Soziale Kompetenzen lernt man nicht allein in der Kindertagesstätte, im Kindergarten oder in der Schule. Nein, auch die eigene Familie kann dem Kind einen Lernort bieten, bei dem es lernt, in einem vertrauten Umfeld Sicherheit im Handeln zu gewinnen. Wenn man unterdessen den Trend und die Diskussion um frühkindliche Bildung der letzten Jahre verfolgt, hat man den Eindruck, als habe der Lernort Familie keine Zukunft mehr.

Es ist unter Pädagogen unstrittig, dass die Familie für die Entwicklung geistiger und sozialer Kompetenzen nach wie vor von herausragender Bedeutung ist (siehe kindergartenpaedagogik.de). Die Beziehungspflege, das soziale Verhalten und gemeinsame Familienunternehmungen sind trotz mitunter gegenläufiger Trends mit zunehmender externer Betreuung von Kindern nach wie vor wichtige Faktoren, die Kinder in ihrer Bildungsreife beeinflussen. So wichtig die frühkindliche Bildung im Kindergarten oder auch in der Grundschule ist – für die Familie als Lernort gibt es keinen Ersatz. Im Umgang mit Geschwistern und/oder Eltern bilden sich wichtige Rollenvorbilder heraus, die sich nachhaltig und im besten Falle positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken können.

Bei der Diskussion um frühkindliche Bildung und mehr Kindertagesstätten kann man manchmal den Eindruck gewinnen, dass es hierbei nicht immer um das Kindeswohl, sondern um ökonomisch motivierte Erwägungen geht, bei dem  einfach Arbeitszeit von Elternpaaren gewonnen werden soll. Das ist alles verständlich und nachvollziehbar, trifft jedoch einen Kern des Problems nicht. Wenn immer mehr Kinderziehung ausgelagert wird, kann das zu fehlenden Bindungen des Kindes innerhalb der Familie führen. Es liegt dann an der Familie, ob sie in der kurzen gemeinsamen Zeit noch die nötige Kreativität für die Kinder aufbringt.

Quantität ist nicht Qualität

Viele berufstätige Eltern wissen unterdessen schon längst, dass Quantität nicht gleich Qualität ist. Es kommt also nicht darauf an, wie viel Zeit man mit den Kindern verbringt, sondern wie die gemeinsame Zeit genutzt wird. Gemeinsame Spiele und Gespräche sind ebenso wichtig wie die Unterstützung des Kindes beim Sport. Was das Kind bei solchen Unternehmungen lernt, bleibt erst einmal im Verborgenen. Erst später stellt sich zumeist heraus, wie prägend diese gemeinschaftlichen Erlebnisse für die Kinder waren. Die Diskussion um die richtige Kinderziehung ist leider seit längerem durch ideologische Grabenkämpfe vergiftet. Ein „Entweder-Oder-Denken“ führt nicht weiter.

Sowohl das Erlernen außerfamiliärer Kontakte und Beziehungen als auch das Erleben in der eigenen Familie bringen die Entwicklung eines Kindes weiter. In der überhitzten Debatte ist es notwendig, alle Beteiligten an das richtige Maß der Erziehung zu erinnern. Es geht weder darum, berufstätigen Elterngenerationen ein schlechtes Gewissen zu machen, noch darum, Frauen zu Hause vorzuwerfen, sie packen ihr Kind allzu sehr in Watte ein. Wer die Debatte vom eigenen Kind her sieht, wird sich in dieser Diskussion nicht verlieren. Eltern wissen in der Regel, was das Beste für ihr Kind ist.

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