junge asiatische frau im büroManchmal muss man einfach für einige Zeit in reduzierter Stundenzahl arbeiten. Kommt für einen eine Teilzeitstelle nicht in Frage, sollte man sich das Modell des Jobsharings ansehen. Ursprünglich aus Amerika, ist es der perfekte Kompromiss zwischen einer Vollzeit-und Teilzeitstelle. In diesem Modell teilen sich meist zwei, manchmal auch mehr, Mitarbeiter eine Vollzeitstelle.

In welchen Anteilen die Arbeit dann wirklich erledigt wird, machen die Partner unter sich aus. Das Teilen einer Vollzeitstelle ist eine attraktive Lösung, da hier komplexere Aufgaben erledigt werden können, die eigentlich das Pensum einer Vollzeitstelle fordern. Auf diese Weise, kann man ihrem Anspruch gerecht werden, ohne aber den einzelnen Mitarbeiter voll zu belasten. Ein weiterer Unterschied zu dem Modell der Teilzeitstelle ist zudem, dass durch die gezwungenermaßen intensivere Abstimmung aufeinander auch weniger Missverständnisse vorkommen. Wenn es sonst schon mal schnell zu Konflikten zwischen zwei gleichberechtigten Teilzeitstellen kommen kann, arbeiten hier die Partner Hand in Hand und ergänzen sich, anstatt parallel nebeneinander her zu arbeiten. Hier kann es nicht passieren, dass linke Hand nicht weiss, was die rechte tut. Das Fundament des Jobsharings ist also die Teamarbeit.

Vorteile des Jobsharing-Modells

Dieses Modell kommt besonders für diejenigen in Frage, die für einige Zeit eine reduzierte Stundenzahl arbeiten wollen. Frischgebackene Mütter oder Väter sind da die naheliegende Zielgruppe. Es kann aber auch viele andere private Gründe geben, warum sich Mitarbeiter für dieses Modell der Arbeitsteilung interessieren.

Kann ein Mitarbeiter seine Arbeitszeiten nicht einhalten, ist es so auch einfacher, dass die Partner für einander einspringen. Da das aber nicht Pflicht ist – schließlich soll derjenige dann von einer halben auf eine volle Stelle umschalten – , beruht das auf gegenseitige Absprache. In diesem Fall ist der Arbeitgeber verpflichtet, spätestens vier Tage vorher bei dem Ersatz anzufragen. Soll dann wirklich für den anderen eingesprungen werden und ist eine weitsichtige Planung möglich, erfordert dies natürlich eine sehr disziplinierte Koordination unter den Partnern. Eine ständige engmaschige Kommunikation unter den Mitarbeitern ist also der einzige Weg, um sich erfolgreich eine Stelle teilen zu können. Auch bei Krankheitsfällen ist es so gegeben, einen möglichst geringen Arbeitsausfall zu verzeichnen. Natürlich nur vorausgesetzt, dass der andere Partner auch wirklich einspringen kann.

Da beim Jobsharing auch immer einer der beiden Teampartner anwesend ist, wird weniger verpasst. Die Partner sind also immer auf den neusten Stand, wenn es um Interna im Unternehmen geht. Anders ist das bei der Teilzeitstelle, wo der Mitarbeiter naturgemäß nicht immer da ist. So wird grundsätzlich immer irgendetwas verpasst und der Einzelne muss dann sehen, dass er selber auf den neuesten Stand kommt.

Durch die verantwortungsvolleren und arbeitsintensiveren Aufgaben, die Vollzeitstellen charakteristisch innehaben, kann sich eine Jobsharing-Stelle auch besser auf dem Lebenslauf machen. Denn hierdurch konnte sich der Mitarbeiter schon beweisen und weiter etablieren.

Jobsharing dem Arbeitgeber schmackhaft machen

Auch profitiert der Arbeitgeber vom Jobsharing: Die Mitarbeiter sind durch die geringere Belastung oft stärker motiviert und können unter Umständen so zusammen das Arbeitspensum einer Vollzeitstelle mit größerer Gründlichkeit erledigen als eine einzelne Person, die 100% in der selben Stelle arbeitet. Generell kommt Jobsharing am Sinnvollsten für die Stellen in Frage, die voll besetzt werden müssen, da aufgrund der erweiterten Aufgabenbereiche nicht für jede Position eine Teilzeitbesetzung realistisch ist.

