GENYDie berühmt-berüchtigte Generation Y will alle Freiheiten aber keine Verpflichtungen. Soviel zu dem gängigen Klischee, mit dem man es sich ohne Zweifel einfach macht. Doch wer steckt hinter dem Begriff der Generation Y? Zu allererst: Zu der Generation Y gehören grob alle  Menschen, die zwischen den späten 70ern und den frühen 1990er-Jahren geboren sind. Dabei sind sie recht priviligiert aufgewachsen. Sie konnten studieren, was sie wollten, Auslandsaufenthalte waren kein Problem und finanzielle Sorgen hatten sie höchstens nur in geringem Maße. 

Genau durch diese Privilegien spiegelt die Generation Y einen Zeitgeist wieder, der sich aus ihnen völlig selbstverständlich entwickelt hat. Mit allen erdenklichen Vorteilen aufgewachsen, sind die Erwartungen auch an das Arbeitsleben hoch: Es soll primär einen gewissen Komfort ermöglichen, herausfordernd sein, aber auch nicht das gesamte Leben für sich einnehmen. Flexibel soll die Karriere auch sein: Ein Kurswechsel ist jederzeit möglich, wenn es entweder nicht mehr zu der Lebensweise passt oder den persönlichen Idealen nicht mehr entspricht. Die Generation Y reflektiert das wieder, was sich in den letzten Generationen stetig entwickelt hat: Ist es nicht mehr gängig, 40 Jahre am selben Arbeitsplatz zu sein, wird daraus eine Tugend gemacht. Aus Unsicherheit wird Flexibilität. Eine Kunst, die die Generation Y perfektioniert hat.

Neue Ideale und Lebensmodelle

Die Y-er werden oft – im günstigsten Falle – als Träumer abgetan. Doch das wird dieser Generation nicht gerecht. Durch den ständigen Versuch, die eigenen Ideale durchzusetzen können sich ganz neue, individualistische Lebensmodelle entwickeln. Die Generation Y – nicht umsonst in Anlehnung an das Englische „Why“ benannt – steht erst einmal für ein kritisches Hinterfragen der starren Lebensmodelle, für das Streben nach einer harmonischen Verbindung von Leben und Beruf.

Es werden aktive Entscheidungen getroffen, anstatt unkritisch auf einen vorgefertigten Karriereweg zu wandeln. Einfach blind Anweisungen zu befolgen ist keine Option mehr, und auch der Chef muss sich in ihren Augen beweisen. Die Verantwortung für die Selbstverwirklichung wird nicht abgegeben, sondern selbst übernommen. Selbstbestimmtheit ist das große Ziel der Generation Y. Das ist eine ganz neue, eigenständige Einstellung, die natürlich nicht auf bedingungslose Zustimmung stoßen kann. Der weise Vorgesetzte weiß aber auch genau diese kritische Sicht zu schätzen und damit umzugehen.

Verschobene Prioritäten

Die Generation Y hat ihre Prioritäten für sich anders angeordnet: Arbeit ist jetzt nicht mehr einfach nur da, um den Lebensunterhalt zu sichern, sondern auch, um die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Unter Umständen heißt das, eher auf das fette Gehalt zu verzichten, als eine Arbeit auszuüben, die unglücklich macht. Arbeitsmodelle wie Teilzeit können hier der Weg sein. Aber auch die drastischere Variante, die Selbständigkeit, kann zur Erfüllung führen.

Denn es geht entgegen gängiger Klischees nicht darum, möglichst wenig zu arbeiten, sondern durch die Arbeit an Lebensqualität zu gewinnen. Kann das der durchschnittliche 40-Stunden-Job nicht erfüllen, werden andere Wege gesucht. Wichtig ist, dass Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung in Einklang gebracht werden. Und das wird erreicht, indem Privat-und Berufsleben miteinander so fusioniert werden, das man sich in beiden optimal entfalten kann. Beruflicher Erfolg steht nicht mehr an erster Stelle, sondern kompromisslose Zufriedenheit.

Die Sicherheit, die die Generation Y anstrebt, soll den persönlichen Standard und Lebensweise ermöglichen. Absicherung wird immer wichtig sein, egal in welchem Jahr man geboren ist. Nur soll sie jetzt durch eine Selbstbestimmung erreicht werden, die so früher nicht üblich war. Jetzt hat die persönliche Realisierung höchste Priorität und es hat sich ein nicht zwangsläufig negativer Egoismus eingebürgert.

Statussymbol Glück

Die Y-Generation sieht es nicht ein, sich ohne persönlichen Vorteil für den Beruf aufzuopfern. Überstunden, die nicht ausgeglichen oder bezahlt werden, Urlaub der nicht genommen werden kann, das alles sind Dinge, die kritisch hinterfragt werden. Geld und Freizeit sind vor allem dazu da, konsumiert und ausgelebt zu werden. Wenn die Lebensqualität eine so deutliche übergeordnete Rolle spielt, werden an die Karriere ganz andere Voraussetzungen gestellt.

Die Generation Y will nicht einfach im Hamsterrad verschwinden und am Ende völlig verbraucht in Rente gehen. Die Ideale sind ohne Zweifel hoch. Sie haben aber auch zur Folge, dass leidenschaftlicher gearbeitet wird. Und wenn dann auch noch die angestrebte Form des Privatlebens erreicht wird, kann man sich auf engagierte, kluge Mitarbeiter freuen, die nicht blind hinterher laufen sondern auch eigenständig denken. Die Generation Y hat viel mehr den Mut, einzufordern, anstatt nur einzustecken. Glücklichsein ist jetzt das neue Statussymbol, der Bausparvertrag dient als Mittel zum Zweck.

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