Bild2Tolle Phrase. Zukunft denken. Hohles Bildungssprachengeschwurbel. Also: Butter bei die Fische, liebe Personalplaner, Fachkräftemangelbeklager und Fachkräftemangelbeklagerabschreiber in den Medien! Aufgepasst! Die Kolumne heute richtet sich an euch und an alle, die versuchen, Zukunft zu denken und doch nur als Kostenstelle funktionieren. Eine immer besser ausgebildete junge Generation trifft nämlich derzeit europaweit auf einen lahmen Arbeitsmarkt. Die nüchterne Realität würgt zunehmend Bildungshungrige auf ihrem Weg ab, zerstört junge Träume früh und droht die Generationen zwischen 20 und 40 in eine Lethargie fallen zu lassen. Was sind die Gründe? Und muss das so sein?

Personalplanung in der Pflege

Deutschland hat viele Menschen, viele ältere Menschen, viele kranke Menschen. Die Belastung einer Krankenschwester oder eines Altenpflegers bei der Arbeit ist seit langem kaum lange auszuhalten. Das Bundesministerium für Gesundheit beklagt Fachkräftemangel (Quelle BMG Bund)

An einer Lösung hätte man längst arbeiten können. Doch Versuche bleiben im Ansatz stecken. Ein Beispiel gefällig? Ein Programm der deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) hilft dabei, Krankenschwestern aus Bosnien und Serbien mit Sprach-und Fachkursen auf ihre Tätigkeit in Deutschland vorzubereiten. Die Nachfrage nach Plätzen übersteigt leider das Angebot. Etwa 260 Arbeitsplätze wurden bisher vermittelt, während in Belgrad weiterhin hoffnungsfrohe und leistungsbereite, junge Menschen die deutschen Sprach- und Fachkurse besuchen. Sie kennen natürlich die Antwort auf die Frage: Warum? Kostensenkungen und Budgetengpässe im Gesundheitssystem. Aber man tut ja was…

Bildung ist der letzte Strohhalm der Hoffnung

In Italien ziehen immer mehr gut ausgebildete Menschen nach dem Studium wieder nach Hause. Hotel Mama, denken sich einfältige Klischeeliebhaber jetzt vielleicht. Die Realität ist schlimmer. Neben der jahrelangen Wirtschaftsflaute wurden studentische Gelegenheitsjobs outgesourct. Tätigkeiten im Call-Center waren mal klassische Studentenjobs in Italien. Heute operieren die großen längst von Albanien aus, wo junge Albaner Fragen in geschliffenem Italienisch beantworten. Für junge Menschen in Italien gibt es dagegen so gut wie keine Jobs mehr, um sich nach dem Studium wenigstens über Wasser zu halten.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Mensch nur noch den Märkten folgt. Nämlich auf einer Einbahnstraße und anschließend in die Sackgasse. Vom Markt führt leider kein verlässlicher Weg zurück zu den Menschen. Junge Hoffnungen werden länderübergreifend gegeneinander ausgespielt. Das Arbeitsleben ist eine einzige Befristung geworden, wenn man überhaupt kurzweilig nach einem guten Studium in den Genuss kommen darf. Ja, liebe Personalplaner… ihr sagt jetzt: In Deutschland läuft das aber anders. Wirklich?

Arbeit hat etwas mit Vertrauen und Zutrauen in die Fähigkeiten eines Mitarbeiters zu tun. Wenn ihr also Fachkräfte dauerhaft binden möchtet, dann schenkt den gut ausgebildeten jungen Menschen von heute auch von Beginn an Vertrauen und befristet sie nicht ständig!

Womit ihr nicht rechnet

Ihr habt in der Personalabteilung vielleicht einen Standpunkt und einen Standort. Und eine Kostenstelle. Aber ihr habt nicht die Füße der jungen Menschen, die mobil sind, die anderswo hingehen, wenn das so weiter geht. Ich spreche nicht einmal vom Brain-Drain. Das ist ein Sonderfall. Ich spreche von der zunehmenden Mobilität junger Menschen, die für euch vielleicht noch Durchschnitt sind, die aber Kilometer fressen, wenn sie anderswo eine Chance bekommen.

Und die bekommen sie, weil heute überall ein großer Markt ist, Angebot und Nachfrage nicht mehr allein den regional, immobilen Wochenmarkt an Standort X kennen. Seid euch also nicht zu sicher, dass Kostenfunktionen die einzige Realität abbilden. In Wahrheit schafft ihr euch und uns mit diesem Denken ab. Zukunft denken, das funktioniert nicht, wenn ständig Kosten gegen tatsächliche Bedarfe und Marktperspektiven ausgespielt werden. Eine Gesellschaft, die nicht an die Zukunft denkt, braucht zukünftig auch keine Personalplaner mehr in Unternehmen. Wachstum, das sich in Europa nicht auf dem Arbeitsmarkt widerspiegelt, geht an unserer gemeinsamen Zukunft vorbei.

 

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