burnoutRund drei Millionen Menschen Deutsche haben leistungsstimulierende, verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um den Stress am Arbeitsplatz auffangen zu können, so der jüngste DAK-Gesundheitsreport 2015. Diese Besorgnis erregende Nachricht zeigt, dass das Thema der Stressbewältigung am Arbeitsplatz die Etagen der Manager verlassen hat und die Mitte der Gesellschaft zu erreichen droht. Denn laut dem Gesundheitsbericht betrifft das „Doping am Arbeitsplatz“ zunehmend Beschäftigte, die in prekären Arbeitsverhältnissen stecken (Quelle: DAK)

Es wurden in einer repräsentativen Studie Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten im Alter von 20 bis 50 Jahren untersucht. Dieses in Fachkreisen als „pharmakologisches Neuro-Enhancement“ bekannte Phänomen hat sich in den USA schon länger gezeigt und ist offenbar in Deutschland als Möglichkeit der Leistungssteigerung hoffähig geworden. Die Steigerung von 2 Prozent auf 6,7 Prozent zum Berichtsjahr 2008 ist keine Kleinigkeit, denn die Medikamente zum Hirndoping weisen erhebliche Nebenwirkungen auf, warnen Experten.

Äußerer Druck und innere Haltung am Arbeitsplatz

Work-Life-Balance wird in großen Unternehmen heute kaum mehr als esoterischer Quatsch bezeichnet. Viele Unternehmen haben den Bedarf erkannt, und dennoch steigen äußerer Leistungsdruck und innere Anspannung am Arbeitsplatz. Es verwundert kaum, dass es insbesondere Schichten betrifft, die täglich um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, weil sie in befristeten Verträgen ausdauern müssen und so zwangsläufig eine Angstkultur vor Fehlern entwickeln. Es betrifft indes auch Arbeitsplätze, die kontinuierlich eine hohe Konzentration vom Arbeitnehmer erfordern. Viele sind kaum mehr in der Lage, der Belastung täglich standzuhalten, trauen sich aber nicht, ihre Vorgesetzten auf dieses Problem aufmerksam zu machen, weil sie Sanktionen und Entlassung befürchten.

Digitale Beschleunigungsprozesse und ein kaltes Betriebsklima tun ihr übriges, um den Arbeitsplatz zur psychischen Hölle werden zu lassen. Wer Nachrichten liest, hat vernommen, dass psychische Erkrankungen der deutschen Volkswirtschaft jährlich 6 Milliarden Euro kosten. Während Männer mit entsprechenden Mitteln ihre Leistung steigern wollen, nehmen Frauen solche Mittel vermehrt zur Stimmungsaufbesserung. Entscheidend ist, mit welcher inneren Haltung man zur Arbeit geht.

Stress aktiv angehen

Experten empfehlen, den Stress aktiv anzugehen. Wer im Unternehmen übertriebene Ansprüche an seine Leistungsfähigkeit verspürt, sollte diese auf realistische Ziele zurückfahren. Die Organisation bestimmter Arbeitsprozesse sollte überprüft werden. Und auch die Freizeitgestaltung sollte sinnvoll verbracht werden, damit am Wochenende der Akku wieder aufgeladen werden kann.

Während äußere Stressfaktoren am Arbeitsplatz mitunter wenig beeinflusst werden können, sollten Arbeitnehmer, die unter Stress leiden, zumindest im privaten Bereich positive Energien sammeln und beispielsweise Sport treiben oder anderen Aktivitäten nachgehen. Die Einnahme leistungsstimulierender Medikamente sollte jedenfalls vermieden werden, weil sie mittelfristig sogar zu Abhängigkeiten führen können und das eigentliche Problem überhaupt nicht angehen.

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