GENY…grüßt täglich das Murmeltier, ist die Uhr in ein Erdloch gefallen, verlieren Menschen Menschen, finden Menschen neue Menschen, wird der Morgen irgendwann zum Abend und wieder Morgen – Punkt. Hastig eilen Menschen durchs Leben, setzen Punkte, fangen neue Sätze an, markieren Etappen und Ziele, Etappenziele, schreiten zurück, schreiten voran. Und dann?

Zeitwissen als Orientierung

Mit der Bildung, Ausbildung, Fortbildung wächst das graue Haar und das lebenslange Lernen ist nicht nur ein geflügeltes Wort – es verleiht auch Flügel. Mercator hat im 16. Jahrhundert eine noch heute für die Luft- und Seefahrt wichtige neue Kosmografie entwickelt. Die berühmte Mercator-Projektion spiegelt sich noch heute in allen Atlanten wider.

Gauß entwickelte als Mathematiker unter anderem wichtige noch heute gültige Lehrsätze für die Versicherungsmathematik. Das Genie starb 1855, und bei seinem Tod wurde ihm das Gehirn entnommen, um es zu untersuchen, aber einen Befund hat man selbst bei der letztmaligen Untersuchung 1998 nicht festgestellt. Erst 2013 entdeckte man an der Universität Göttingen, dass sein in Formaldehyd konserviertes Gehirn mit dem des Mediziners Conrad Heinrich Fuchs wohl kurz nach der Entnahme im 19. Jahrhundert vertauscht worden war. Aber was genau wollte man auch feststellen?

Und wir Heutigen? Wir nehmen dieses Wissen oder Unwissen an, übernehmen es, entwickeln es weiter, rufen mal Einstein und die Gravitationswellen in Erinnerung, mal Gutenberg und den Buchdruck, aber die Zeit fließt weiter, zerfließt wie Dalis Uhr, und was bleibt, ist eine Orientierung im Leben der nachfolgenden Generationen.

Teilbares Wissen als Zeitpunkt

Wie das Leben ist auch das Wissen ein einziger Zeitpunkt und vorläufiger Forschungsstand und was, wenn ein noch heute unbekanntes Genie in zwanzig Jahren wissenschaftlich nachweisen kann, dass es doch einen Gott gibt? Ist das komplett ausgeschlossen? Würden dann wieder mehr Menschen zur Kirche gehen? Würde diese Entdeckung unser Leben verändern? Selbst dreihundert Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks haben die wenigsten lesen und schreiben können, geschweige denn Bücher besessen.

Die Wissensteilung und Wissensverteilung verläuft also in Schüben und trotz der heutigen digitalisierten Geschwindigkeitsübertragung von Wissen und der verbesserten Zugangsmöglichkeiten verhindern zunehmendes Spezialistentum und Wissenschaftsdifferenzierung die Verbindung mehrerer Disziplinen miteinander. Zur Erinnerung: Gauß war mehr wie nur ein genialer Mathematiker.

Zeitentdeckungen brauchen Zeit

Kein Mensch ist mit einer Formel geboren worden und alles, was die Schwarmintelligenz sprich der Mensch entdeckt hat, fußte auf langjährigen Untersuchungen und Forschungen. Interesse und Neugier waren die Treiber der vielen großartigen Persönlichkeiten, die wir heute immer gerne zitieren, ohne annähernd zu verstehen, unter welchen teils lebensbedrohlichen Umständen diese für uns geforscht haben.

Unser Blick heute geht leider nur allzu sporadisch zurück, weil wir immer weniger verstehen, dass die Zeit eine Geschichte hat, wir Menschen eine Geschichte haben. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit findet man im Jetzt allerdings nichts. Für morgen können wir dann die unwissenschaftliche Glaskugel heranziehen, aber was gestern war und wie gestern war, das könnten wir zumindest erahnen und etwas überschauen. Eines ist sicher: Bildung wird auch morgen noch etwas mit Neugier, Leidenschaft und Interesse zu tun haben. Und wer die Geschichte vergisst, der hat kein Interesse am Jetzt.

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