Lehrerin vor SchulklasseBereits vor einem Jahr hat die Bildungsanwältin Sibylle Schwarz die Notenliste entwickelt. Auslöser waren dabei die regelmäßig zum Beginn der Sommerferien verzweifelten Eltern, die zum Teil sehr überrascht vom Zeugnis der Kinder waren und gemeinsam mit der Anwältin versuchten die Nichtversetzung zu verhindern.

Ein Jahr Notenliste in der Praxis

Knapp 2000 Mal wurde die Notenliste bisher heruntergeladen – ein eindeutiges Zeichen, dass sie für viele Eltern ausgesprochen sinnvoll ist. Und so wollen wir gemeinsam mit Eltern, Lehrern und der Anwältin ein erstes Fazit ziehen. Schließlich gibt es immer Verbesserungspotenzial. Und so konnte direkt durch die ersten Feedbacks das Notenblatt verbessert werden.

Die Meinungen: Von zwei Seiten betrachtet

Profil-SchwarzVor allem war die Liste natürlich bei Eltern im Test, wovon wir einige vorab schon einmal befragt haben. Und diese lobten zu allererst die strukturierte Möglichkeit einer Auflistung wirklich aller Noten. Denn dabei waren sich alle einig: Gerade die „kleineren Noten“ wie Vokabeltests oder auch Referate geraten schnell einmal im Familien- und Schulalltag in Vergessenheit und werden dadurch selten regelmäßig nachgefragt.

Und das passiert noch schneller wenn irgendwann nicht nur ein Kind in der Schule ist, sondern vielleicht zwei oder drei. Ein schneller Überblick in Form einer Liste hilft hier, sich auch dieser Noten bewusst zu werden. Wobei die Praxis gezeigt hat, dass die vollständigste „Bearbeitung“ der Notenliste durch den gemeinsamen Abgleich von Kind und Eltern geschieht.

Nicht immer gut informiert

Eltern finden deshalb auch die Liste besonders praktisch, da viele immer wieder erleben, dass Noten von Seiten der Lehrer nicht selbstständig durchgegeben werden. So sagte eine Mutter, dass bei ihrem Sohn in der Grundschule nur selten alle Noten vor dem Zeugnis bekannt gegeben werden. Auch eine andere Mutter gab in ihrem Feedback an, kaum über den Stand gerade von mündlichen Noten informiert zu sein. Mit einer Liste werden sie nun auch stärker darauf fokussiert, bewusst diese Noten nachzufragen.

Vor allem wenn es vermehrt einzelne Noten für unterschiedliche Teilbereiche innerhalb eines Faches gibt, kann so eine Tendenz viel schneller auch für die Eltern ersichtlich sein als nur mit den Klausur- oder Arbeitsnoten.

Mehr Flexibilität gewünscht

liste-2Doch gibt es auf der Seite der schon teilnehmenden Eltern durchaus Verbesserungsvorschläge. Fächer und Noten sind nicht immer einheitlich in allen Schulformen und Bundesländern benannt. So gibt es bei den einen Schülern phasenweise nur eine Fremdsprache, dafür aber eventuell nur zwei Arbeiten im Halbjahr, allerdings ergänzt durch andere schriftliche Tests. Dementsprechend sollte die Liste flexibler angepasst werden können und mehr Raum für andere Benotungsbereiche bieten.

Einheitliche Regelungen fehlen und führen zu Problemen

Diese Benotungsbereiche erhalten mittlerweile einen hohen Stellenwert bei der Berechnung der Gesamtnote, sind aber wie bereits angedeutet nicht immer einheitlich geregelt. Hier knüpft auch die Kritik der Lehrer an, die aus unterschiedlichen Bundesländern befragt wurden. Ihre grundsätzliche Meinung zur Notenliste war durchaus positiv, auch weil viele von ihnen selbst Kinder im Schulalter haben, doch machten sie auch Problematiken aufmerksam.

So gibt es in dem einen Bundesland die mündliche Note, in anderen dafür die sonstige Mitarbeit, hier müssten dann je nach Land verschiedene Noten eingetragen werden. Wie die Befragung der Lehrer allerdings ergab, werden diese Noten im Regelfall nicht mitgeteilt, sondern wenn überhaupt auf dem Elternsprechtag angesprochen.

Viele Begriffe für eine Leistung

Hier muss aber vorab durch die Lehrer klar kommuniziert werden, wie die Noten sich zusammenstellen, also was in die Benotung einfließt und wie es gewichtet wird. Denn während die „Mündliche Note“ zumeist die Mitarbeit meint, können in der „Sonstigen Mitarbeit“ auch durchaus schriftliche Tests mit einfließen.

