Kolumne-4Bildung kennt keine Grenzen. An der Bochumer Ruhr-Uni können Flüchtlinge ab dem kommenden Wintersemester 2015/2016 als Gasthörer ein Probesemester absolvieren. Eine tolle Willkommensbotschaft, die Uni machen sollte. Wichtig ist, dass die Botschaft auch diejenigen erreicht, die es angeht. Die Internationalisierung unserer Hochschulen spielt zukünftig ohnehin eine bedeutende Rolle im demographischen Wandel. Ich sage voraus, dass die Hochschulen in zehn Jahren Spitzenreiter werden, die hier am besten aufgestellt sind.

Im Anerkennungsdschungel

Die Realität, was die Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen angeht, sieht noch immer düster aus, auch wenn es erste Schritte in die richtige Richtung gibt. Bildung ist Ländersache, und davon hat Deutschland mehr als genug. Selbst für deutsche Studienbewerber ist das Thema der Anerkennung von Abschlüssen ein schwieriges. Es herrscht eine große Unsicherheit, welches außeruniversitäre Zertifikat wie und in welchem Bundesland fachbezogen anerkannt wird. Unwissen auf allen Seiten ist an der Tagesordnung.

Es wäre daher zu begrüßen, wenn die Länder beim Thema der Flüchtlinge und der Angebotsperspektiven für sie hier zumindest Kompetenzen an den Bund abgeben würden. Wir hören ja nun täglich die Debatte darüber, dass die Länder für die Unterbringung von Asylbewerbern mehr Geld vom Bund haben möchte. Bildung aber wird in Zeiten zunehmender Mobilität immer mehr zu einer länderübergreifenden Angelegenheit. Unser föderalistisches Bildungssystem hat Vorteile, schafft aber hier auch starre und begrenzende Strukturen, die mit der einen Bildungswelt nichts zu tun haben.

Eine Transparenzoffensive ist notwendig

Ich frage mich, warum Hochschulen und Fachhochschulen nicht dazu übergehen, öffentlich zu machen, welche Abschlüsse und Zertifikate Chancen auf Anerkennung für bestimmte Studiengänge haben. Die Studienvoraussetzungen werden ja ebenfalls transparent dargestellt. Wenn die Einhaltung der Regelstudiendauer von Studierenden ein so wichtiges Kriterium für die Qualität des Studienganges ist, dann sollten sich Hochschulen und Fachhochschulen im Zuge der Internationalisierung auch langsam darauf konzentrieren, eine zentrale Anlaufstelle für dieses schwierige Thema einzurichten. Die Anerkennung von zuvor erworbenen Abschlüssen kann die Studienzeit der Studierenden verkürzen. Das Thema darf nicht mehr in Hinterzimmern von Fachbereichen ausgehandelt werden. Wir brauchen mehr Transparenz.

Zur Gleichwertigkeit von Leistungen und Abschlüssen

Natürlich ist weiterhin Vorsicht geboten, wenn es um das Thema der Gleichwertigkeit von Abschlüssen geht. Aber wir tun in Deutschland manchmal so, als seien unsere Hochschulinhalte das Nonplusultra. Mit dieser Haltung erschweren wir Menschen aus anderen Ländern den Zugang zu unseren Hochschulen. Man kann sich auch in der Detailbewertung verlieren. Die Gleichwertigkeit von Ausbildungsinhalten ist dann gegeben, wenn sich deutliche Schnittmengen in der fachlichen Tiefe zeigen. Hier muss zwecks kompetenter Beurteilung das Hochschulpersonal mitwachsen und den Blick über den Tellerrand wagen. Für Studenten aus Frankreich, Italien oder Kolumbien ist ein Studium in Deutschland attraktiver, wenn sie wissen, dass ihnen bestimmte bisher erworbene Leistungen anerkannt werden.

Deutschkurse und Vorlesungen auf Englisch

Doppelabschlüsse (Joint Degrees) mit Partneruniversitäten sind ein attraktives Angebot. Mehr Veranstaltungen nach Vorbild des Studium Generale wären wünschenswert. Diese haben eine wichtige Brückenfunktion. Noch wichtiger aber sind die internationalen Sprachangebote an Hochschulen und Fachhochschulen. Hier hat man in den letzten Jahren am falschen Ende gespart. Das Erasmus+-Programm bietet auf europäischer Ebene viele Möglichkeiten. Leider habe ich in den letzten Jahren zu viele ausländische Studenten kennengelernt, die während ihres Studiums in Deutschland mit dem Bildungssystem nicht wirklich zufrieden waren. Es fehlte ihnen häufig zentrale Ansprechpartner an den Universitäten. Das können wir uns auf Dauer nicht mehr leisten. Deswegen ist die eigentlich wichtige Botschaft der Bochumer Ruhr-Universität auch die, dass Hochschulen in Deutschland für eine tragfähige Zukunft noch aktiver um ausländische Fachkräfte werben müssen.

 

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