abitur_hsbChinas Börsen stürzen ab und reißen weltweit die Aktienmärkte in den Keller. Wir staunen nicht mehr über die weltweite Ansteckung auf Aktienmärkte, die sich vollgesogen haben mit Geld, das bald nicht mehr weiß, wo es noch hin soll. Gleichzeitig ereilen uns täglich bewegende Bilder mit Flüchtlingen, die auf verschiedenen Wegen Deutschland und andere EU-Länder erreichen und ein sehr ähnliches Prinzip der Hoffnung leben.

Es ist die Hoffnung auf eine bessere Perspektive. Geld und Menschen sind in dieser einen Welt vernetzt. Geld kann man drucken, Menschen noch nicht. Warum investiert man also das überflüssige Geld nicht in die Bildungskarrieren der nahen Menschen vor Ort statt in ferne, unüberschaubare Märkte?

Die irrationale Angst vor den Fremden

Mathematik ist logisch. Wir erklären uns die Welt mit Zahlen. Aber die Welt erklärt das nicht. Unsere wirkliche Vernetzung ist zunächst einmal die Sprache. Und davon gibt es viele, während die Mathematik nur eine globale Übersetzung kennt. Man stelle sich einmal vor, Mathematiker kämen auf die Idee, ein grundlegend neues Zahlensystem auszuklügeln. Wie groß wäre unsere Angst, fiele der letzte Orientierungsanker weg?

Wir haben Angst vor Geldflucht, wir haben Angst vor Menschenflucht. Wir haben uns eingerichtet in der gemütlichen Welt der Planbarkeit. Merkwürdigerweise investieren Menschen hierzulande in Ausbildungen, Weiterbildungen und Fortbildungen. Da weiß man auch nur bedingt, was am Ende dabei rausspringt. Die Politik spricht täglich von der Bedeutung der Bildung. Angst bewegt auch diesen Markt. Und doch glauben wir an die Bildung. An fremde Flüchtlinge dagegen glauben viele nicht.

Wir kennen uns, sie kennen wir nicht. Kennenlernen? Lieber neue Fächer als neue Menschen. Weil ich an mich glaube, an niemanden sonst. Weil ich Angst vor Überfremdung habe? Weil ich liebgewonnene Traditionen nicht aufgeben möchte? Welche Traditonen gibt es denn noch in der Ich-Welt? Das Oktoberfest wird uns keiner klauen. Es ist schwer zu erklären, warum Menschen, die alles Logische akzeptieren, auf der anderen Seite solche irrationalen Ängste entwickeln.

Zahlen sprechen nicht

Mit einem Mausklick aus dem Wohnzimmer können Millionen und Milliarden weltweit bewegt werden. Das haben wir in der Finanzkrise gelernt. Unser Geld darf wandern, andere Menschen nicht. Zumindest nicht in unsere Richtung. Wir sind stolz auf unsere erfolgreichen Exporte, auf deutsche Güter. Verkaufen tun wir gerne, unsere einst erfahrenen Werte gleich mit.

Vergessen haben wir nämlich, woher wir kamen. Da gab es mal sehr ähnliche Bilder nach dem Krieg. Oma und Opa können davon erzählen. Ihre Erzählungen erreichen aber unsere Ich-Welten nicht mehr. Nein, Deutschland kann nicht alle aufnehmen. Aber Griechenland, Spanien und Portugal noch weniger. Wie haben die Deutschen das damals geschafft? Mit Wohlwollen und Devisen der Siegermächte, mit Fleiß und Bildung, mit Glück.

Flüchtlingszahlen sprechen nicht. Hinter jeder Geschichte steckt ein Schicksal, ein langer Weg. Wenn wir Flüchtlingen aber gegenüber Wohlwollen zeigen, zeigen sie uns Fleiß und Lust auf Bildung. Das Glück bleibt flüchtig. Aber ohne Chancen bleibt es so fern wie die Bilder im Wohnzimmer vom Unglück der anderen. Fernsehen hat nur bedingt etwas mit Weitsicht zu tun. Eine kluge Integrations- und Bildungspolitik vor Ort ist jetzt gefragt. Menschen für Menschen. Zahlen für Menschen. Nicht Menschen für Zahlen. Wir alle haben gerade eine große Chance.

 

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