KolumneIn Deutschland haben immer mehr Grundschulen keine Leitung. Diese Nachricht eilte letzte Woche von Medium zu Medium. Der Job sei zu schlecht vergütet, bedeute nur mehr Arbeit. Dabei gibt es als Rektor einer Schule durchaus kreative Gestaltungsspielräume. Rektoren haben Leitungsfunktion. Manager werden sie selten.

Weil sie etwas anderes gelernt haben. Weil sie sich so nicht sehen. Viele leiten, lenken kaum. Das hat zum einen mit einem höher werdenden Verwaltungsaufwand zu tun, zum anderen mit der schlechten Vergütung. Und dann kommt da noch ein relativ hoher Krankenstand des Personals hinzu, der nicht zuletzt den Belastungen des Schulalltags geschuldet ist.

Manager in der Wirtschaft brauchen Pädagogik – Rektoren brauchen Rotation

Viele Manager in der Wirtschaft brauchen pädagogisches Geschick, um Menschen anzuleiten und zu lenken, sie mitzunehmen und zu begeistern. Der freien Wirtschaft steht darüber hinaus eine recht freie Personalauswahl zur Verfügung. Junge Menschen stoßen alle Jahre wieder mit neuen Ideen hinzu. Die Schulen werden dagegen bei der Leitung alleingelassen.

Das Personal ändert sich kaum, sodass Rektoren gezwungen sind, mit dem Personal zu arbeiten, das sie haben. Verschleißerscheinungen sind in dieser starren Struktur vorprogrammiert. Mobbing unter Kollegen ist keine Seltenheit. Neben der schlechten Vergütung ist das Auswahlverfahren unbeliebt. Keiner will nach fünfzehn Jahren Unterrichtserfahrung noch gern eine Lehrprobe abgeben.

Eine stärkere Selbstverwaltung von Schulen, die zu mehr Qualität führt, kann so nicht gelingen. Daher sollten die aufwendigen Auswahlverfahren abgeschafft und eine Rotation eingeführt werden, die den Lehrerinnen und Lehrern an Schulen mehr Freiraum bei der Wahl ihres Rektors lässt. Ein Rotationsprinzip, das befristete Amtszeiten beinhaltet, wäre vonnöten.

Nachdenken und Vordenken

Viele offene Stellen für Schulleitungen bleiben vakant. Schulen funktionieren offenbar auch ohne Leitung. Gut funktionieren sind aber nur bedingt. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat daher 2014 mit Einführung der Selbständigen Schule die kreativen Freiräume für Schulen erweitert. In Niedersachsen bestimmen zukünftig Schulleitungen die Länge der Schulstunden, das Unterrichtsmaterial oder auch die Förderprogramme. Warum die Schule sich ändern muss, erfordert ein Nachdenken über das, was sich in den letzten Jahren auch gesellschaftlich verändert hat.

Da sind insbesondere veränderte Familienstrukturen zu beobachten, die einen Mehrbedarf an pädagogischer Begleitung ausgelöst haben. Darüber hinaus müssen sich Unterrichtskonzepte noch stärker auf eine multikulturelle Vielfalt aufbauen. Wer vordenkt, sieht, dass der demografische Wandel auch eine Chance zu kleineren Klassengrößen bietet. Um die alltäglichen Belastungen auszubalancieren, sollten zukünftig zwei Lehrer in kleineren Klassen arbeiten.

Das wäre ein Qualitätssprung, den Rektoren durchaus aktiv mitgestalten könnten. Was Unternehmen häufig Philosophie nennen, sollte an Schulen ebenso selbstverständlich sein. Dazu braucht es Rektoren, die Mut zur Lenkung zeigen.

 

 

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