In ihrem Bericht „Bildung schafft Zukunft 2012“ kritisiert die Bundesvereinigung der
Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) das bisherige Vorgehen der Politik in Bildungsangelegenheiten.

Im Januar 2012 veröffentlichte der BDA ihr Positionspapier „Bildung schafft Zukunft 2012“. In dieser Broschüre werden aktuelle Trends im Bildungswesen diskutiert, eigene Forderungen an das Bildungssystem und die einzelnen Bildungseinrichtungen der Zukunft gestellt sowie die aktuelle Situation in verschiedenen Bildungsbereichen unter die Lupe genommen.

 

Allgemeines zum Positionspapier

Der Bund der Deutschen Arbeitgeberverbände geht auf verschiedene Bildungsbereiche ein: frühkindliche Bildung, schulische Bildung, hochschulische Bildung sowie berufliche Bildung und stellt eigene Vorstellungen zu diesen Bereichen für das Jahr 2012 vor.

Argumentiert wird dabei aus Sicht der Wirtschaft, sodass der Fachkräftemangel, die Bedeutung von Bildung für den Wohlfahrtsstaat sowie die Arbeitsfähigkeit der Bildungsabsolventen im Vordergrund stehen. Zentrale Vorstellungen über die Bildung der Zukunft lassen sich dazu kurz zusammenfassen:
•    Ausbau der frühkindlichen Bildung
•    Durchlässigkeit im Bildungssystem
•    Chancengerechtigkeit
•    Qualitätsmanagement in Bildungseinrichtungen mit regelmäßigen Qualitätskontrollen
•    Stärkung der Autonomie der Bildungsinstitutionen
•    Förderung der Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen und Familien und
•    Bundesweite Bildungsstandards für mehr Vergleichbarkeit.

Positionen zur Bildungspolitik

Neben diesen allgemeinen und mit der Politik weitestgehend konformen Forderungen an Bildung in Deutschland gesellen sich jedoch auch kritische Worte gegenüber der Bildungspolitik. Dabei würde der BDA vor allem zwei Aspekte in Angriff nehmen, die einem qualitativ hochwertigen deutschen Bildungssystem ihrer Meinung nach im Wege stehen: den Föderalismus sowie die Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft bzw. Statistikinstituten.

Bildungsföderalismus

Die Aufteilung der Zuständigkeiten für Bildung in Deutschland auf die einzelnen Bundesländer wirkt gegen eine gewünschte Vergleichbarkeit von Bildung auf Bundesebene. Auch die Umsetzungen einzelner Reformen sind hierdurch nie flächendeckend sichtbar, sondern stets auf einzelne Länder begrenzt. Dies erschwert die für die Arbeitswelt so wichtige Mobilität der Eltern von Kindern und Jugendlichen im Bildungssystem aber auch die Mobilität der Absolventen. Der BDA fordert aus diesen Gründen zumindest die Aufhebung des Kooperationsverbotes, sodass die Zusammenarbeit von Ländern und Bund und Ländern sichergestellt werden kann (vor allem auch finanziell).

Eng Damit verbunden ist auch die Ansicht des BDA, dass die Bildungspolitik auf Länderebene einem ständigen Wechsel unterliegt. Die Parteien können sich auf Länderebene vor allem im Bildungsbereich profilieren und tun dies auch. So werden immer wieder Reformen geplant und dann doch nicht durchgesetzt, Schulsystemvorstellungen je nach regierender Partei geändert und eine Kontinuität ist nicht sichtbar. „Bildungsreformen sind Experimentierfeld oder folgen Ideologien statt Evidenze“  (BDA, S. 6).

Die Parteipolitik steht demnach zu stark im Mittelpunkt und die Bildung an sich kommt dabei zu kurz. „Für Experimente ist Bildung zu wichtig – es geht um die Lebenschancen vieler Junger Menschen.“ (BDA, S. 10).

Evidenz und Datenbasis statt Ideologie

Damit sich dieses Problem lösen kann sind vor allem Änderungen in der Kooperation zwischen Wissenschaft und Politik bzw. Statistikinstituten und Politik notwendig. Schulreformen und Schulentwicklung sollen demnach stets auf einer Datenbasis fußen. Die Bildungsforschung und einzelne Evaluationen sollen immer die Grundlage für Entscheidungen im Bildungswesen sein und nicht ideologische, parteipolitische Ansichten über die Gesellschaft. Die Vorstellung für 2015 ist folgende:

Bundestag, Landesparlamente und Gemeinderäte lassen kein Gesetz und keinen Beschluss passieren, der nicht auf einer validen Datenbasis beruht. (BDA, S. 11).

Kommentar

Diese harte Kritik an der Bildungspolitik ist durchaus berechtigt. Oft sind Beschlüsse der Bildungspolitik kaum begreifbar, wenn man sich die wissenschaftliche Daten- und Forschungslage dazu anschaut und man kann den Eindruck bekommen, es wird das durchgesetzt, was zum grundsätzlichen Parteiprogramm passt und nicht das, was richtig ist.

Und auch der Föderalismus wird hier nicht zum ersten Mal kritisiert. Allein ein Umzug von Bundesland zu Bundesland, der Wechsel von einer zur anderen Schule oder Hochschule erweist sich mitunter als schwierig. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten der Länder prägen die Qualität der Bildung sehr, was durch die Unterstützung durch den Bund verbessert werden könnte.

Dennoch hat gerade der Föderalismus auch seine Vorteile. Die Situation der Gesellschaft ist nicht in jedem Bundesland gleich und auf Länderebene kann ggf. besser auf die Anforderungen der jeweiligen Region reagiert werden. Des Weiteren sind Vergleichbarkeit und die Setzung von Standards zwar gut, aber widersprechen unter Umständen individuellen Bedürfnissen von Schülern und der Forderung nach mehr Vielfalt im Bildungswesen. So gibt es wahrscheinlich gar nicht die richtige Schule für ganz Deutschland.

Ebenso wie die Abschaffung oder Lockerung des Föderalismus in Bildungsangelegenheiten bringt aber auch die Orientierung an Daten über Bildung ein Problem mit sich: häufig widersprechen sich die Forschungsergebnisse. In einigen Bereichen scheint es zwar klare Ergebnisse zu geben, aber häufig sagen auch die Daten nichts über die richtige Schulform oder ähnliches aus (Bsp.: gegliedertes Schulsystem vs. Gesamtschule).

Die Kritik an der Bildungspolitik ist insgesamt auf jeden Fall erstmal berechtigt, aber auch die Lösungsvorschläge des BDA erscheinen nicht als letzte und vollkommene Lösung angesehen werden zu können.

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