KarriereaussichtenAus dem Vorlesungssaal ins Büro – so normal dieser Übergang ist, so schwer kann er jedoch manchen Absolventen fallen. Denn der Arbeitsalltag unterscheidet sich deutlich vom Studentenleben.

Es handelt sich nicht nur um einen Wendepunkt im Lebenslauf, sondern auch um eine radikale Änderung des Lebensstils. Praktika sind zwar nützlich, um einen Einblick zu bekommen, auf lange Sicht jedoch sind sie mit einer festen Position in einem Unternehmen nicht zu vergleichen. Was sind nun also die größten Hürden, mit denen man in dieser Zeit der Umstellung zu rechnen hat?

Ein neuer Alltag

schuelerstudium-istZum einen sind da die unterschiedlichen Arbeitszeiten und der regelmäßige Rhythmus des Arbeitsalltags. Es ist gerade diese Regelmäßigkeit, die oft den ehemaligen Studenten schwer fällt. Haben sich vorher arbeitsreiche mit nicht ganz so arbeitsreichen Phasen abgewechselt, bleibt es nun konstant bei einem regelmäßigen Arbeitspensum, möglicherweise kommen sogar noch Überstunden hinzu. Erschwerend kann sich der Tagesrhythmus nach vorne verschiebt. Wer zu Studienzeiten den Tag um 10.00 Uhr beginnen ließ, dafür aber bis 2 Uhr nachts die Seminararbeit perfektioniert hat, dem fällt es schwer, sich an die durchschnittlichen Zeiten von 8.00-17.00 Uhr zu gewöhnen.

Während der ersten paar Wochen ist es von Vorteil, den Arbeitstag besonders bewußt und sorgfältig zu strukturieren. Das ist nicht viel anders als bei einem Lernplan, nur in einem überschaubareren Rahmen. Auch hier gilt es zu reflektieren, welche Aufgaben erledigt werden müssen und wieviel Zeit sie in Anspruch nehmen werden. Besonders in der ersten Zeit sind kleine und regelmäßige Pausen sinnvoll, die so dabei helfen, nicht außer Atem zu kommen. Wichtig ist auch: Morgens rechtzeitig aufstehen und sich für die Morgenroutine Zeit lassen, um so unnötigen Stress zu vermeiden.

Kollegen sind keine Kommilitonen und Chefs keine Professoren

Ein weiterer Faktor, der oft unterschätzt wird, sind die Kollegen. Als Student ist man sofort per Du, alle sind gleich und stehen geschlossen den Professoren gegenüber. Im Büroalltag hingegen muss man sich an ganz neue Hierarchien gewöhnen. Das kann schwer sein, denn hier kommt man mit Kollegen aus verschiedenen Altersgruppen und Lebensmodellen zusammen. Die Herausforderung liegt darin, konstruktiv mit allen zusammenzuarbeiten und eine gute Arbeitsbeziehung zu schaffen.

So kann es am Anfang schwer fallen, sich an diese neue Arbeitskultur zu gewöhnen. Zumal die Entscheidungswege anders sind als an der Universität – dort ist der erste Ansprechpartner immer der Seminarleiter oder der Professor – und das auch nur für einen begrenzten Zeitraum. Auch beschränkt sich die Kommunikation auf das rein Fachliche – das ist in der Arbeitswelt ganz anderes. Denn mit dem Vorgesetzten muss man sich auch über fachliche Themen hinaus absprechen: Urlaub und Gehaltserhöhungen sind ganz neue Themengebiete, die in einem Studentenleben nicht in dieser Form vorkommen. Hier heißt es also, Fingerspitzengefühl entwickeln. Es gilt herauszufinden, wer der direkte Ansprechpartner für welche Anliegen ist und wie die Büroetikette aussieht.

Arbeitsweisen

autor-schreibenDie ersten Wochen im Berufsleben können ernüchternd sein: Oft erkennt der Absolvent, dass seine Vorstellungen vom Arbeitsalltag idealisiert sind. Anders als im Studium fehlt oft die Zeit für eine tiefergehende Bearbeitung der Aufgaben, häufig ist Multitasking gefragt.

Auch kann gerade in den ersten Wochen nicht so selbstständig gearbeitet werden, wie während des Studiums. Die Einarbeitungsphase erfordert Geduld. Hier fängt jeder fast wieder bei Null an und muss die Arbeitsabläufe und Entscheidungswege ganz neu lernen. Es kann am Anfang schwer fallen, sich wieder unter zu ordnen und sich neu beweisen zu müssen.

Die Vorteile genießen lernen

Ist diese Eingewöhnungsphase aber geschafft, werden die Vorteile deutlich: Jetzt ist es möglich, einen wirklichen Feierabend zu haben und die Arbeit hinter sich zu lassen. Das sind Studenten nicht gewohnt, denn durch die Eigenorganisation im Studium muss immer an etwas gearbeitet werden, seien es an Prüfungsvorbereitungen, Seminararbeiten oder Referate. Gleiches gilt für den Urlaub. Während es schwer fallen kann, plötzlich Urlaubstage abzuzählen und sich mit den Kollegen zu koordinieren, so ist es doch ein klarer Vorteil, wenn während dieser Zeit auch wirklich abgeschaltet werden kann. So gelingt etwas, was jedem Studenten fremd ist: Die klare Trennung von Arbeit und Freizeit.

Nicht zuletzt ist es auch das Gehalt, dass einen anderen Lebensstandard ermöglicht und durch das es am Monatsende nicht mehr so chronisch knapp aussieht wie zu Studienzeiten.

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Vom Studium ins Berufsleben: Die Umstellung meistern, 8.0 out of 10 based on 1 rating