So kann die Notenliste ihrer Meinung nach nicht in jeder Schulform gleichermaßen eingesetzt werden. Zum einen wird in der Grundschule anders gewertet als zum Beispiel in der gymnasialen Oberstufe, zum anderen gibt es unterschiedliche Beurteilung von Lern-, Leistungs- und Kompetenzentwicklung sowie des Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler.

Obwohl auch hier noch einmal darauf hingewiesen werden muss, dass sich durchaus hinter den unterschiedlichen Begriffen die gleichen Leistungen verstecken können. Letztendlich liegt es bei den Eltern, sich vorab genau über das Notensystem, die Zusammensetzung und Gewichtung der einzelnen Noten zu informieren und diese dann auch regelmäßig vom Lehrer nachzufragen.

Noten einfordern und als Chance auf Recht sehen

Auch wenn es sich erst einmal sehr juristisch anhört, jeder Schüler und somit auch die Erziehungsberechtigten nichtvolljähriger Schüler haben ein Recht über den Leistungsstand informiert zu werden. Dementsprechend sind auch Lehrer dazu verpflichtet über Beurteilungen und Notentendenzen zu informieren.

In den einzelnen Bundesländern ist dies durch die Schulgesetze leicht unterschiedlich geregelt, wobei grundsätzlich ein Konsens darüber herrscht, dass durchaus eine Informationspflicht seitens der Lehrer besteht: In Hessen sollte es vor dem Schuljahr eine Information über die einzelnen Gesichtspunkte der Bewertung geben. Ebenso müssen die Schüler mindestens einmal im Schulhalbjahr über den Leistungsstand in den mündlichen und sonstigen Leistungen unterrichtet werden. Falls es zu einer Versetzungsgefährdung kommt, muss es zudem acht Wochen vorher eine schriftliche Benachrichtigung geben.

Ebenso haben in Rheinland-Pfalz die Schüler das Recht auf Auskunft über ihren Leistungsstand. Hier gibt es die Regelung einer Gesamtnote für Klassenarbeiten sowie eine Gesamtnote für andere Leistungsnachweise, dabei können Einzelnoten unterschiedlich gewichtet sein. Im Saarland gibt es neben den Kursarbeiten andere Lernerfolgskontrollen, deren Qualität bewertet werden muss. Hier muss ebenfalls durch den Lehrer Auskunft gewährt werden. Im Schulgesetz NRW steht hierzu, dass die Grundlage der Bewertung alle die im Beurteilungsbereich „Schriftliche Arbeiten“ und „Sonstige Leistungen im Unterricht“vom Schüler erbrachten Leistungen sind. Bei Versetzungsgefährdung sind die Eltern schriftlich zu benachrichtigen. Daneben erhält der Schüler eine individuelle Lern- und Förderempfehlung.

In Baden-Württemberg wird ebenfalls festgehalten, dass Schüler und Eltern über die Notentendenz informiert werden, entsprechendes gilt für die Noten für Verhalten und Mitarbeit. Auch in Bayern ist den Schülern die Bewertung der Leistungen mit Notenstufe und Begründung zu eröffnen. Ebenfalls sind auf Wunsch der Eltern die einzelnen Noten zu nennen. Im Schulgesetz Berlin ist eine klare Regelung zur Bekanntgabe der Noten aufgeführt. So sind die Erziehungsberechtigten über die Benotung in Versammlungen für Erziehungsberechtigte zu informieren. Die Schüler hierzu im Rahmen des Unterrichts. Dies geschieht laut Gesetzt im angemessenen Umfang und gliedert sich zudem in die einzelnen Teilbereiche Leistungsentwicklung, Leistungsbeurteilung, Versetzung und Kurseinstufung.

In der Praxis  richtig nutzen

Ansicht.schoolFolgt man dieser Regelung und fordert auch die Teilnoten bewusst durch die Lehrkraft ein und nutzt die Notenliste, kann man sich als Schüler und Eltern durchaus vor den bösen Zeugnisüberraschungen schützen. Vor allem hat man eine sichere Grundlage, wenn es doch zu Unstimmigkeiten kommt. Wie die Liste richtig geführt wird, erfährt man über die Seite der Kanzlei, wo zusätzlich viele Tipps und Infos zu den Schulgesetzen und Verordnungen zu finden sind.

Die school report NOTENLISTE liegt zum Download bereit und braucht weiter Feedback – von Eltern und Lehrern. Bereits durch die ersten Durchläufe und Befragungen von Nutzern konnte das Notenblatt direkt verbessert werden. Deswegen gibt es bei Sibylle Schwarz im Blog weiterhin die Möglichkeit einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Wir freuen uns über eure Meinungen!

 

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