Bild_StudiplätzeDas Schulleben ändert sich. Immer mehr Nachmittagsunterricht füllt den Stundenplan. Die Kinder kommen häufig zum gleichen Zeitpunkt nach Hause wie die Eltern. Die Gleichschaltung von Berufs- und Schulleben wird heutzutage deutlich sichtbar. Die Organisation der Stunden ist größtenteils eine Katastrophe. Da haben Schüler in der Einführungsstufe von 14: 00 Uhr bis 16:30 Uhr frei, um dann von 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr in den ungeraden Wochen noch in Geschichte oder Sozialwissenschaften unterrichtet zu werden. Die Motivation ist bei vielen auf dem Nullpunkt. Wo soll das noch hinführen?

Wochenstundenzahlen und Jugendarbeitsschutzgesetz

Schüler berichten von 33 bis 39 Wochenstunden, die mitunter aus räumlichen oder personellen Gründen auf den Spätnachmittag fallen. Hinzu kommen noch Zeiten für Referate, Projekte und Hausaufgaben, die die Schüler einkalkulieren müssen. Wie das mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz nach § 9 zusammenpasst, wonach Berufsschüler beispielsweise nach einem fünfstündigen Berufsschulunterricht nicht mehr anschließend beschäftigt werden dürfen, wäre eine interessante Frage, die man mal klären sollte. Jedenfalls nimmt die Überlastung der Schüler eindeutig zu. Und diese Entwicklung bringt weitere Probleme mit sich.

Schulsorgen und Stresssymptome häufen sich

Weil die Schule mit ihrem Ganztagsunterricht einen größeren Raum im Alltagsleben der Kinder und Jugendlichen einnimmt, nehmen auch die Stresssymptome zu. Noten spielen eine immer größere Rolle. Die Angst vor dem Versagen paart sich mit einer Entwurzelung vom Familien- und Freizeitleben. Informelles Lernen in Sportvereinen oder in einfachem Zusammensein mit Gleichaltrigen wird zur Seltenheit. Auch Lehrer beansprucht der Nachmittagsunterricht ganz anders. Viele Freistunden in der Zwischenzeit täuschen nicht darüber weg, dass das Gefühl der ständigen Abruf- und Ansprechbereitschaft ermüdet. So treffen am Nachmittag genervte Lehrer auf demotivierte Schüler.

Letztere haben oft nicht einmal eine vernünftige Mahlzeit zu Mittag gegessen. Alles zusammen genommen führt auf allen Seiten zu einem ständigen Erschöpfungsgefühl, mit dem keine Aufnahme des Lernstoffs mehr möglich ist. Unterrichtsinhalte werden verlesen, nicht mehr vermittelt. Zeit ist zu einem kostbaren Gut geworden.

Wenig Plan und Planbarkeit

Ausfallstunden durch häufige Krankheit des Lehrpersonals machen den Schulalltag kaum planbar. Berufstätige Eltern mit Kindern in der Sekundarstufe I brauchen Nerven und Geduld, um manchmal ganz kurzfristig die Betreuung der Kinder am Nachmittag zu gewährleisten. Wenn Oma und Opa nicht können, wird es schwierig. Allen gemeinsam ist ein Gefühl der Ohnmacht, eine Überbeanspruchung und Überlastung, weil Strukturen geändert wurden, ohne an die nachhaltigen Folgen für Kinder und Jugendliche zu denken.

Es ist unverständlich, wie die KMK (Kultusministerkonferenz) Wochenstunden als Vorgaben vorgibt, ohne sich weiter um die praktische Umsetzung zu kümmern. Das müssen die Schulen alleine vor Ort leisten. Und ein Mitspracherecht von Eltern gibt es selten. Dabei wäre die Meinung der Praxis so wichtig. Denn Schulleben hat noch immer eines: Einen nachhaltigen Einfluss auf das Familienleben.

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