Campus: Definition im Bildungskontext

Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)

Ein Campus ist das zusammenhängende Gelände einer Hochschule mit Gebäuden für Lehre, Forschung und Verwaltung, oft ergänzt um Bibliothek, Mensa, Wohnheime und Sportanlagen. Im weiteren Sinn bezeichnet das Wort jeden Standort einer Hochschule, auch wenn er mitten in einer Stadt liegt; viele Hochschulen sprechen etwa von „Campus Stadtmitte“ und „Campus Nord“. Inzwischen verwenden auch Schulverbünde, Forschungseinrichtungen und Unternehmen den Begriff für ihre Standorte.

Herkunft des Begriffs

Das lateinische Wort campus bedeutet „Feld“ oder „freie Fläche“; bekannt ist etwa das Marsfeld im antiken Rom, der Campus Martius. Für das Gelände einer Hochschule wurde es zuerst in Nordamerika verwendet. Der früheste bekannte Beleg stammt aus einem Brief vom Januar 1774 über das College of New Jersey, die heutige Princeton University; gemeint war dort die offene Fläche vor dem Hauptgebäude. Zuvor war in amerikanischen Colleges das Wort „yard“ üblich; der Name „Harvard Yard“ erinnert noch daran. Außerhalb Princetons verbreitete sich „campus“ erst im Lauf des 19. Jahrhunderts; nach und nach wurde aus der Bezeichnung für die Freifläche eine Bezeichnung für das gesamte Hochschulgelände.

Im Deutschen setzte sich das Wort ab den 1960er-Jahren durch, als im Zuge des Hochschulausbaus neue Universitäten auf eigenen Arealen am Stadtrand entstanden.

Campusuniversität und Stadtuniversität

In Deutschland unterscheidet man zwei Grundformen, die in der Praxis oft gemischt vorkommen:

Merkmal Campusuniversität Stadtuniversität
Lage Geschlossenes Areal, häufig am Stadtrand Gebäude über das Stadtgebiet verteilt
Typische Entstehung Neugründungen ab den 1960er-Jahren Ältere Universitäten, gewachsen über Jahrhunderte
Wege Kurze Wege zwischen Fakultäten, Bibliothek und Mensa Teils längere Wege zwischen Instituten
Verbindung zur Stadt Eigenes Umfeld, Anbindung über Bahn und Bus wichtig Hochschule prägt Innenstadt und Wohnviertel
Beispiele Ruhr-Universität Bochum, Universität Bielefeld, Universität Konstanz Heidelberg, Tübingen, Göttingen, München (LMU)

Die Ruhr-Universität Bochum gilt als erste Universität, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik neu gegründet wurde. Der Grundstein wurde 1962 gelegt, die Eröffnung folgte 1965. Alle Fakultäten liegen dort auf einem Gelände südlich der Innenstadt.

Beispiele aus Deutschland

Freie Universität Berlin, Campus Dahlem

Die Freie Universität nutzt im Berliner Ortsteil Dahlem neben zahlreichen Villen einen der bekanntesten Hochschulbauten der Nachkriegszeit: die „Rost- und Silberlaube“. Den Wettbewerb von 1963 gewann ein Pariser Architektenteam um Georges Candilis, Alexis Josic und Shadrach Woods. Der erste Bauabschnitt, nach seiner Fassade aus wetterfestem Stahl „Rostlaube“ genannt, wurde 1973 bezogen; der zweite, die „Silberlaube“ mit Aluminiumverkleidung, folgte bis 1980. Nach einer Asbestsanierung kam 2005 die Philologische Bibliothek nach einem Entwurf von Norman Foster hinzu (Universitätsarchiv der FU Berlin).

Universität Stuttgart, Campus Vaihingen und Stadtmitte

Die Universität Stuttgart ist ein Beispiel für eine Hochschule mit zwei Standorten. Die meisten ingenieur- und naturwissenschaftlichen Institute liegen auf dem Campus Vaihingen am Pfaffenwaldring, angebunden über die S-Bahn-Haltestelle „Universität“. In der Stadtmitte befinden sich vor allem geistes- und sozialwissenschaftliche Einrichtungen sowie einzelne technische Institute (Universität Stuttgart, Unser Campus). Raumnummern beginnen dort mit einem Buchstaben für den Standort.

Campus, KI-Illustration
Illustration: mit KI erstellt — keine Original-Fotografie

Was zu einem Hochschulcampus gehört

  • Lehr- und Forschungsgebäude: Hörsäle, Seminarräume, Labore und Institutsgebäude.
  • Bibliothek und Lernräume: zentrale Universitätsbibliothek, Fachbibliotheken und Gruppenarbeitsräume.
  • Versorgung: Mensen, Cafeterien und Wohnheime, in Deutschland meist betrieben vom örtlichen Studierendenwerk, in der Regel einer Anstalt des öffentlichen Rechts.
  • Beratung und Verwaltung: Studierendensekretariat, Prüfungsamt, Studienberatung, International Office.
  • Freizeit: Hochschulsport, Grünflächen, Räume für studentische Gruppen und Veranstaltungen.

Der Campus ist damit auch der Ort, an dem sich das Hochschuljahr abspielt, gegliedert in Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit; Näheres erklärt der Eintrag akademisches Jahr. Viele Hochschulen öffnen ihren Campus für Ehemalige: Netzwerke für Alumni laden zu Veranstaltungen ein, und Absolventen nutzen Bibliothek oder Hochschulsport häufig weiter.

Weitere Bedeutungen

  • Bildungscampus: Zusammenschluss mehrerer Einrichtungen an einem Standort, etwa Kita, Grundschule und weiterführende Schule, oder eine Berufsschule gemeinsam mit Bildungsstätten der Kammern.
  • Forschungscampus: Standorte, an denen Hochschulen, außeruniversitäre Institute und Unternehmen zusammen forschen.
  • Firmencampus: Unternehmen bezeichnen größere Firmenzentralen als Campus, etwa Microsoft in Redmond im US-Bundesstaat Washington. Mit Bildung im engeren Sinn hat diese Verwendung wenig zu tun; sie übernimmt das Bild eines offenen, durchgrünten Geländes.
  • Virtueller Campus: Lernplattformen, über die Hochschulen Kurse, Prüfungsanmeldung und Kommunikation digital abwickeln. Fernhochschulen nutzen den Begriff für ihr gesamtes Online-Angebot.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Campus auf Deutsch?

Wörtlich „Feld“ oder „freie Fläche“, abgeleitet vom Lateinischen. Im Hochschulkontext bezeichnet es das Gelände oder einen Standort einer Hochschule mit seinen Gebäuden.

Woher kommt der Begriff Campus für Universitäten?

Aus Nordamerika. Der früheste bekannte Beleg stammt von 1774 und bezieht sich auf das College of New Jersey, die heutige Princeton University. Im Deutschen ist der Begriff seit den 1960er-Jahren gebräuchlich.

Was ist eine Campusuniversität?

Eine Universität, deren Einrichtungen weitgehend auf einem zusammenhängenden Gelände liegen. In Deutschland sind das vor allem Neugründungen der 1960er- und 1970er-Jahre wie Bochum, Bielefeld oder Konstanz. Das Gegenstück ist die Stadtuniversität, deren Gebäude über eine Stadt verteilt sind.

Wie heißt der Plural von Campus?

Laut Duden lautet der Plural „die Campus“, der Singular und der Plural sind also gleich. Der Genitiv heißt ebenfalls „des Campus“.