GENYSchule ist weiblich. Es heißt die Schule. Aber auch im schulischen Alltagsleben ist der weibliche Anteil des Lehrpersonals dominierend. An Kitas und Grundschulen arbeiten vorwiegend Frauen. In den Sekundarstufen I und II verändert sich das Quotenverhältnis nur geringfügig. Schadet der hohe feminine Anteil den Jungen? Es war Sigmund Freud, der die These vertrat, dass Jungen männliche Vorbilder brauchen. Diese Annahme hält sich bis heute hartnäckig und bestimmt die gesellschaftspolitische Diskussion darüber, ob Jungen durch den hohen Anteil von Frauen an Schulen vielleicht benachteiligt sein könnten.

2009 forderte der Aktionsrat Bildung in seinem Jahresgutachten, Jungen besser und gezielter zu fördern. Seit 2011 gibt es bundesweit endlich auch einen Boy’s Day. Das ändert jedoch nichts daran, dass insbesondere Eltern noch immer eine Benachteiligung ihrer Söhne wahrnehmen. Liegen sie richtig?

Es gibt gute und schlechte Pädagogen

Diese Diskussion sollte vor dem Hintergrund geführt werden, dass der weibliche Anteil in sozialen und pädagogischen Berufen insgesamt sehr hoch ist. Die seit den 70ern besser ausgebildeten Frauen sind fester Anker in sozialpädagogischen Berufen geworden. In den 80ern zeichnete sich ein Trend ab, dass mehr Frauen das Abitur machen. Bildung wurde weiblicher. Heute machen Frauen häufiger das Abitur als Männer. Das Abitur aber ist noch immer eine wesentliche Grundvoraussetzung für den Beruf des Lehrers. Das alles sagt doch letztlich nichts über die Qualität eines Lehrers oder einer Lehrerin aus. Die Forderung nach einer Männerquote in Schulen verdeckt das eigentliche Problem.

Jungen sind Spätstarter

Jungen sind Spätstarter in ihrer Lernentwicklung. Das ist früher weniger aufgefallen. Heute jedoch werden geschlechtsspezifische Vergleiche angestellt, die den schulischen Druck auf Jungen unnötig erhöht haben. Diese Bildungsstatistiken führen in der Wahrnehmung vieler Eltern dazu, dass sie eine Benachteiligung ihrer Söhne erkennen wollen. Es gibt jedoch keine wissenschaftliche Studie, die diese Beobachtung untermauern kann. Lustlosigkeit und Lernverweigerung, die es tendenziell immer bei Jungen in bestimmten Phasen gegeben hat, werden in komprimierten Lehrplänen und verkürzter Abiturzeit aber zum großen Problem. Es trifft die Jungen hart, die einfach mehr Zeit für ihre Persönlichkeitsentwicklung brauchen.

Sollen man Jungen und Mädchen wieder getrennt unterrichten?

Die Koedukation, der gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen, hat sich in den 60ern und 70ern weitestgehend durchgesetzt. Heute aber haben wir veränderte Vorzeichen, denn der zunehmende Schuldruck macht gerade Jungen zu schaffen, die mit dem Tempo der frühreifen Mädchen nicht mehr Schritt halten können. Ich halte es daher für sinnvoll, mal darüber nachzudenken, ob es nicht Sinn macht, Jungen und Mädchen in den Klassen 8 und 9 wieder getrennt zu unterrichten. Ein zeitweise getrennter Unterricht könnte gezielter bei den Jungen das aufbereiten, was in der Koedukation gerade in diesen Schuljahrgängen verpasst wird. Es ist nicht nur die Pubertät, die hier in der verzögerten Lernentwicklung eine Rolle spielt. Es ist auch die subjektive Wahrnehmung von Jungen und ihren Eltern, die Blockaden und Schulkonflikte mit der falschen Diskussion verfestigen.

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