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Beitragsbild: mit KI erstellt (Symbolbild)
Arbeitsmethoden sind planmäßige Vorgehensweisen, mit denen Lernende oder Teams eine Aufgabe bearbeiten: vom Beschaffen und Auswerten von Informationen über das Planen von Arbeitsschritten bis zur Darstellung und Kontrolle der Ergebnisse. Im Bildungskontext umfasst der Begriff sowohl einzelne Lern- und Arbeitstechniken wie Exzerpieren oder Zeitplanung als auch umfassendere Verfahren der Zusammenarbeit wie Projektarbeit oder agile Methoden. Wer solche Verfahren sicher anwendet, verfügt über Methodenkompetenz.
Die Kultusministerkonferenz beschreibt Methodenkompetenz in ihrer Handreichung für Rahmenlehrpläne der Berufsschule als „Bereitschaft und Fähigkeit zu zielgerichtetem, planmäßigem Vorgehen“ bei der Bearbeitung von Aufgaben und Problemen. Sie gilt dort nicht als eigener Kompetenzbereich, sondern als Bestandteil von Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz.
Abgrenzung: Arbeitsmethode, Unterrichtsmethode, Sozialform
In der Didaktik werden drei Begriffe unterschieden, die im Alltag oft vermischt werden:
- Unterrichtsmethoden gestaltet die Lehrkraft, etwa Lehrervortrag, Stationenlernen, Planspiel oder Projektunterricht. Sie legen fest, wie Unterricht abläuft.
- Arbeitsmethoden wenden die Lernenden selbst an, etwa Markieren, Mindmapping, Recherchieren oder Präsentieren. Sie werden innerhalb einer Unterrichtsmethode eingesetzt und lassen sich auf andere Fächer und Situationen übertragen.
- Sozialformen beschreiben, wer zusammenarbeitet: Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit oder Arbeit im Plenum.
Eine Gruppenarbeit (Sozialform) im Rahmen eines Projekts (Unterrichtsmethode) kann zum Beispiel verlangen, dass jede Person einen Fachtext exzerpiert und die Gruppe die Ergebnisse auf einem Plakat zusammenführt (Arbeitsmethoden).
Klassische Lern- und Arbeitstechniken
Viele Techniken, die in Schule und Studium vermittelt werden, sind seit Jahrzehnten beschrieben und haben einen benennbaren Ursprung.
| Technik | Herkunft | Zweck |
|---|---|---|
| SQ3R-Lesemethode (Survey, Question, Read, Recite, Review) | Francis P. Robinson, 1946 | Fachtexte in fünf Schritten erschließen |
| Karteikasten nach Leitner | Sebastian Leitner, 1972 | Wiederholen in wachsenden Abständen, etwa für Vokabeln |
| Mindmap | Tony Buzan, 1970er-Jahre | Gedanken und Stoff um einen zentralen Begriff ordnen |
| Gruppenpuzzle (Jigsaw) | Elliot Aronson, 1971 | Teilthemen in Expertengruppen erarbeiten und einander vermitteln |
| Think-Pair-Share | Frank Lyman, 1981 | erst allein nachdenken, dann zu zweit, dann in der Klasse austauschen |
| Pomodoro-Technik | Francesco Cirillo, späte 1980er-Jahre | in festen Zeitblöcken von 25 Minuten mit kurzen Pausen arbeiten |
Hinzu kommen Techniken der Planung, etwa ein Lernplan mit Wochenzielen vor der Abschlussprüfung, und Techniken der Darstellung wie Thesenpapier, Handout oder Präsentation. In der Abschlussklasse kommen sie häufig zusammen, wenn eine Facharbeit oder eine Präsentationsprüfung ansteht. Erwachsene, die neben dem Beruf einen Abschluss an einer Abendschule nachholen, sind besonders auf feste Lernzeiten und eine realistische Wochenplanung angewiesen.
Arbeitsmethoden in Ausbildung und Studium
Berufsschule: Lernen in vollständigen Handlungen
Die Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz für die Berufsschule sind nach Lernfeldern gegliedert, die sich an beruflichen Situationen orientieren. Nach der KMK-Handreichung vom 17. Juni 2021 vollzieht sich Lernen dort „in vollständigen Handlungen“. In der Berufspädagogik wird die vollständige Handlung meist in sechs Schritten beschrieben: Informieren, Planen, Entscheiden, Ausführen, Kontrollieren und Bewerten. Ein Lernfeld wie die Planung eines Kundenauftrags durchläuft diese Schritte, und die Auszubildenden üben dabei Recherche, Zeitplanung, Kalkulation und Präsentation in einem Zusammenhang.
Hochschule: wissenschaftliches Arbeiten
Im Studium stehen die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens im Vordergrund: Literaturrecherche in Katalogen und Datenbanken, korrektes Zitieren, das Formulieren einer Fragestellung, die Wahl einer Untersuchungsmethode und der Aufbau einer Haus- oder Abschlussarbeit. Viele Hochschulen bieten dafür Einführungsmodule in den ersten Semestern an. Für den Umgang mit Quellen und Daten gilt zusätzlich der Kodex der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur guten wissenschaftlichen Praxis, den die Hochschulen in eigene Satzungen übernehmen.
Klassische und agile Projektmethoden
Für größere Vorhaben mit mehreren Beteiligten werden Projektmethoden eingesetzt. Grob lassen sich zwei Ansätze unterscheiden.
