im Schulbezirk selbst abhängig bleiben.

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