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Die neuste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt: Trotz neuer Rekordzahlen an Studierenden, beginnen Arbeiterkinder selten ein Studium.

Mittlerweile hat Deutschland einen Höchststand von 2,5 Millionen Studierenden erreicht. Nie zuvor waren so viele Menschen an einer Universität eingeschrieben. Doch noch immer schaffen es viele Arbeiterkinder, d.h. Kinder aus einem Elternhaus ohne Akademiker, nur schwer an die Universitäten. Das ergab die neuste Studie des Deutschen Studentenwerks, die die Daten von 2012 interpretiert.

akademikerDSW-Präsident Timmermann bezeichnet das deutsche Hochschulsystem nach wie vor als „selektiv“. Auch die Umstrukturierung der Studiengänge nach den Bologna-Vorgaben hätten daran nichts verändert. Der sogenannte „Bildungstrichter“ zeigt, dass von 100 Akademiker-Kindern 77 studieren, aber nur 23 von den Nicht-Akademiker-Kindern. Die Bildungsbiographie hängt somit noch immer stark von der Bildungsherkunft seiner Familie ab, so Timmermann in seinem offiziellen Statement vom 26. Juni.

Dabei seien es vor allem die falschen Ziele, die man sich im Bildungssektor gesetzt habe. Im Mittelpunkt standen in den letzten Jahren die Schlagworte Exzellenz, Elite und Autonomie, statt Chancengleichheit oder Bildungsgerechtigkeit. Zwar sei Exzellenz an der Spitze sehr wichtig, doch ohne die Möglichkeit, bildungsferne Schichten am akademischen Leben teilhaben zu lassen, leide die soziale Infrastruktur – was sich über kurz oder lang bemerkbar machen wird.

Die Studie zeigt weitere interessante Fakten auf:

Durchschnittliches stud. Zeitbudget pro Woche: 42 Stunden
davon Lehrveranstaltungen: 35 Stunden
davon Nebenjob: 7 Stunden

Erwerbstätigenquote der Studierenden: 61%

Gefördert durch BAföG: 25%
Gefördert durch Stipendien: 4%
Finanziert mittels Studienkredit: 6%

Timmermann betont, dass es noch immer die Studierenden mit niedriger Bildungsherkunft, wie Arbeiterkinder, sind, die ihr Studium durch einen Studienkredit finanzieren, während es vor allem Studierende mit hoher Bildungsherkunft sind, die Stipendien in Anspruch nehmen. Auch wird die Wohnungsknappheit in Universitätsstädten angesprochen. Den fehlenden 25 000 preisgünstigen Wohnheimplätzen möchte Timmermann am liebsten mit einem koordinierten Bund-Länder-Programm begegnen, um die dringend benötigten Plätze zu schaffen.

Bildnachweis: © pixelio / Ich-und-Du

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