netIn naher Zukunft werden wir immer häufiger erleben, dass gut ausgebildete Arbeitnehmer den Arbeitgeber wechseln, weil sie sich den aussuchen können. Nicht allein der demografische Wandel sorgt für die Knappheit von Facharbeitern. Auch mangelnde Fortbildungsaktivitäten in Unternehmen könnten die Situation bald verschärfen.

Der Markt um Fachkräfte folgt keiner öffentlichen Ausschreibung sondern findet im Stillen statt. Arbeitnehmer beginnen nun damit, Chancen der eigenen Fortentwicklung über die Treue zum Unternehmen zu stellen. Als Grund geben viele für den Arbeitsplatzwechsel an, dass sie nicht wertgeschätzt worden sind, sich an Strukturen aufgerieben haben. Mittelständische Unternehmen trifft diese Entwicklung früher als große.

Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern

Viele Unternehmen machen weiterhin den Fehler, alleine in Zahlen und Kennziffern zu denken. Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern aber kann man nicht berechnen. Erwerbsbiographien aus dem vergangenen Jahrhundert gibt es nicht mehr. Vierzig Jahre Unternehmenstreue droht mit den Arbeitnehmergenerationen der kommenden Jahrzehnte zu einer Seltenheit zu werden.

Aus der Perspektive mittelständischer Unternehmen kann die bessere Vernetzung in der Region gegen die Landflucht ein wichtiger Trumpf sein. Für die Fachkräfte von morgen sollten Unternehmen vor Ort stärker in den Schulen präsent sein. Dort lernt ihre Zukunft. Warum bieten nicht mehr Unternehmen Werksbesichtigungen für Schüler an? Nur so interessiert man junge Menschen langfristig für Ausbildungsberufe. Nur diese sichern die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig. Bereits hier beginnt die Fortbildung im Unternehmen.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Wer kennt diesen Spruch aus Zeiten der Arbeitsknappheit nicht? Er passt nicht mehr. Junge Menschen zieht es nach dem Schulabschluss in die großen Städte. Diese Entwicklung kann unterschwellig zur Gefährdung des Standortes führen.

Man sollte jedoch nicht die Bindung unterschätzen, die junge Menschen zu ihrer Heimat fühlen und pflegen. Unternehmen, die attraktive Ausbildungsangebote bereithalten und ein gutes Betriebsklima aufbauen, können von dieser natürlichen Bindung immer noch profitieren. Voraussetzung dafür aber ist, dass die Wertschätzung im Betriebsalltag wirklich spürbar ist. Gerade mittelständische Unternehmen müssen hier mehr Signale senden. Sie müssen sich mehr anstrengen als die großen, die meist durch Großstadtnähe, Name und Markenvielfalt ein ganz anderes Portfolio vorzeigen können. Die interne Fortbildung und Karriere nach der Ausbildung in einem mittelständischen Unternehmen kann dabei der bessere Weg sein. Junge Menschen können sich hier besser entfalten, wenn man sie denn lässt.

Fortbildungsangebote als Personalstrategie

Ich bin sicher, dass kleinere und mittelständische Unternehmen ihre Mitarbeiter zukünftig noch stärker im Bereich der Fortbildung unterstützen müssen, um ihr Vertrauen und ihre Loyalität zu sichern. Und das ist nicht allein eine Haltestrategie. Neben der fachlichen Weiterentwicklung ist der Faktor der Motivation nicht zu unterschätzen. Wenn mein Unternehmen Geld in meine Entwicklung steckt, gehe ich mit einem ganz anderen Gefühl zur Arbeit, als wenn über meinem Arbeitsplatz wie ein Damoklesschwert der Spruch hängt: „Jeder ist ersetzbar.“

Vielleicht ist jeder ersetzbar, aber in Zeiten von befristeten Projektmanagern und Projektmitarbeitern kann eine einstmals organisch gewachsene, gesunde Unternehmensstruktur nachhaltig zerstört werden. Das passiert nicht von einem Tag auf den nächsten. Wenn aber fachlich versierte und auch beliebte Mitarbeiter ein Unternehmen nach Jahrzehnten verlassen, sind das Warnsignale an die ganze Belegschaft. Daher ist es für Unternehmen wichtig, die Facharbeiter unter einer positiven Spannung zu halten, ihnen kreative Freiräume zu lassen.

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