abitur_hsbErfahrungen für das Berufsleben sammeln oder billige Arbeitskraft – viele Praktikanten finden sich in einer Grauzone wieder. Denn ihre Rechte und Pflichten sind nicht gesetzlich geregelt. Doch was können sie wirklich einfordern und was müssen sie dafür im Gegenzug leisten?

Freiwillig, verpflichtend oder etwas dazwischen

Zunächst ein mal unterscheidet sich ein freiwilliges von einem berufs- bzw. studienbegleitenden Praktikum. Da letzteres im Rahmen der Ausbildung absolviert wird, gelten dort alle Richtlinien wie im Studium. Es gibt also keinen gesetzlichen Anspruch auf Vergütung, Urlaub oder Sonstiges. Viel mehr ist es als eine Pflichtveranstaltung zu sehen.

Im Gegensatz dazu steht das freiwillige Praktikum. Es dauert laut Gesetz länger als ein Monat und setzt den Praktikanten formell gesehen gleich mit den anderen Arbeitnehmern.

Dann gibt es noch das Schein-Praktikum: Es liegt vor, sobald Leistungen verlangt werden, die regulär nur mit Hintergrund einer fertigen Ausbildung erbracht werden. Meistens müssen immer die selben Arbeiten erledigt werden, anstatt verschiedene Stationen im Unternehmen zu durchlaufen. Der Praktikant wird also vornehmlich für betriebliche Interessen eingestellt und nicht nur um seiner eigenen Aus- oder Weiterbildung willen. Zwischen freiwilligem und Schein-Praktikum verschwimmen die Grenzen schnell.

Einen Vertrag aufstellen

Ein Vertrag ist eine wichtige Hilfestellung, um diese Grauzonen in den Griff zu bekommen. Hier werden die Rahmenbedingungen der Praktikumszeit festgelegt. Nicht nur Aufgaben, Zielsetzung und Dauer – hier können auch Urlaubstage, Bezahlung und natürlich auch Vergütung festgehalten werden. Ein Vertrag ist gerade bei freiwilligen Praktika nicht Pflicht und somit nicht immer üblich. Ein verantwortungsvoller Arbeitgeber wird ihn aber immer anbieten, denn auf diese Weise können sich beide Seiten über ihre Leistungen und Erwartungen absichern.

Bezahlung, Urlaub und Pflichten

Bei freiwilligen Praktika steht dem Praktikanten eine Bezahlung zu. Schließlich leistet er einen Beitrag zu betrieblichen Vorgängen. Natürlich können keine Tarife wie bei den ausgebildeten Kräften verlangt werden. Aber Praktikanten haben einen gesetzlichen Anspruch auf den Mindestlohn. Und es ist gerade diese Freiwilligkeit, die ein entscheidendes Argument für die Vergütung ist. Denn sie zieht nach sich, dass während dieser Zeit keinem regulären Erwerb oder Nebenjob nachgegangen werden kann, der den Lebensunterhalt unterstützen könnte.

Genauso wie eine Vergütung ist auch Urlaub während der Praktikumszeit selbstverständlich. Auch wenn ein Praktikum nur kurz ist – jetzt gilt der Praktikant als Arbeitnehmer. Die Urlaubstage werden der Dauer des Praktikums gemäß errechnet. Meist sind es nur ein paar Tage, die dann aber auch eingefordert werden können.

Doch es sind nicht nur die Rechte, die ähnlich wie bei den anderen Angestellten sind – auch die Pflichten müssen beachtet werden: Der Praktikant sichert zu, Betriebsgeheimnisse zu wahren und seine Arbeit gemäß der Absprache einzuhalten. Auch wird von ihm erwartet, dass er sich voll einsetzt. Er muss seine Zeit in dem Betrieb ernst nehmen. Die Praktikumszeit kann nicht einfach abgesessen werden, nur um dann ein blendendes Zeugnis zu erwarten. Denn es ist genau dieses Zeugnis, das zusammen mit der gesammelten Erfahrung den höchsten Wert am Ende eines Praktikums hat. Eine geringe Bezahlung ist kein Argument für mangelndes Engagement.

Der Wert eines Praktikanten

Doch welchen Vorteil hat ein Praktikant, der noch keine vollständige Ausbildung besitzt, für den Arbeitgeber? Wichtig ist: Ein Praktikant ist kein Bittsteller. Seine große Stärke ist, dass er frischen Wind in das Unternehmen bringt. Er ist oft auf den neusten Wissenstand und kann so als Verjüngungskur dienen. Und anders als die meisten Arbeitnehmer ist er auch für routinelastige Aufgaben dankbar, die ihm aber dafür Erfahrung bringen. Einige Praktikanten zeigen sogar so viel Potential, dass sie später eingestellt werden – und dann nicht mehr eingearbeitet werden müssen. So kann das Praktikum im Idealfall zu einer Probezeit werden, die nach abgeschlossener Ausbildung zu einer Anstellung führt.

Ein gutes Praktikum ist beidseitig. Am Ende sollten sowohl Arbeitgeber als auch Praktikant davon profitieren. Die Verantwortung liegt an beiden Seiten, dass diese Zeit fair verläuft.

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