abitur_hsb„Oh, hier muss ich ja wieder mit anderen Menschen zusammenarbeiten“, soll Robinson Crusoe laut gerufen haben, als er nach 28 Jahren die einsame Insel verließ. „Keine Sorge, Robinson. Dagegen gibt es den Freitag“, hat ihm sein treuer Begleiter und Diener geantwortet. Der Tatort Arbeitsplatz bringt täglich Menschen zusammen, die wie auf einer Insel miteinander funktionieren müssen, um überleben zu können. Viele kommen morgens ins Büro und gehen anderen Kollegen aus dem Weg, soweit das möglich ist. Oder sie beharken sich und dringen wieder und wieder in das Revier des anderen ein, um ihm unmissverständlich klarzumachen: Ich bin da! Das ist der Tatort Arbeitsplatz. Kennen Sie das?

Mobbing, Marotten, Miesepeter

Ihre Kollegin öffnet jeden Tag gleich frühmorgens im Büro bei winterlicher Kälte für zehn Minuten das Fenster, nachdem Sie die Windschutzscheibe Ihres Autos frei kratzen mussten und die Heizung während der anschließenden halbstündigen Fahrt ausfiel. Sie haben geduscht, gerade am Wochenende ein neues Parfum gekauft und können sich wirklich keine Vorwürfe machen. Das sind solche Marotten. Kleinigkeiten? Im Alltag werden sie irgendwann groß. Oder…

Die Kollegen teilen Ihnen ständig Arbeiten zu, die so unangenehm wie und unlösbar sind. Sie sind verzweifelt, aber Sie möchten und müssen funktionieren. Irgendwann tun Sie es nicht mehr. Dann kommt Teil zwei der Mobbingperformance. Ihnen wird keine Arbeit mehr zugeteilt und Sie sitzen da wie ein schmollendes Kind in der Ecke, weil keiner mehr mit Ihnen spielt. Oder…

Ihre Kollegen haben ständig schlechte Laune. Sie möchten am Arbeitsplatz auch mal ein nettes Gespräch führen, erzählen, dass Sie am Wochenende ins Kino gehen, werden aber gleich mit Killersätzen wie – Dafür hast du noch Zeit?! – abgewürgt. Die Miesepeter verderben Ihnen jede Stimmung. Oder…

Zickenkriege, Männerbünde, Männerzicken

Fünf Frauen männerlos im Großraumbüro…eine kritische Obergrenze, für Seehofer jedoch gerade noch akzeptabel. Aber…da können schon wie bei Germanys Next Topmodel die Fetzen fliegen mit dem Ergebnis…Frau XY heute habe ich keinen Arbeitsplatz für Sie. Oder…

Verschweißte Männerbünde, die gemeinsam in einem Büro sitzen und einer klüger als der andere ist. Realsatire? Nein, die Realitätstheorie von Einstein, denn kein Stein bleibt auf dem anderen…da kann es hart im Alltag zugehen, aber am Abend sind wir wieder Kegelbrüder, auch wenn beim letzten Bier noch einmal deutliche Männerworte gesagt werden…und dann am nächsten Tag? Auf ein neues…Prost! Oder…

Ihm passt das nicht, und auch das muss noch optimiert werden. Es folgt die Verbesserung, die Korrektur, und wieder passt es ihm nicht…ganz einfach…ohne Begründung. Sie wissen nicht mehr, was Sie tun können, wie Sie es ihm recht machen…im schlimmsten Fall ist es Ihr Vorgesetzter…der nie zufrieden ist und nie Worte der Begründung dafür findet. Auch Männer können rumzicken. Oder…

Kommunikation ist Glückssache

Ich habe ja jetzt noch den Amokläufer im Affenkino ausgespart, den Choleriker, der hier und da auch noch in der Vorstellung sitzt. Also.was tun, wenn man im Affenkino sitzt? Betriebspsychologen bestellen? Eine eigene Therapie beginnen? Yoga? Oder vielleicht doch mal nachfragen, was mit Ihrer Kollegin oder mit Ihrem Kollegen so los ist?

Sie können dann plötzlich dem Seeelenausschütter begegnen, bei dem diese einfache Frage eine ganze Lebenserzählung auslöst oder den mürrischen und genervten Schweiger, der sich noch weiter zurückzieht. Aber ohne Kommunikation geht es nicht. Und Kommunikation scheint bei den unterschiedlichen Typen am Arbeitsplatz auch eine Glückssache zu sein. Aber dafür haben Sie ja wie Robinson Crusoe den Freitag. Machen Sie das Beste daraus!

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