buchWie sieht die Arbeitswelt von morgen aus? Und was hat sie mit Bildung zu tun? Zwei Fragen, die interessant und spannend sind, sich aber nicht so einfach beantworten lassen. Fakt ist, dass sich wohl kaum ein Lebensbereich in einem Jahrzehnt so verändert hat wie das Arbeitsleben. Neben der Digitalisierung und auch Rationalisierung, die Arbeitsplätze gekostet aber auch geschaffen haben, sind die Ansprüche im Arbeitsleben gewachsen.

Präsenzkultur am Arbeitsplatz

Mit der ständigen Verfügbarkeit des Internets hat sich eine Präsenzkultur des Menschen entwickelt, der noch am Abend über den Betriebsaccount wichtige E-Mails verschickt, um kundzutun, dass er wie das Internet als Mensch dauerhaft im Einsatz ist. Immer mehr verlassen das Büro nicht, obgleich sie ausgestempelt haben. Sie arbeiten im virtuellen Büro zu Hause weiter, um sich nichts vorwerfen lassen zu müssen. Globalisierung und Weltzeituhren ticken unaufhörlich. Die Angst vor Rationalisierung bewegt die Menschen und erschöpft sie zugleich.

Die Frage ist, ob das wirklich ein Zeit- und Produktivitätsgewinn für Unternehmen ist. Auf den ersten Blick ist das sicher so. Auf den zweiten Blick geht dieser Präsenzdruck zu Lasten des Familienlebens und der Erholung. Folgekosten, die durch Burn-Out, Überlastung und durch Trennungen entstehen, tragen wir alle als Gesellschaft. Und ob das eine familienfreundliche Entwicklung ist, lässt sich stark bezweifeln.

Alternative Home-Office?

Wenn das Unternehmen anbietet, dass der Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten darf, ist das ebenfalls mitunter nur auf den ersten Blick ein Vorteil. Wie ein LKW-Fahrer auf seinen Fahrten wird der Arbeitnehmer ebenfalls zeit-und datentechnisch überprüft, spüren Menschen oftmals den Druck, nun mehr leisten zu müssen, weil das Unternehmen ihnen entgegengekommen ist. Ein vernünftiges Zeit- und Arbeitsmanagement ist schwierig, weil die verschiedenen Welten zu Hause noch intensiver aufeinanderprallen können.

Neue Arbeitszeitmodelle

Unser Dilemma im Arbeitsleben heute ist also die zeitliche Überbeanspruchung. Ein neuer Weg könnte daher sein, die Beanspruchung auf den tatsächlichen Arbeitsanfall zu richten, der unterschiedliche Belastungsspitzen aufweist. In vielen Unternehmen gilt noch die Regel, dass Überstunden oder Minderzeiten bis zum Ende des Monats abgebaut sein müssen. Andere Unternehmen räumen den Arbeitnehmern ein Jahr für den Ausgleich ein.

Eine Flexibilisierung dieses Modells könnte darin bestehen, dass man den Ausgleichszeitraum über das Jahr hinaus verlängert oder auf die Lebensarbeitszeit anrechnet. Letzteres wäre auch ein Vertrauensbeweis an die Mitarbeiter, dass man sie halten will, mit ihnen plant. Gerade bei gut ausgebildeten Fachkräften ist ein solches Modell attraktiv, weil es ihnen Gestaltungsräume gibt, mit dem tatsächlichen Arbeitsanfall besser kalkulieren und sich am Arbeitsplatz besser strukturieren zu können.

Die Ausbildung der Mitarbeiter bietet in diesem Punkt enorme Potentiale, die Arbeit von morgen besser gestalten zu können. Voraussetzung dafür aber ist, dass sich alle an einen Tisch setzen und mal vernünftig darüber nachdenken.

 

 

 

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