Bild_StudiplätzeFrüher war alles besser. Früher da gab es noch Zettel. Es konnte höchstens einmal vorkommen, dass ein Windstoß durch’s offene Fenster einen Zettel unter den Schreibtisch und hinter den Schrank blies. Heute, in der schönen neuen Welt, gibt es fehlerhafte Software. Und deswegen hat so mancher keinen Studienplatz, um den er sich online, so ganz ohne Zettel, beworben hatte.

Computer sagt „Nein“

Sibylle Schwarz, Bildungsanwalt

Unsere Autorin Sibylle Schwarz, Bildungsanwalt

Die Tageszeitungen meldeten in den letzten Tagen, dass zum Ende des Wintersemesters bundesweit tausende Studienplätze immer noch unbesetzt sind, sie beriefen sich dabei auf SPIEGEL ONLINE, die hatten nämlich genauer nachgefragt. „Allein in den besonders begehrten Fächern mit Numerus­Clausus­Beschränkung (NC) konnten bis zum Januar mindestens 14.579 Plätze nicht vergeben werden“ schreibt das Nachrichtenmagazin und folgert, dass die Zahl noch höher liegen müsse, da manches Bundesland die Anzahl der offenen Studienplätze nicht angeben konnte.

Dass hier und da mal ein Studienplatz an einen Bewerber nicht vergeben wurde, das ist leicht vorstellbar. Aber mindestens 14.579 Studienplätze unbesetzt, auf diese Zahl schaut man mehrmals, bevor man sie glauben mag.

Die Stiftung für Hochschulzulassung, von den Bundesländern getragen und Nachfolgerin der alten ZVS, gab sich modern und führte eine computergestützte Verteilung ein. Manche Hochschule machte da gar nicht erst mit. Der eine oder andere Studiengang war im Verteilverfahren ohnehin nicht angeboten worden. Manchmal funktionierte die Datenübertragung einfach nicht. Politiker und Hochschulen schieben sich die Schuld für die Pannen nun gegenseitig zu. Leidtragende sind Studierwillige – und es will mal wieder keiner gewesen sein.

Doppeltes Pech

Abgelehnte Bewerber haben möglicherweise auf Studienplatzklagen gesetzt. Vereinzelte Kanzleien haben sich auf das Geschäftsmodell Studienplatzklagen  ausgerichtet. Sie bieten an, nur diejenigen Hochschulen zu verklagen,  wo es aussichtsreich erscheint. Andere Studienplatz-Kanzleien machen einen „Rundumschlag“ und verklagen gleich 5, 10 oder 20 Hochschulen. Nach Ansicht dieser Kanzleien vergeben Hochschulen nicht alle ihrer teuren Studienplätze, durch eine Klage lasse sich also durch ein gerichtliches Nachrechnen eventuell noch ein Platz auffinden. Teure Studienplätze, teure Klagen. Die Rechnung für eine Studienplatzklage kann schon einmal 10.000 € betragen.

Für einige Studierwillige könnte es also richtig dumm gelaufen sein. Vielleicht wurde per Studienplatzklage eine beliebte Hochschule verklagt – die hatte aber die Verteilung der Plätze selbst in die Hand genommen, ihre Plätze richtig berechnet und damit auch alle tatsächlich belegt. Ein Gericht kann da auch nichts machen. Eine weniger begehrte Hochschule wurde vielleicht gar nicht erst verklagt, nahm aber am pannengeplagten Verteilersystem teil und hat tatsächlich freie Plätze. Eine Erkenntnis allerdings, für die es wiederum keines Klageverfahrens bedurfte.

 Adé Klage

Wird sich künftig also der „last minute Studienplatz“ etablieren? Hoffen wir auf eine (demnächst endlich) funktionierende Software zur Verteilung der Studienplätze. Eine, die vor allem nachträglich freie Plätze auflistet, vielleicht nicht an jeder Hochschule und nicht in jedem Studienfach – aber unsere junge Generation von heute ist ja schließlich so flexibel und mobil wie noch nie. Mit wenig Aufwand und kaum Kosten könnte ein freier Studienplatz herausgefunden werden. Für die Studierwilligen wäre es eine wirklich gute Nachricht. Manch Geschäftsmodell könnte dann aber ins Wanken geraten.

Rechtsanwältin Sibylle Schwarz

Sibylle Schwarz Bildungsanwalt

KiTa Schule Studium Prüfung || Bildungsberatung Rechtsberatung Prozessführung
Schwerpunkte: Schulrecht, Hochschulrecht, Berufsbildungsrecht und Prüfungsrecht

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