Klassische, plangetriebene Verfahren legen Ziel, Umfang und Ablauf zu Beginn fest und arbeiten die Phasen nacheinander ab. Das Wasserfallmodell, das häufig auf einen Aufsatz von Winston W. Royce aus dem Jahr 1970 zurückgeführt wird, ist das bekannteste Beispiel. Diese Vorgehensweise eignet sich, wenn die Anforderungen früh feststehen, etwa bei einer Schulveranstaltung mit festem Termin und Budget.
Agile Verfahren zerlegen ein Vorhaben in kurze Arbeitszyklen, nach denen das Zwischenergebnis geprüft und die Planung angepasst wird. Ihre Grundsätze fasst das Manifest für agile Softwareentwicklung zusammen, das 17 Softwareentwickler im Februar 2001 veröffentlicht haben. Sie eignen sich, wenn Anforderungen sich erst während der Arbeit klären.

| Aspekt | Klassisch (plangetrieben) | Agil |
|---|---|---|
| Planung | vollständig zu Beginn | schrittweise, je Arbeitszyklus |
| Rückmeldung | meist am Ende einer Phase | nach jedem Zyklus |
| Änderungen | über ein formales Änderungsverfahren | werden in die nächste Planung aufgenommen |
| Rollen | Projektleitung steuert | Team organisiert die Umsetzung selbst |
| geeignet für | feste Anforderungen, Termin und Budget | offene Fragestellungen, neue Produkte |
Scrum
Scrum arbeitet in Sprints von höchstens einem Monat. Der Scrum Guide in der Fassung von 2020 sieht drei Verantwortlichkeiten vor: Product Owner, Scrum Master und Developers. Feste Termine sind Sprint Planning, das tägliche Daily Scrum von höchstens 15 Minuten, Sprint Review und Sprint Retrospective. Für den Schulunterricht entstand um 2011 in den Niederlanden die Variante eduScrum, bei der Schülerteams ihre Arbeit an einem Thema in Sprints planen und auf einer Tafel sichtbar machen.
Kanban
Kanban stammt aus dem Produktionssystem von Toyota und wurde von David J. Anderson auf Wissensarbeit übertragen. Aufgaben wandern auf einer Tafel durch Spalten wie „offen“, „in Arbeit“ und „erledigt“; eine Obergrenze für gleichzeitig bearbeitete Aufgaben (Work-in-Progress-Limit) verhindert, dass zu vieles parallel angefangen wird. Feste Rollen oder Zyklen schreibt Kanban nicht vor. Im Unterricht wird die Tafel oft als Wochenplan für Gruppenarbeiten genutzt.
Design Thinking
Design Thinking ist ein Verfahren, um Lösungen von den Bedürfnissen der späteren Nutzer her zu entwickeln. Die HPI School of Design Thinking in Potsdam, gegründet 2007, beschreibt sechs Phasen, die wiederholt durchlaufen werden: Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und Testen. In der Schule eignet sich das Verfahren für Fragen wie die Umgestaltung eines Pausenhofs, bei denen Schülerinnen und Schüler Befragungen durchführen, Modelle bauen und sie von Mitschülern bewerten lassen.
Lean Startup und Business Model Canvas
Der Lean-Startup-Ansatz von Eric Ries (2011) prüft Geschäftsideen in einer Schleife aus Bauen, Messen und Lernen mit einem möglichst einfachen ersten Produkt. Das Business Model Canvas von Alexander Osterwalder gliedert ein Geschäftsmodell in neun Bausteine, darunter Kundensegmente, Wertangebot, Einnahmequellen und Kostenstruktur. Beide Werkzeuge werden vor allem in wirtschaftsbezogenen Studiengängen, in Schülerfirmen und in Gründungsprogrammen von Hochschulen eingesetzt.
Wahl der passenden Arbeitsmethode
Welche Methode passt, hängt von der Aufgabe ab. Ein Fachtext lässt sich mit einer Lesemethode erschließen, eine Vokabelliste mit Wiederholungsintervallen, ein offenes Gruppenprojekt mit Kanban oder Scrum. Entscheidend sind drei Fragen: Steht das Ergebnis zu Beginn fest oder entsteht es erst während der Arbeit? Arbeitet eine Person allein oder ein Team? Wie viel Zeit steht zur Verfügung? Eine Methode, die mehr Aufwand für Organisation verursacht als für die eigentliche Aufgabe, ist für kleine Vorhaben ungeeignet.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsmethoden und Arbeitstechniken?
Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Wo unterschieden wird, bezeichnet Arbeitstechnik eine einzelne, eng umrissene Fertigkeit wie Markieren oder Zitieren, Arbeitsmethode ein umfassenderes Vorgehen, das mehrere Techniken verbindet, etwa eine Projektarbeit nach Scrum.
Was bedeutet Methodenkompetenz?
Nach der Handreichung der Kultusministerkonferenz für die Rahmenlehrpläne der Berufsschule ist Methodenkompetenz die Bereitschaft und Fähigkeit, Aufgaben und Probleme zielgerichtet und planmäßig zu bearbeiten. Sie ist Bestandteil von Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz.
Eignet sich Scrum für den Schulunterricht?
Für Projekte über mehrere Wochen wird Scrum in angepasster Form eingesetzt, etwa als eduScrum. Für kurze Aufgaben ist der Aufwand für Planung, Rollen und Rückblicke meist zu groß; dann genügt oft eine einfache Aufgabentafel nach dem Kanban-Prinzip.
Welche Phasen hat Design Thinking?
Die HPI School of Design Thinking nennt sechs Phasen: Verstehen, Beobachten, Sichtweise definieren, Ideen finden, Prototypen entwickeln und Testen. Andere Modelle, etwa das der Stanford d.school, fassen die Schritte zu fünf Phasen zusammen.





