humboldt

Die Lehrerausbildung geht alle an! Vor allem Eltern mischen sich gerne ein, da sie hautnah miterleben, wie der Mangel an interkulturellem Verständnis oder an sozialen Kompetenzen bei Lehrern zu großen Schwierigkeiten bei Schülern führt. Wir nennen einige Punkte, die verbesserungswürdig sind.

Immer häufiger sieht man engagierte und verständnisvolle Pädagogen, die in ihren Bemühungen selbst im Schulsystem unterzugehen drohen. Es hat dabei auch vor vierzig Jahren gute und schlechte Lehrer gegeben. Aber nie war die Diskussion um die Lehrerausbildung wichtiger denn je.

In einem Land, in dem wenige Kinder gezeugt werden, gilt umso mehr, dass die jungen Menschen noch wesentlich gezielter in der Schule individuell gefördert werden müssen. Aufgrund knapper Kassen der Länder sind derzeit dagegen Schulschließungen auf dem Land, Kooperationsschulformen und die Vergrößerung von Klassen zu beobachten. Letzteres ist fatal, weil sie der Idee der individuellen pädagogischen Förderung zuwider läuft.

Die Folgen sind, dass heute schon gut ausgebildete und motivierte Lehrer an der Zielverwirklichung der individuellen Förderung scheitern müssen. Das System ändert sich aber langfristig nur, wenn man die Lehrerausbildung noch einmal reformiert.

Interkulturelle Kompetenzen in der Lehrerausbildung

Da immer mehr Familien mit Kindern in Deutschland einen Migrationshintergrund haben, ist es dringend notwendig, die Lehrerausbildung noch einmal stärker auf interkulturelle Kompetenzen zu fokussieren. Wenngleich hier mit frühen Sprachtests erste Schritte unternommen wurden, mangelt es Lehrern noch vielfach an der nötigen Sensibilität im Umgang mit Kindern, die zweisprachig aufwachsen. Für die Zukunft muss es heißen, dass Lehrer in der Ausbildung noch stärker auf kulturelle Hintergründe ausgebildet werden.

Nur so können sie Kindern und Eltern im Gespräch kompetent begegnen und bei ihnen auch das Gefühl erwecken, dass eine kulturelle Fremdheit  in der individuellen Sprachförderung zur aktiven Teilnahme im Unterricht und zur verbesserten Integration in diese Gesellschaft führt. Eigens dafür ausgebildete Sprachassistenten, die dem Fachlehrer beiseite stehen, wären dringend vonnöten, scheitern aber noch an finanziellen Erwägungen. Wie teuer uns jedoch auf Dauer eine schlecht ausgebildete Generation mit Migrationshintergrund kommt, wird gerne verschwiegen.

Digitale Kompetenzen in der Lehrerausbildung

Schüler von heute werden immer häufiger immer früher mit dem Netz konfrontiert. Welche Chancen und Risiken damit verbunden sind, ist bis heute leider noch nicht ausreichend untersucht worden. Fakt ist jedoch, dass das Internet nicht mehr wegzudenken ist, Lehrer hier mitwachsen und sich zukünftige Lehrer in ihrer Ausbildung noch mehr mit den Chancen digitaler Lernformen auseinandersetzen müssen.

Es dürfen keine Parallelwelten entstehen, in der auf der einen Seite im digitalen Bereich immer kompetentere Schüler heranwachsen, die auf der anderen Seite Lehrern begegnen, die in veralteten Lernformstrukturen stehengeblieben sind. Insofern wäre es wichtig, einmal genauer auszuloten, welche Lernpotentiale das Internet  über Wikipedia hinaus zu bieten hat und inwieweit das Gegenstand einer moderneren Lehrerausbildung sein kann.

Berufsbegleitende Kompetenzen in der Lehrerausbildung

In der Lehrerausbildung sind Praktika in Schulen Pflicht, aber eine Pflicht zu Praktika in wirtschaftlichen oder anderen sozialen Arbeitsfeldern besteht während der Ausbildung nicht. So ist die Lehrerausbildung noch heute komplett auf die Schule fixiert, während Erfahrungen in anderen Berufsfeldern gänzlich fehlen. Die aber könnten wertvoll für zukünftige Pädagogen sein, um das Verständnis für die Berufswelten der Eltern von Schülern besser zu verstehen und zugleich die Beratungskompetenz für angehende Abiturienten zu erhöhen.

Kaum eine andere Berufsausbildung ist so wirklichkeitsfremd wie die des Lehrers. Noch immer fokussieren sich die Studiengänge auf Fachkompetenzen, wo doch soziale Kompetenzen mindestens ebenso wichtig sind. Daher ist es dringend notwendig, die Lehrer von morgen auch als wertvolle Begleiter bei der Studien- und Berufswahl auszubilden und den Anteil an Seiteneinsteigern zu erhöhen, indem man die Anforderungsqualifikation nach unten schraubt und diese viel stärker von der bisherigen Berufserfahrung abhängig macht.

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