Die Sozialabgaben steigen jedoch – wenn auch gering –  für den Arbeitgeber. Allerdings lässt sich das durch eine höhere Arbeitseffizienz ausgleichen, die das Team dann im Idealfall leistet. Außerdem gibt es einen geringeren Arbeitsausfall wie bei Krankheit oder Fehlen, solange sich die Partner untereinander entsprechend verständigen. Doch das ist ein Punkt, der dann mit dem Arbeitgeber individuell ausgehandelt werden sollte.

Jobsharing organisieren

Ausgeschriebene Jobsharingstellen sind eher selten. Die Initiative muss also von den Mitarbeitern selber kommen. Am besten geht das, wenn dem Chef direkt ein voll ausgereifter Plan präsentiert wird. Ziel muss sein, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein und dem Unternehmen natürlich durch einen reibungslosen Ablauf einen möglichst großen Nutzen zu bringen, so dass beide Seiten davon profitieren.

Jobsharing setzt viel Disziplin und genauste Koordination voraus, das Arbeitszeitmodell und die aufgeteilten Aufgaben in ihrem jeweiligen Ausmaß müssen von Anfang an klar sein. Bedingung beim Jobsharing ist, dass sich die Partner untereinander verstehen und sich blind aufeinander verlassen können. Auf diese Weise wird garantiert, dass man der Stelle gerecht wird und alles ohne jegliche Stolperer abläuft. Dies hat auch zur Folge, dass eine Co-Abhängigkeit zu dem Partner herrscht, mehr noch als zu den übrigen Kollegen. Die ständige Absprache und die damit verbundenen Übereinkommen sind Pflicht und können somit auch für den Einzelnen belastend sein. Denn von jetzt an können keine eigenständigen relativ spontane Entscheidungen den Ablauf betreffend mehr gefällt werden, da sonst sehr schnell das gesamte System in sich zusammenfällt.

Dieser ständige Austausch und die gegenseitige Abstimmung, die das das Jobsharing so flexibel macht, ist auch gleichzeitig eine für die bestimmte Zeit kompromisslose Bindung an den Partner. Funktioniert Jobsharing richtig und sind sich die Partner untereinander einig, sollte es aber keine Probleme geben. Wichtig ist nur, dass man sich die Stelle mit einer Vertrauensperson teilt. Denn man ist zwar vom Kollegium unabhängiger, dafür aber umso abhängiger vom unmittelbaren Teampartner. Deswegen sollte man genau prüfen, mit wem man ein so ein Mikro-Team bildet.

Bedingungsloses Teamwork als Voraussetzung

Insgesamt scheint Jobsharing mehr Freiheit und Selbstständigkeit mit sich zu bringen, setzt aber auf andere Art sogar noch mehr Verantwortung des Einzelnen voraus: Jeder muss genau planen und ist an seinen Partner gebunden. Auf dieser verlagert Jobsharing die Aufgaben des Vorgesetzten auf die Mitarbeiter. Während der Vorgesetzte sonst an einem früheren Punkt viel mehr koordinieren muss, wird die Organisation untereinander jetzt von den Partnern übernommen. Umso wichtiger ist es da, dass da klare Regeln herrschen und eine gute Kommunikation herrscht. Denn wird die Arbeit nicht erledigt bzw leidet die Leistung unter einer möglichen Fehlkommunikation, werden beide zur Verantwortung gezogen.

Hat man sich aber erstmal gefunden, muss noch viel Organisatorisches geklärt werden, bevor man mit dem Vorschlag zu seinem Chef geht. Wer was wann übernimmt sind nur die gröbsten Fragen, die geklärt werden müssen. Eventuelle Ausfälle, Urlaub und auch die Gehaltsfrage muss je nach Arbeitsteilung geklärt werden. Man sollte also mit bedacht die Organisation auf die Beine stellen und alle Aspekte gründlich durchleuchten. Auch hilft es, den Chef mit einzubinden, der auch nochmal über die Arbeitsbereiche eine anderen Übersicht hat und seine eigenen Vorstellungen über die Verwirklichung hat.

Eine Partnerschaft innerhalb eines Jobsharing-Teams soll nicht in Stein gemeißelt sein. Oftmals handelt es sich um eine vorübergehende Zusammenarbeit, die nach einer vorher festgelegten Zeit gelöst wird. Das Hauptkriterium des Jobsharing ist die Absprache der Teammitglieder untereinander und schließlich die Absprache mit dem Vorgesetzten. Ist man sich bewusst, worauf man sich einlässt und wird auf penible Weise das Arbeitsmodell geplant, kann Jobsharing eine sinnvolle Alternative für eine angestrebte Teilzeitstelle sein.

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)