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In Berlin laufen seit Jahren Projekte, die sich darauf konzentrieren, Kinder und Jugendliche aus bildungs- und herkunftsfernen Familien näher an hier übliche Bildungsstandards heranzuführen. Neben sprachlichen und schulischen Hilfen geben zahlreiche Studenten in diesem Projekt auch praktische Unterstützung bei Verwaltungsgängen.

In mittlerweile dünn besiedelten Landstrichen wie der Eifel engagieren sich immer mehr Bürger um die Integration von Flüchtlingen. In kleinen Gemeinden und Dörfern finden syrische Kriegsflüchtlinge Kirchenasyl und Unterstützung, damit sie bleiben. Wer hätte das noch vor fünf Jahren für möglich gehalten? Deutschland verändert sich gerade. Positiv. Die Gesellschaft hat begriffen, dass in der Politik keine Vorbilder zu erwarten sind, dass Mentoren aus der Mitte des Volks kommen. Wie wirken sich Vorbilder und Mentoren auf die Bildungskultur eines Landes aus?

Aufstiegsperspektiven sind wichtig

Wer hier im Land neu ankommt, hat eine andere Welt scheinbar hinter sich gelassen, aber Erinnerungen und Familienmitglieder leben woanders. Umso wichtiger ist es für die vielen Flüchtlinge in Deutschland, zu spüren, dass sie nicht einfach geduldet, sondern vor allem verstanden werden und eine Chance bekommen. Die Vorbilder und Mentoren, die junge und ältere Mitbürger aus anderen Ländern intensiv begleiten, leisten einen unschätzbaren Dienst, weil sie zum einen ein bürgerliches und christliches Engagement leisten, zum anderen dafür sorgen, dass sich unsere Mentalität weiter öffnet. Gerade in Zeiten, in denen der Terror die Schlagzeilen beherrscht, in der die Angst vor dem Fremden und vor den Fremden wieder zu wachsen droht, sollten die Medien viel stärker über die gelungene Integration von Mitbürgern sprechen, die heute schon selbstverständlich zu den Leistungsträgern unserer Gesellschaft gehören. Warum reden wir nicht darüber mehr? Wie für alle Menschen auf der Welt sind Aufstiegsperspektiven für Neuankömmlinge wichtig. Die Ausbildung und Bildungskultur eines Landes sagt sehr viel über seine Mentalität aus. Wir haben hier schon viele Vorbilder.

Noch immer zu viel Formalismus

Was auf Bürgerebene längst gelebte Praxis ist, muss die Schulen, Unternehmen und Universitäten noch stärker erreichen. Sich wiederholende Klagen über mangelnde Sprachkenntnisse helfen nicht. Ständige Hinweise auf unterschiedliche Mentalitäten spalten nur. In unserem Bildungssystem gibt es noch zu viele Hürden für die hier Ankommenden. Integration bedeutet auch, dass die Länder in Europa, die Flüchtlinge aufnehmen, auch die bereichernden Aspekte erkennen, die sich im Austausch mit Menschen aus anderen Ländern ergeben. Integration ist daher kein formaler Akt entlang einer Einbahnstraße, sondern ein respektvoller Austausch, der uns allen eine neue Mitte gibt. Wer sich lebenslanges Lernen auf die Fahnen schreibt, kann auf diesem Feld sofort anfangen. Ich wünsche mir noch mehr Vorbilder und Mentoren in Schulen und Universitäten, die die neuen Mitbürger an die Hand nehmen und ihnen bei Schulaufgaben helfen. Kinder gehen da viel spontaner und vorbehaltloser vor. Vielleicht sollten wir uns auch hier viel stärker am natürlichen Verhalten von Kindern orientieren.

 

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