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Das Schnitzel auf Mallorca schmeckt anders. Die Pommes in der Türkei sind fad. In China esse ich grundsätzlich kein Fleisch. Da könnte ja der Hund auf dem Teller begraben liegen. Wenn Deutsche über ihren Urlaub sprechen, ist neben dem Wetter das Essen ein erzählenswertes Thema. Die Abweichung vom gewohnten Standardgeschmack wird gern und ausführlich bemeckert.

Wenn die Küche gut war, wenn sie die Zungen nicht in unangenehme Turbulenzen brachte, ist sie dagegen höchstens einen Satz wert. Reisen bildet, sagt man. Aber nur, wenn man die Augen aufhält und den Blick über den Tellerrand wagt. Kultur ist mehr als Küche.

Erwartungen von Gewohnheiten verderben den Urlaub

Und Bildungsurlaub ist anstrengend. Als der arabische Pilgerreisende Ibn Battuta im 14. Jahrhundert Richtung China reisen wollte, erlitt er Schiffbruch. Die Gastfreundschaft eines muslimischen Herrschers auf den Malediven half ihm aus der Not. Ibn Battuta konnte so die Bräuche und Sitten auf den Maledivien kennenlernen und uns ein erstes frühes Zeugnis über die Inselkultur dort hinterlassen. Häufig sind die ungeplanten Situationen im Urlaub die reichste Bildungsquelle. Das gilt auch heute noch. Auf dem kurzen Weg vom Hotel zum Strand können Pauschalreisende nur ausgetretene Pfade kennenlernen, kaum Land und Leute. Diese Schnitzeljagd sollte man sich ersparen, will man sich wirklich im Urlaub bilden. Wer Gewohntes erwartet, bekommt in einem fremden Land höchstens kalten Service. Das kann den Urlaub verderben. Bildung auf Reisen bedeutet, etwas tiefer in die Seele eines Landes vorzudringen. Geschichtsträchtige Stätten und Museen zu besuchen sind das eine Angebot. Bei den Einheimischen nachzufragen das andere.

Wer Interesse und Respekt zeigt, ist immer willkommen

Ohne Neugier geht nichts. Wer etwas über fremde Kulturen erfahren will, sollte sich nicht allein auf Bücher verlassen, sondern die Augen offenhalten und mit Menschen vor Ort sprechen, die das Land kennen. In Ägypten kann es passieren, dass man durch Gespräche mit Einheimischen schnell einen treuen Reisebegleiter findet, der einem Ecken in Alexandria zeigt, die man sonst nie zu Gesicht bekommen hätte. Wichtig ist, dass man den Menschen Respekt zeigt. Mit Respekt und Offenheit gegenüber den Gastgebern hört man von diesen Geschichten, die in keinem Reiseführer stehen. Was eine Bildungsreise abwerfen kann, entscheidet die Neugier. Goethes Italienreise war eine Bildungsreise, die von Neugier motiviert war. Auf seiner Reise zwischen 1786 und 1788 interessierte sich der Dichter für geologische, botanische, geographische und meteorologische Phänomene. Wer selbst fremde Orte bereist, kann sich auch selbst ein Bild machen. Man kommt weg von den medienbeladenen Klischees, die mit vermeintlichen Traum- und Schicksalsorten verbunden sind.

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