kind1Wenn das Gefühl des Versagens auf die Seele drückt, neigen viele Schüler und Jugendliche dazu, ihren Fluchtinstinkt zu entwickeln. Sie zappeln in der Schule, suchen die Bewegung, lenken andere in der Klasse ab, um letztlich von den eigenen Problemen abzulenken. Die psychosozialen Belastungen von Kindern mit Rechtschreib- oder Rechenschwäche ist wissenschaftlich belegt. Wie aber gehen Schulen und Lehrer mit der Lernstörung um?

Regelung des Nachteilausgleichs

Für Tests, Klassenarbeiten oder Prüfungen gilt, dass Schüler mit nachgewiesener Dyskalkulie oder Legasthenie einen Nachteilausgleich genießen. Rechtschreibfehler werden so in der Note nicht berücksichtigt, Zahlenverdreher fallen bei der Matheklausur nicht ins Gewicht, sobald Kinder und Jugendliche den richten Weg rechnen.

Während andere Mitschüler mitunter recht strenge Punktabzüge in Mathe bekommen, müssen diejenigen, die Dyskalkulie haben, nur nachweisen, dass sie den Weg des Rechnens richtig verstanden haben. In manchen Klassen führt dies immer allerdings immer wieder zu Diskussionen, weil Lehrer sich bestimmte Kommentare nicht verkneifen können oder die Akzeptanz von Legasthenie überhaupt nicht vorhanden ist.

Was Eltern mitmachen

Gruppe (2)Ich sehe immer wieder, was Eltern mitmachen, wenn ihr Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hat oder Zahlen nicht richtig zusammenrechnen kann. Schon in der Grundschule bemühen sie sich zumeist, die Schwächen des Kindes anzugehen, weil mit der vierten Klasse nur allzu deutlich die Lehrerempfehlung für den weiteren Weg wartet.

Unter diesem Druck geben Eltern Unsummen für zweifelhafte Retter aus, die am Nachmittag nach der Schule die kleinen Kinder in Heerscharen empfangen. Erst ein Jahr später stellen dann viele Eltern zumeist enttäuscht fest, dass auch die tollen Lehrräume und Lehrangebote des speziellen Nachhilfe-Instituts nicht die grundsätzliche Schwäche des Kindes beheben konnten. Angst, das Kind könnte dauerhaft schulisch auf der Strecke bleiben, ist deutlich bei den Eltern zu spüren.

Was Schüler mitmachen

Ich erlebe es oft, dass Schüler bei mir nachmittags zur Nachhilfe kommen und sich erst einmal sortieren müssen, ein Gespräch über Gott und die Welt anfangen, weil der ganze Vormittag schon zu viel war. Ich sehe aber manchen auch an, dass sie unter der Situation leiden, denn eines gehört zum Alltag dieser Schüler. Sie erfahren jeden Tag, dass sie in den Grundfächern nicht so leistungsstark sind wie die anderen.

Und das verletzt sie. Mit der Erfahrung, dass ihnen auch niemand wirklich bei den Schwächen helfen kann, geht auch schnell die Motivation verloren. Dabei gibt es Hilfe. Sie dauert nur Zeit, und die hat heute kaum einer mehr.

Jungen und Mädchen

schueler300Jungen reagieren auf Lernstörungen anders als Mädchen. Während Jungen das Defizit in der Schule mit anderen teils kontraproduktiven Hyperaktivitäten auszugleichen suchen, ziehen sich Mädchen schnell ganz zurück. Das Selbstbewusstsein kann dauerhaft darunter leiden, und es bleibt eine wichtige pädagogische Aufgabe, die Jugendlichen zu ermutigen, weiter an ihren Schwächen zu arbeiten.

Diese Lektion verstehen wiederum Mädchen schneller als Jungen, denn ganz offenbar sehen Jungen noch andere Kräftefelder wie Sport, wo sie sich messen können, sodass ihnen ihre Schwäche hier nicht so wichtig ist.

Grundschulen brauchen Assistenz

Für die Grundschulen wünsche ich mir daher in den Klassen einen zweiten Lehrer, der den Unterricht begleiten und noch individueller bei Schülern auf solche Probleme eingehen könnte. Die Lehrerassistenz beim Rechnen und Schreiben könnte frühzeitig Methoden entwickeln, die Schülern mit entsprechenden Lernstörungen helfen. In anderen Ländern wie England oder auch Amerika ist das längst üblich. Aber in Deutschland fehlt es offenbar an Geld. Oder am Willen?

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