WeltallWenn es uns nicht gut geht, müssen wir etwas ändern, müssen wir uns bewegen, um etwas zu ändern. Das ist ein ganz einfacher Satz aus der seelischen Hausapotheke von Menschen. Wenn Kriege, Bürgerkriege und Zerstörungen um einen herum wüten, greift dieser einfache Lehrsatz nicht mehr. Es sind Verhältnisse, die nur noch bedingt individuell gelöst werden können. Deshalb verlassen Menschen Orte, an denen nichts mehr zu wachsen scheint.

Sie fliehen, um wieder leben und etwas aufbauen zu können. Sie nehmen Tausende von Kilometern auf sich, um eine neue Heimat zu finden. Das ist das Schicksal von Afghanen, Irakern, Syrern und vielen afrikanischen Menschen, die über das Meer oder zu Land zu uns kommen. Das ist das Schicksal von Flüchtlingen. Es ist unser Schicksal, weil wir alle Menschen sind, die an ihrer Stelle das Gleiche tun würden. Wir atmen alle die gleiche Luft, wenn die politischen Räume eng werden, kaum mehr Korridore für ein selbstbestimmtes Leben entstehen oder geöffnet werden.

Schreckliche Seiten des Menschseins

Ein Syrer, der schon lange in Deutschland lebt, sagte mir neulich: „Von irgendwoher kam der Krieg. Und dann hat er sich verselbständigt. Und mit ihm sind Menschen zu Monstern geworden.“ Ich muss immer wieder über diese Sätze nachdenken. Sie zeigen mir, dass in der existenziellen Not die Menschlichkeit als erstes untergeht. Da gibt es Menschen, die sich die Not anderer zunutze machen. Da gibt es ehemalige Freunde und Nachbarn, die plötzlich zu Feinden werden und dich töten wollen. Weil sich plötzlich jeder der nächste ist, weil es keinen Raum mehr für ein Zusammenleben gibt, verhalten sich Menschen wie Schweine. Das sind schreckliche Seiten des Menschseins, die wir hier in Deutschland fast vergessen hatten. Und die wir gerne ausblenden würden, weil wir auch gerne Flüchtlinge vor der Realität sind.

Die Welt ist keine Einbahnstraße

Jetzt aber stehen sie bei uns vor der Haustür, diese Flüchtlinge, die Kriegen den Rücken gekehrt haben, die sie nicht wollten. „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt!“, sagte der ehemalige Verteidigungsminister Peter Struck vor dem damaligen Afghanistan-Einsatz. Ich frage mich, wie dieser Satz stimmen kann, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, die Sicherheit der Flüchtlinge, die jetzt nach Deutschland gekommen sind, zu verteidigen? Dieser Satz, der so oft zitiert wurde, weil er als richtig gesehen wurde, wirkt heute vor dieser Realität merkwürdig fremd. Und er ist falsch, weil die Welt keine Einbahnstraße ist, uns heute die Sorgen und Nöte von Menschen beschäftigen, für deren Schicksal wir auf die eine oder andere Art mitverantwortlich sind – mal mehr, mal weniger.

Aber es geht jetzt auch nicht um Schuldzuweisungen. Es geht jetzt eigentlich um etwas anderes. Es geht jetzt darum, zu zeigen, dass die Stärkeren die Schwächeren schultern können, ein christlich ethisches Gebot, das in unserem Abendland eine lange Tradition hat. Eine Welt nämlich, in der die Stärkeren die Schwächeren nicht schultern, ist auch eine kaputte Welt. Sie gleicht auf einer anderen Ebene der zerstörerischen Welt der Kriege und Bürgerkriege, weil es in dieser Welt genauso wenig Menschlichkeit und Mitgefühl gibt.

Fremdenfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit

Wir Deutsche haben uns so viel aufbauen dürfen nach den zwei furchtbaren Weltkriegen. Der Tod, so war es die Sicht vieler, kommt aus Deutschland. Wir haben Gnade und Geduld erfahren, auch Solidarität, obgleich wir diese in vielerlei Hinsicht gar nicht verdient hatten. Wir haben die Chance nutzen dürfen. Jeder hat mit angepackt, hat aus Schutt und Asche eine neue Architektur geschaffen, die das Leben heute für uns so lebenswert macht. Das ist auch jetzt für die vielen Flüchtlinge möglich, die nach neuen Chancen und Perspektiven suchen.

Wenn wir alle ein bisschen vor Ort für sie tun, reicht das. Und ein Lächeln kostet nichts. Verständnis und Vertrauen sind Währungen, die jetzt zählen. Wir atmen alle die gleiche Luft, weil wir Menschen sind. Fremdenfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit. Daraus erwachsen genau die Kriege, die diese Menschen auch zu Flüchtlingen gemacht haben. In diesen Räumen und in diesem Klima will und kann keiner leben. Das hat uns die Geschichte gezeigt. Das zeigt uns die Gegenwart. Und die Zukunft mit unseren neuen Mitbürgern braucht keine Angst. Sie braucht Mut und Engagement von Menschen für Menschen.

Spenden und Helfen

BFF_1508_ButtonBlau3-300x3001Dieser Artikel möchte die Aktion Blogger für Flüchtlinge (Hashtag: Blogger für Flüchtlinge) unterstützen. Sie wurde von den bekannten Bloggern Nico Lumma, Karla Paul und Stevan Paul ins Leben gerufen. Und mittlerweile haben sich auch schon viele andere beteiligt.

Auf der Seite: Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen! – kann jeder etwas spenden. Auch  jeder kleiner Beitrag hilft! Bitte verlinkt und teilt auch diese Aktion mit dem
Hashtag: #BloggerfuerFluechtlinge. DANKE!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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